Mini-Transat 6.50: Jörg Riechers über seine Probleme mit einem beschädigten Kiel

"Fast wäre der Kiel gebrochen"

Jörg Riechers nach 18 Tagen und 22 Stunden ungewaschen und fern der Heimat aber gut gelaunt nach Platz fünf. © - Pierrick Garenne / GPO

Jörg Riechers (43) berichtet zwei Tage nach dem Ende seines Atlantikrennens über die Probleme, die ihm während der harten Etappe begegnet sind. 15 Segler mussten aufgeben, vier Yachten erlitten einen Mastbruch.

„Ich bin heilfroh, endlich angekommen zu sein”, sagt der Hamburger. “Denn seit neun Tagen hatte ich große Probleme mit dem Kielkopf im Schiffsinneren. Er ist gebrochen. Ich bin nun erleichtert aber auch ein wenig frustriert, weil ich das Gefühl habe, nicht zu gleichen Bedingungen gesegelt zu sein. Dennoch ist es ein gutes Ergebnis, da die vier Konkurrenten vor mir doch sehr stark waren.“

Das Endstück des Kiels, der so genannte Kielkopf im Schiffsinneren, begann sich vor neun Tagen aufzulösen. An ihm sind die Taljen befestigt, mit denen der Kopf nach Lee und damit die Kielbombe unter Wasser nach Luv gezogen wird.

Riechers berichtet: „Ich muss mich bei bei meinem Konkurrenten Lukas Schröder bedanken. Ich weiß nicht, was ich ohne ihn auf dem Atlantik gemacht hätte. Denn die Vorderseite des Kiels war aufgerissen. Ich hatte mit Lukas Funkkontakt. Und er hat mich nicht nur motiviert, sondern er hätte mich im worst case auch gerettet, wie er mir versicherte. Das war ein gutes Gefühl.

Er hätte sogar sein Rennen abgebrochen. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Gott sei Dank konnte ich den Kiel mit allem, was ich an Karbon an Bord hatte, laminieren. So ging es erst mal weiter. Oder auch nicht, weil ich dann plötzlich in der Flaute hing, hilflos. Ein fürchterliches Gefühl, wenn man mit einem Knoten vor sich hindümpelt und weiß, die anderen segeln mit 10 Knoten davon. Adieu, Podium“.

Bei den dan stark auffrischenden Passatwinden musste der mare-Skipper erst vorsichtiger segeln, um seinen Kiel und damit das Schiff nicht zu verlieren. Aber dann fasste er wieder Vertrauen zu seiner Konstruktion und gab in einem mächtigen Endspurt noch einmal richtig Gas.

„Ich versuche mich jetzt mit meinem 5. Platz anzufreunden. Den habe ich mir zum Schluss hart erkämpft. Ich bin an meine physischen, aber auch psychischen Grenzen gestoßen, habe zwei Tage nicht geschlafen und auch Halluzinationen gehabt.“

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Mini-Transat 6.50: Jörg Riechers über seine Probleme mit einem beschädigten Kiel“

  1. avatar Andreas sagt:

    Klasse, Jörg. Eine tolle Leistung, die man als Warmduschsegler nur bewundern kann. Kommt alles vom Lasertraining auf der Alster…….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  2. avatar Lyr sagt:

    Wow! Wirklich starke Leistung! Letztendlich macht das den Winner aus, der in solchen Situationen immer noch alles gibt. Bin tief beeindruckt. Weiter so, dann klappt es irgendwann auch mal mit dem ganz großen Sieg, obwohl der 5. schon wirklich stark ist.

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  3. avatar Kurt der 2te. sagt:

    Canting kiele sind schon klasse

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