Mini-Transat 6.50 Typen: Der chinesische Brasilianer Kan Chuh, der Türke Tolga Pamir

Die Mini-Exoten

Das Mini-Transat liegt in den letzten Zügen. In den nächsten Tagen werden auch die Serien-Minis in Bahia erwartet. Dabei lässt diese Regatta ihre Geschichten nicht nur durch die Top Athleten schreiben. Mehr als bei anderen Regatten sind die persönlichen Stories der Teilnehmer bemerkenswert.

Der Brasilo-Chinese Kan Chuh segelt zu seinem Heimathafen nach Bahia. © Pierrick Garenne/GPO

Kan Chuh, Brasilien, Jahrgang 61, auf Serien Pogo 2, Bj. 2003.

Nein, er ist nicht der Quoten-Segler aus Brasilien, den man in einer Regatta, die eben in Bahia endet, unbedingt dabei haben sollte. Und, ja, richtig geraten, er ist kein Ur-Brasilianer – seine Vorfahren kommen aus China.

Hierin liegt eigentlich auch das kleine Geheimnis verborgen, warum ein gut situierter Elektronik-Ingenieur, verheiratet, Vater von 3 Kindern, der nur gelegentlich mal in der Bucht von Bahia herumschipperte, plötzlich auf einem Mini über den Atlantik segeln muss.

„Bei uns Chinesen werden bekanntlich Singvögel im Käfig gehalten. Und die Tiere werden immer dann verrückt, wenn die freien Kollegen ihrem Zugvogel-Drang nachgeben und davon fliegen. Irgend so etwas muss bei mir auch veranlagt sein: jedes Mal, wenn die Minis in Bahia ankamen, verspürte ich diesen seltsamen Drang, auch eines Tages mit so einem Ding hier in meiner Heimat anzukommen! Das machte mich ganz verrückt.“

Vor zwei Jahren fiel seine Entscheidung, Kan wollte und konnte nicht mehr länger warten und reihte sich unter die Mini-„Zugvögel“ ein. Er musste sich hart vorbereiten, alle Qualifikationen fern von seiner Familie, meistens ganz alleine durchziehen.

Kan ist mit höchstem Respekt vor den seglerischen Qualitäten der Europäer an den Start gegangen. Dafür schlägt er sich mit seinem alten Serien-Pogo sehr ordentlich auf Rang 23 im Feld der 35 Schiffe, die sich noch im Rennen befinden. Nicht schlecht für einen Zugvogel, der eben mal schnell über den großen Teich nach Hause will…

Der erste Türke beim Mini-Transat Tolga Pamir hat noch ein Boot hinter sich. © Pierrick Garenne/GPO

Tolga Pamir, Türkei, Jahrgang 1975, Serie Dingo 2, Bj. 2008

Der erste Türke im Kreis der Minis hat eigentlich schon vor dem Start zur Mini-Transat das Wichtigste geschafft: Er brachte seinen Landsleuten auf sportlichem Wege ein Teil der westlichen Kultur näher.

„Bei uns in der Türkei reden sie alle davon, dass sie in die EU wollen. Aber kaum jemand interessiert sich dafür, was die Europäer so alles machen…“  Eine völkerverständigende Maßnahme, die Tolga förmlich im Blut liegt: Drei seiner Onkel waren Botschafter und Diplomaten in Frankreich, Belgien und Neuseeland.

„Als ich vor ein paar Jahren meiner Familie von dem Mini-Projekt erzählte, haben mich alle für bescheuert erklärt,“  erinnert sich Tolga heute. Aber mittlerweile berichten in der Türkei immer mehr Radio- und TV-Stationen über ihn und seinen Mini, verfolgen Schulklassen das Projekt und schreiben die größten Tageszeitungen von seinen Qualifikationsregatten und über die Charente/Bahia-Transat.

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Michael Kunst

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