Rekordsegeln: Alain Thébault will mit neuer Hydroptère 150 km/h über 1 sm schaffen

Schnell, schneller, 100kn

Hydroptère, Thebault, neue Rekorde

Nach dem Pazifik-Rekord will Thebault dann mal richtig schnell segeln! © Launay

Ende Mai, Anfang Juni soll die aktuelle Hydroptère endlich den Transpac-Rekord brechen. Danach möchte Thébault in einem neuen Zweisitzer 150 km/h im Mittel rasen. Doch das ist längst nicht alles!

Egal wo sie auf der Welt zu finden sind: Speedfreaks sind ein ganz spezielles Völkchen und überzeugen zumeist durch ein unglaubliches Durchsetzungsvermögen. Und durch Glück.

„Ich werde nie aufgeben!“ sagte Alain Thébault Ende letzten Jahres, als ihn sein Hauptsponsor DCNS von einem Tag auf den anderen „im Trockenen sitzen ließ“. Einige in der Szene wollten und konnten ihm das allerdings nicht so richtig abnehmen, denn im Vergleich zu Paul Larsens Vesta-Sailrocket-Projekten sind die Hydroptère-Aktionen extrem aufwändig und verschlingen vergleichsweise Unsummen Gelder. Doch Thébault wollte nicht daran glauben, dass wegen (fehlenden) schnöden Mammons sein Traum vom Fliegen über die Wasser ein jähes Ende finden sollte. Der auch selbst finanziell sehr gut aufgestellte Geschwindigkeitsjunkie soll geschworen haben: „Und wenn ich dafür meinen letzten Cent hergeben müsste!“.

Hydroptère, Thebault, neue Rekorde

Nach dem Transpac sollen wieder pure Rekorde fallen © Demange

Den Pazifik rasend bezwingen

Doch so weit wird er es schon nicht kommen lassen. Zur Erinnerung: Alain Thébault und sein Team wollten vergangenen Sommer den Rekord für die Strecke zwischen Los Angeles und Honolulu/Oahu, Hawaii brechen. Dafür ließen sie die Hydroptère, den 18m langen und 24 m breiten riesigen Tragflügeltrimaran (damals noch Weltrekordhalter über 500 m und eine sm) hochseegerecht umbauen und transportierten ihn huckepack auf Frachtschiffen an die kalifornische Küste. Da sie dort ein wenig spät ankamen, wollte sich kein geeignetes Wetterfenster mehr öffnen und der Transpac-Rekordversuch musste zunächst ad acta gelegt werden.

Folgte der erwähnte Hauptsponsor-Abgang. Doch Thébault schaffte es tatsächlich in extrem kurzer Zeit, seine weiteren Sponsoren wie etwa die Champagner-Marke Lanson, PME, Clip Industries und Atheos zu höheren Zahlungen zu bewegen und einen Investmentfond als zusätzlichen Kapitalgeber zu verpflichten.

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Strahlemänner: Parlier, Thebault, Le Cam bei PK © Launay

Gelder sind vorhanden

Gestern bestätigte er gemeinsam mit seinem „Dream-Team“ Jean Le Cam (Rang 5  Vendée Globe 2013), Yves Parlier und Jacques Vincent zunächst den anstehenden Angriff auf den Transpac-Rekord.

„Wir haben nahezu alle notwendigen Mittel für dieses und weitere Projekte beisammen und werden ab Mitte Mai auf Standby-Position in Los Angeles sein,“ eröffnete er seine Pressekonferenz.

