Einhand-Nonstop-Weltumseglung: die Globalisierung ist spürbar

Das große Abenteuer

Around alone – für (fast) jeden machbar? © tourismus

Around alone – für (fast) jeden machbar? © tourismus

Die Non-Stop-Einhand-Weltumseglung gilt als eines der größten Abenteuer der Menschheit. Wer sich durchschnittlich 200-250 Tage einsam als Spielball der Ozeane durchschütteln lässt, wer sich monatelang selbst genügt und alle körperlichen und mentalen Strapazen mehr oder weniger folgenlos übersteht, darf getrost stolz auf sich sein, wird zurecht als Heldin oder Held der Meere gefeiert.

Dass es selbst bei diesem vermeintlich ultimativen Abenteuer Steigerungen gibt, liegt in der Natur des Menschen buchstäblich verankert: Schneller (Francis Joyon 57 Tage, Ellen MacArthur 71 Tage), länger (Jon Sanders 657 Tage 3x nonstop rundum), schwieriger (gegen die vorherrschenden Windrichtungen von Ost nach West: Erdmann 343 Tage, van den Heede 122 Tage, Denise Caffari 178 Tage) und – aktuell – jünger (Jessica Watson 16 Jahre jung, 210 Tage).

Derzeit ist jedoch weltweit ein weiterer Trend zu beobachten, der – ähnlich wie beim Bezwingen des Mount Everest – einen positiven Aspekt der Globalisierung widerspiegelt und die Integration von Minderheiten unterstreicht.

Gerry Hughes während der ersten Seemeilen © GerryHughes

Gerry Hughes während der ersten Seemeilen © Gerry Hughes

Behindert – na und?

So stach vor 10 Tagen am 1. September der schottische Lehrer Gerry Hughes (50) auf einer 42-Fuss-Beneteau in See, um die fünf „großen“ Kaps zu umrunden. Doch Gerry hat ein gewichtiges Handicap: Er ist taub!

Entsprechend benennt der Zeichensprache-Lehrer als einziges Ziel seiner Reise „jungen Menschen zu zeigen, dass man selbst mit einer Behinderung kaum auf Abenteuer verzichten muss. Und darf!“  Gerry reiht sich dabei in eine wachsende Seglergemeinde mit körperlichen Handicaps ein, die „rundum nonstop“ bereits geschafft haben (wie etwa der querschnitts­gelähmte Australier Vinny Lawers) oder derzeit auf fast allen Weltmeeren trainieren, um bald zur großen Runde zu starten. Sein Blog sieht jedenfalls  vielversprechend aus – der Tracker positioniert ihn derzeit auf Höhe Spanien.

Die Inder sind nicht gerade als Seefahrer bekannt. Abilash Tomy will das ändern © timescrest

Die Inder sind nicht gerade als Seefahrer bekannt. Abilash Tomy will das ändern © timescrest

Von Mumbai um die Welt

Eine andere Minderheit in der Segelwelt repräsentiert Lieutenant Commander Abilash Tomy. Der 38jährige Inder wird durch ein Projekt seines Arbeitgebers, der Navy, finanziell unterstützt und will am 1. November von Mumbai aus starten, wohin er nach anvisierten 180 Tagen wieder zurück kehren will. Abilash wird überhaupt erst der zweite Inder sein, der dieses Abenteuer in Angriff nimmt  – vor ihm schaffte es der (mittlerweile in Indien berühmte) Dilip Dhonde in 2009. Der wiederum trainierte mit seinem „Nachfolger“  nicht nur monatelang, sondern stellte ihm auch sein Schiff, die Mahadei, zur Verfügung.

Der ChinGuo Chuan will als erster Chinese nonstop einhand um die Welt segeln – auf einer Class 40! © DRese Guo Chuan will als erster Seines Volkes nonstop einhand um die Welt segeln – auf einer Class 40!. © DR

Guo Chuan will als erster Chinese nonstop einhand um die Welt segeln – auf einer Class 40! © DR

Chinas Class 40

In einem weiteren Schwellenland trainiert derzeit ein Mann für die erste Nonstop-Weltumseglung seines Volkes, der in der Segelszene allerdings kein Unbekannter mehr ist: Guo Chuan (47) segelte als erster Chinese als Vorschiffmann das Volvo Ocean Race und finishte in 2011 den Mini-Transat. Guo trainiert zwar die meiste Zeit in Europa, will aber die Weltumseglung im November in Quingdao starten und beenden.

Die Strecke führt ihn zum Kap Hoorn, Kap der Guten Hoffnung und durch die Straße von Malakka. Um eine international anerkannte Weltumrundung zu schaffen, muss er allerdings zwei mal den Äquator passieren, wozu wohl noch ein kleiner „Schlenker“ nordwärts nötig werden dürfte. Der Clou: Guo wird auf seiner nagelneuen Class 40 unterwegs sein, deren Finanzierung von der China Ocean Shipping Corporation übernommen wurde. Und er will nicht nur ankommen, sondern auch einen Rekord setzen: Die geschätzten 21.600 sm will er in 130 Tagen schaffen.

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

3 Kommentare zu „Einhand-Nonstop-Weltumseglung: die Globalisierung ist spürbar“

  1. avatar SB sagt:

    ” finishte” ??
    geht vielleicht auch “beendete” ?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 5

    • avatar Heini sagt:

      Ja, das nervt. Genauso wie
      – “ich will das downloaden”
      – “ich werde ihm followen”
      – “ich muss gleich performen”
      Gedankenlos und dämlich.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

  2. avatar radivi sagt:

    Quingdao liegt in der Nordhemisphäre, Kap Hoorn in der Südhemisphäre. Wenn er also wieder in Quingdao ankommt und die Distanz gross genug ist, was sie sein dürfte, so braucht es keinen “Nord-Schlenker”. Speziell ist einzig, dass er Kap Leeuwin auslässt.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *