Einhandsegeln: Der 76jährige Stanley Paris bleibt nach Unfall auf Kurs

„Geht schon wieder…“

Weltumseglung, einhand, nonstop Stanley Paris

“Macht Euch keine Sorgen um mich!” schreibt der 76 jährige auf seinem Blogspot © paris

Als Stanley Paris (76) die Reste eines zerfetzten Vorsegels einholen wollte, verlor er das Gleichgewicht, fiel rücklings auf einen Deckvorsprung. Medien berichteten über eine Wirbelsäulen-Verletzung. Aber sein Sohn gab jetzt Entwarnung.

Man musste sich Sorgen machen um den Neuseeländer Stanley Paris, der die Welt als ältester Mensch einhand und nonstop umrunden will. Nach einem kurzen Internet-Post über einen Sturz avancierte er zu einem der meistbeobachteten Segler auf den Weltmeeren.

Weltumseglung, einhand, nonstop, Stanley Paris

Auch auf speziell gebauten Blauwasserschiffen kann es Trouble geben © Paris

Silvester ohne Schampus

So richtig dolle fing das neue Jahr für den „Alten Mann auf dem Meer“ nicht an. Er rührte selbst die halbe Flasche Champagner, die er sich für Silvester aufbewahrt hatte, nicht an. Zwar verabschiedete sich 2013 standesgemäß mit Krach und Gedöns, doch wurde dieser nicht von Feuerwerksböllern, sondern vom Lärm eines zerfetzten Vorsegels verursacht, das mitten in der Nacht unerwartet starken Böen zum Opfer fiel.

Erst gegen Neujahrsmorgen konnte Stanley Paris die Reste des Segels bergen. Dabei verlor er das Gleichgewicht und fiel rücklings auf einen Decksvorsprung. Paris postete später auf seinem Blog: „Der Schmerz unter meinem linken Schulterblatt war der schlimmste, den ich je erlebt habe. Ich lag für ein paar Minuten still, testete meine Lungen und bewegte mich dann erneut etwas. Ich spürte wie eine Rippe knackte. Krabbeln klappte nicht, weil ich auf meinen linken Arm kein Gewicht verlagern konnte. Nach ein paar weiteren Bewegungen brach ich im Cockpit zusammen und blieb mehrere Stunden liegen.“

Weltumseglung, einhand, nonstop, Stanley Paris

“Ich hörte eine Rippe knacken” © Paris

„Du bist zu alt für so was!“

Doch der rüstige 76jährige erholte sich erstaunlich schnell. Schon drei Tage nach dem Unfall fühlte er sich deutlich besser, konnte den Arm bereits wieder leicht belasten. Unter reduzierter Segelfläche freute er sich am 6. Januar, dass er mit seinem virtuellen Gegner Morgan – der 1986 die schnellste Weltumseglung ausgehend von der amerikanischen Ostküste schaffte –  „Kopf an Kopf“ liege.

Am 8. Januar postete er schon wieder, dass ihn Sprüche wie „Du bist zu alt für so was“ oder „unmöglich“ und „Du wirst einsam sein und kannst noch nicht mal kochen!“ schon immer reizten, genau das zu tun, von dem ihm abgeraten wurde…

Teils übertriebene Berichterstattung

Zwischenzeitlich hatten einige Medien „Wind“ von dem Unfall auf der „Kiwi Spirit“ bekommen. In Tageszeitungen seiner Wahlheimat Florida erschienen Artikel, in denen die Folgen des Sturzes stark übertrieben dargestellt wurden.

Hier segelt der 76jährige gerade seine "Kiwi Spirit" © googlemaps

Hier segelt der 76jährige gerade seine “Kiwi Spirit” © googlemaps

Von Rippenbrüchen war die Rede, von Verletzungen an der Wirbelsäule, es wurde übers Aufgeben spekuliert und dass schon Rettungsflugzeuge unterwegs seien. Das US-Segelmagazin Cruising World berichtete sogar, Stanley Paris sei aus dem Mast gefallen.

Nun sah sich sein Sohn Alan S. Paris genötigt, auf Facebook klarzustellen: „In diesem Artikel stimmten die Fakten nicht. Mein Vater ist nicht aus dem Mast gefallen und er ist nicht schwer verletzt. Er sagte mir, dass er schon in wenigen Tagen wieder zu 90 Prozent wiederhergestellt sein werde!“

Weltumseglung, einhand, nonstop, Stanley Paris

Natürlich klettert er auch schon mal in den Mast. Aber er ist eben nicht von dort herunter gefallen! © paris

Energie aus Hydrogeneratoren

Überhaupt wies Stanley Paris in den letzten Tagen darauf hin, dass man sich nicht so sehr um seine „Wehwehchen“ kümmern, sondern lieber Augenmerk auf eine anderen „Rekord“ legen solle, den er mit seiner Reise anvisiere.

Er produziert den Energiebedarf für seine „Kiwi Spirit“ ohne Einsatz von Kohlenwasserstoff, also ohne Diesel, Benzin, Propan- oder Butangas. „Das hat vor mir noch nie jemand so auf einer Weltumseglung gemacht. Nicht mal zum Abbrennen der Schotenden brauche ich eine Butanflamme!“ versichert er in seinem vorletzten Blogeintrag.

Ein Großteil der Energie, die er schließlich für den Autopiloten, für die Beleuchtung, für Kühlschrank und den Herd benötige, produzieren seine beiden hervorragend arbeitenden Hydrogeneratoren, der Rest komme aus Solarpanels und einem Windrotor. „Es gibt nichts Schöneres als bei 9 Knoten Fahrt zu hören, wie sich die Hydrogeneratoren aufladen! Also gibt es heute Abend warmes Essen!“

When the going gets tough…

„Es geht schon wieder,“ schreibt er auch. „Um  mich braucht Ihr Euch keine Sorgen machen!“ Liest sich, als würden wir in den nächsten Monaten noch oft über den „Alten Mann auf dem Meer“ berichten.

Weltumseglung, einhand, nonstop, Stanley Paris

Typische Kiwi-Mentalität: Bloß nicht unterkriegen lassen © Paris

„When the going gets tough, Stanley Paris gets on going!“ schreibt ein Facebook-Fan treffend. Gibt es ein schöneres Kompliment für einen 76jährigen Draufgänger?

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Michael Kunst

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