Forschung: Unbemanntes Segelboot erreicht bald Hawaii

Drohne unter Segeln

Am 1.Oktober startete die „Saildrone“ vor San Francisco. Heute, nach 29 Tagen, hat sie bereits 1.748 sm zurück gelegt – nur noch 337 sm trennen sie von ihrem Ziel Hawaii.

Eigentlich ist das eine Sensation. Oder in Abänderung großer Worte neu formuliert: „Es ist ein kleiner Schritt für die Seefahrt, aber ein großer Schritt für die Erforschung der Meere.“

Schon jetzt, obwohl noch nicht einmal am Ziel, kann von einem vollen Erfolg des Projektes gesprochen werden. Denn die „Saildrone“ gilt längst als das ausgereifteste unbemannte Segelgefährt, das in den letzten Jahren auf den Ozeanen dieser Welt unterwegs gewesen ist.

Dem muss fairerweise hinzugefügt werden, dass die meisten ihrer Mitbewerber es sich schwerer machen, nennenswerte Strecken auf dem offenen Meer zurück zu legen. Es sei nur an die “Relationship” der Uni Furtwangen erinnert, die Ende des letzten Jahrtausends sogar unbemannt um die Welt segeln sollte, aber nur bis zu den Azoren durfte. Das Projekt mit dem 11 Meter langen und 3 Millionen Mark teuren Trimaran hatte mit dem internationalen Seerechts zu kämpfen und wurde deshalb von einem bemannten Schiff begleitet.

Segelroboter

Unbemanntes Segeln, Segelroboter

Schafft 14 kn Spitzengeschwindigkeit: Die unbemannte Saildrone © saildrone

Weiterhin melden sich jährlich einige Teilnehmer zur Micro-Transat, die vor Irland startet und deren Ziel auf der anderen Seite des Atlantiks vor der Karibik liegt. Der enorme Schwierigkeitsgrad bei dieser „Regatta“ liegt jedoch nicht in der seglerischen Bewältigung der Ozeane, sondern in einer prinzipiellen Regel: Die Boote müssen selbständig, ohne Einflussnahme von außen, über den Teich segeln.

Dieses Jahr hielt es „Erwan 1“ über 100 Stunden alleine auf See durch, bevor der Segelroboter keine Signale mehr sendete, als Verlust gemeldet und, logisch, disqualifiziert wurde. Der andere diesjährige Teilnehmer schaffte gerade mal 14 selbständige Segelstunden.

Die „Saildrone“ ist derzeit ebenfalls mit einer Software bestückt, die es ihr eigentlich erlauben würde, völlig selbständig am Ziel anzukommen. Eigentlich. Doch das Team hinter der „Saildrone“ sieht ihr „Baby“ derzeit nicht in einem Wettkampf mit anderen Segelrobotern oder eben auf einer Rekordfahrt, sondern in der Testphase für bald schon zu startende Forschungsprojekte auf den Meeren unseres blauen Planeten.

Auf diesem Gefährt stellte der Saildrone-Macher Jenkins mit 200 km/h den WR für segelangetriebene Fahrzeuge auf © saildrone

Auf diesem Gefährt stellte der Saildrone-Macher Jenkins mit 200 km/h den WR für segelangetriebene Fahrzeuge auf © saildrone

Entsprechend nutzte das Saildrone-Team rund um Gründer und Flügel-Freak Richard Jenkins in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Smartphone und Satelliten, um den Kurs der „Saildrone“ in haarigen Situationen wieder neu auszurichten.

Drohne mit (Segel)-Flügeln

Die „Saildrone“ ist ein Trimaran aus Karbon-Komposit-Materialien. Sie misst 5,8m in der Länge und ist 2,14m breit; ein Karbon-Flügelsegel ragt 6,1m in die Höhe. Das Gefährt hat bereits Spitzengeschwindigkeiten von 14 kn erreicht, auf seiner Fahrt nach Hawaii segelt es derzeit mit einem Durchschnitt von etwa 5 kn.

Unbemanntes Segeln, Segelroboter

Riss der Saildrone © saildrone

Der segelnde Roboter gilt als extrem robust, richtet sich grundsätzlich nach einer Kenterung wieder selbst auf und kann auch mehrere Stunden durchgekentert „durchhalten“, ohne Schaden zu nehmen.

Die Macher hinter der „Saildrone“ sind allesamt Spezialisten auf ihrem Gebiet: Richard Jenkins ist erprobter Flügel-Ingenieur, der bereits seit Jahren den Geschwindigkeitsrekord für windangetriebene Fahrzeuge hält – 126 mph/201 km/h. Der begeisterte Segler mit über 50.000 Seemeilen „auf der Logge“ umgibt sich mit Spitzeningenieuren, Komposit-Fachleuten, Luftfahrt- und Schiffbauingenieuren.

„Das ganze Projekt ist von Anfang an professionell ausgelegt gewesen, weil hier ein neues Business entstehen soll,“ stellte er kürzlich in einem Interview mit dem SF-Chronicle klar. „Wir wollen mit der Saildrone die Erforschung der Meere, vor allem aber die Umwelteinflüsse auf unsere Ozeane auf kostengünstige, ökologisch verträgliche Weise voran bringen!“

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Michael Kunst

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10 Kommentare zu „Forschung: Unbemanntes Segelboot erreicht bald Hawaii“

  1. avatar bagatell sagt:

    … 3 Millionen “Mark”?….Schreibfehler aus der Vergangenheit oder kommt das Projekt ebendaher? 😉

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    • avatar miku sagt:

      @bagatell
      ein Projekt aus dem Ende des letzten Jahrtausends (wie im Satz zuvor geschrieben) wurde eben noch in DM bezahlt 🙂

      Grüße

      miku

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  2. avatar SR-Fan sagt:

    “Drohne?” – der Kampf gegen den Terror macht halt auch vor dem Wasser nicht halt …

    VG

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  3. avatar stefan sagt:

    …interessantes Projekt! Allerdings werfen autonom fahrende Boote ja immer eine ganze Reihe rechtlicher Fragen auf.

    …aber alternativlos ist das auch nicht, denn es gibt schon seit Jahren einen Typ von Fahrzeug das für den grossräumigen autonomen Einsatz eingesetzt wird. Allerdings “segelt” das vertikal durch den Wasserkörper und wird ganz einfach durch die abgelenkte Störung die beim Auf- und Abtauchen genutzt werden kann, angetrieben.

    http://www.nsf.gov/news/special_reports/deadzones/glider.jsp

    Vom Art des Einsatz sind beide Fahrzeuge sicherlich nicht die selben, da das eine nur Daten an der Wasseroberfläche sammeln kann, das Andere nur in den verschiedenen Tiefenschichten des Ozean. Aber so ergänzen sich beide dann in Zukunft.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 1 Daumen runter 8

    • avatar bagatell sagt:

      stefan, ich bitte Dich! Hier geht es ums segeln! Wie der Name ganz oben schon sagt. Oder wolltest Du uns nur mitteilen was Du alles im Internet recherchierst?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

  4. avatar Sailing4Ever sagt:

    Ich sehe schon die U.S. Coast Guard, wie sie das Ding am Haken haben und krampfhaft versuchen, eine Antwort auf ihre Fragen zu erhalten, wo denn der Kapitän ist, und wohin es fährt, ob es sich ausweisen kann, und vor allem, was es geladen hat ..

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  5. avatar Heinrich sagt:

    Hoffentlich hat die Drohne einen Segelschein!

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  6. avatar Friedrich sagt:

    Und wann foilt das Ding?

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  7. avatar sailor sagt:

    Downsizing at its best!

    Digger, das wär doch was.

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