Man wolle diesmal nicht den gleichen Fehler wie im vergangenen Jahr begehen und rechtzeitig bereit sein, um die normalerweise im Juni auftretenden Ausläufer der nordpazifischen Hochdruckgebiete optimal zu nutzen. „In diesem Zeitraum kann man auf direktem Wege mit raumen Kursen gen Hawaii brettern. Idealer geht es nicht!“

Doch diese Rekordfahrt soll eigentlich nur zum Aufwärmen dienen. Denn Alain Thébault hat ziemlich Großes vor: „Paul Larsen hat mit seiner Sailrocket gezeigt, dass es eigentlich keine Grenzen mehr auf dem Wasser gibt,“ schwärmt Thébault. „Also haben wir uns vorgenommen, die 80kn im Mittel zu knacken und Spitzen von 100 kn zu erreichen!“ Pure Geschwindigkeitsrekorde nennt er so was. „Es geht dabei um Speed, um nichts als Speed.“

Mal eben schnell 150km/h

Dafür will der Speedfreak allerdings nicht die aktuelle Hydroptère einsetzen. Derzeit planen bereits drei Ingenieure eine zweisitzige „Rakete“ auf dem Reißbrett respektive im Computer. Als Crew-Partner hat Thébault einen langjährigen Freund und Gesinnungsgenossen verpflichtet, den schwedischen Windsurfer Anders Bringdal.

Hydroptère, Thebault, neue Rekorde

Hydroptère = Tragflügelboot © Launay

Bis hierhin sind „Gelder vorhanden“, beide Rekordversuche sind finanziell abgesichert. Und: Thébault will offenbar den Transpac wie auch den „puren“ Speedrekord über 1 sm in 2013 abhaken.

Doch was wären rasende Segler ohne Visionen? Mit einer neuen Hydroptère 2, die bald schon auf „Kiel“ gelegt werden soll, will Thébault den Atlantik in drei Tagen bezwingen. „Diese segelnde Flugmaschine soll eine Mischung aus der aktuellen Hydroptère und den effektivsten Hochsee-Monster-Trimaranen werden,“ erklärte Thébault unlängst. „Die Welle des Atlantiks kann nicht mit filigranen, reinen Speedmaschinen bezwungen werden!“

Mit dieser Hydroptère sollen übrigens auch die 1.000 sm in 24 Stunden geknackt werden. „Am besten gleich alles in einem Aufwasch, bei der Atlantiküberquerung!“ grinst er.

So bliebe eben mehr Zeit für weitere Projekte im Geschwindigkeitsrausch.

Das bisherige Abenteuer in 9 Minuten. Veröffentlicht vor dem Speedweltrekord von Paul Larsen auf Sailrocket. Spannend, sogar in Französisch!

 Website Hydroptère

 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Rekordsegeln: Alain Thébault will mit neuer Hydroptère 150 km/h über 1 sm schaffen“

  1. avatar Heinblöd sagt:

    Vornehmen kann man sich ja vieles. Ich plane für diesen Sommer die Marke von 200 Knoten zu knacken. Mal sehen ob’s klappt!?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 6

    • avatar Alex sagt:

      Bisher hatten sie ja das Problem mit der Gasbildung an den Anhängen wenn sie Richtung 60 kn gekommen sind. Da ist das sicher schon jenseits des sehr “sportlichen Ziels” wenn man als Zielsetzung in der Spitze 100 kn und im Mittel mit 80 kn über das offene Meer ballern möchte.

      Könnte es sich möglicherweise um eine falsche Einheit handeln? Km/h würde ich als realistischer ansehen.

      Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

      • avatar miku sagt:

        Thèbault ist ja in der Szene durchaus dafür bekannt, die Latte möglichst hoch anzulegen, frei nach dem Motto: ” Ohne Ziel geht nix”. Er spricht tatsächlich von 100kn (in Spitzen) und peilt eben die 80kn im Mittel an.
        Das angesprochene Problem mit der Kavitation muss in der Tat noch untersucht werden. Paul Larsen hat auf seinem Rekordritt vor Namibia damit ganz offensichtlich keine Probleme gehabt (wegen Superkavitation?) Bleibt abzuwarten, ob Thébault ein völlig anderes Design für seinen neuen Zweisitzer vorstellen wird, oder ob sein Modell der Sailrocket von Paul Larsen ähnelt.

        Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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