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Profisegler Doriean rutscht in Dusche aus. Tot

Profi-Trimmer Peter Doriean in seiner Zeit auf dem Volvo Ocean Race Team "Djuice Dragon" © Jon Nash/djuice dragons

Es klingt unglaublich. Da führt der australische Profisegler Peter Doriean ein Leben im Adrenalin-Rausch auf den extremsten Yachten in den brutalsten Revieren. Er segelt Jahre lang durch die heftigsten Stürme, bezwingt Dutzende Male den Southern Ocean, beendet 20 Mal das Sydney-Hobart-Rennen, kämpft bei zwei Volvo Ocean Races am absoluten Limit und musste sich 2006 einige hundert Meilen vor Kap Horn von der sinkenden „Telefonica Movistar“ retten lassen.

Dann neigt sich mit 38 Jahren seine Karriere dem Ende zu. Die Familie wächst mit den Töchtern Jemima (5) und Fox (3). Dorien denkt langsam darüber nach, wohin der Weg nach dem Job als Profi-Trimmer führt. Die Jobs in der ersten Liga werden weniger. Aber ex Puma-Skipper Ken Read heuert ihn noch einmal für den 90 Fußer „Rambler“ von Eigner Gerorge David an. Doriean raste 2007 mit „Rambler“ über den Atlantik und lief als Sieger des Blue Races in Hamburg ein. Er darf bei der Karibik-Regatta Les Voiles de Saint Barth mit den alten Kumpels an den Start gehen.

In St. Maarten bereitet er sich auf das erste Rennen vor. Duscht noch einmal im Hotel. Rutscht aus. Schlägt sich den Kopf auf. Ist tot…

Was soll uns das sagen? Kann man nur ungläubig staunen, welche Wendungen das Leben bereit hält? Dorien würden Dutzende Situationen einfallen, bei denen er sich auf seinen Schutzengel verlassen konnte. Warum musste er bei einem banalen Duschunfall sein Leben lassen? Warum?

Volvo Ocean Race Chef Knut Frostad segelte 2001/02 auf „Djuice Dragon“ mit dem Australier und gewann 2000 mit ihm das Sydney Hobart Race. Er sagt: „Das Leben kann so unglaublich unfair sein.“

Sein ehemaliger Skipper Bouwe Bekking beschreibt Doriean als den „Entertainer“ an Bord und einen fröhlichen, positiven Mann, der immer lachte, wenn es einen Sturm abzureiten gab. „Er liebte das raue Wetter.“

Das Unglück ist nicht logisch. Aber was ist schon logisch im Zusammenhang mit dem Tod? Beim Thema Schicksal kommt der Mensch mit seiner Logik nicht weiter. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Und doch wird sie immer erst bewusst, wenn der Tod im Umfeld auftritt. Wäre es ein Unterschied gewesen, wenn eine Welle Doriean im Sturm über Bord gewaschen hätte? Das Ergebnis ist das Gleiche. Tod ist gleich Tod. Ob in der Dusche oder auf dem Meer.

Und doch kann sich der Mensch schwerer mit einem blöden Duschunfall arrangieren. Die Warum-Frage schmerzt umso brennender. Aber es bringt nichts. Am Ende bleibt nur Unverständnis, Wut und Hilflosigkeit.

Die Familie hat ein Spendenkonto eingerichtet.
www.dorieanfamilyappeal.com

Carsten Kemmling
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

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