Rolex Fastnet Race: 3000 Segler und 15 deutsche Yachten auf dem Weg zum Rock

Feuer frei fürs Fastnet

Die klassischen Starkanonen auf der Mauer der Royal Yacht Squadron in Cowes starten das Fastnet Race 2011. © Rolex / Carlo Borlenghi

Am Sonntag (14. August) um 11 Uhr britischer Zeit ist die 44. Auflage des legendären Rolex Fastnet Race gestartet . Es ist ein Rennen der Rekorde, denn niemals zuvor waren mehr Yachten am Start, um von der Isle of Wight um den berüchtigten Fastnet Rock in der Irischen See herum und zurück nach Plymouth an der Südküste Englands zu segeln.

Und nie zuvor gingen so viele rasante Schiffe wie 2011 auf den Kurs. 350 Crews aus 19 Nationen, darunter 15 deutsche, haben für das 608 Seemeilen lange Rennen gemeldet. Es ist der eindrucksvolle Beleg, dass das Rolex Fastnet Race seit seiner Erstaustragung in 1925 nichts an Anziehungskraft verloren hat. Ein Sieg bei diesem Ereignis, das nur alle zwei Jahre ausgetragen wird, ist für jeden Hochsee-Segler höchste Auszeichnung.

Im Wettstreit um die schnellste Zeit bei diesem Rennklassiker dürfte der 140 Fuß (rund 42 Meter) lange Super-Trimaran „Maxi Banque Populaire“ (Frankreich) nicht zu schlagen sein, wenn nicht etwas Unvorhergesehenes passiert. Immerhin hat der Riesen-Tri gerade erst im Juli den Rekord bei der Umrundung der britischen Inseln auf unglaubliche drei Tage, drei Stunden und 49 Minuten geschraubt.

Der klassische Kurs von Cowes um den Fastnet Rock nach Plymouth. © Rolex / Carlo Borlenghi

Mit Spannung wird zudem erwartet, wie sich die neue Trimaran-Einheitsklasse MOD 70 in den rauen Gewässern der Irischen See schlägt. Mit der „Race for Water“ und der „Veolia Environnement“ haben gleich zwei dieser werftneuen Schiffe gemeldet.

Von prestigeträchtiger Bedeutung ist aber auch der Titel, als erste Einrumpfyacht im Ziel zu sein. Mike Slade (Großbritannien), der mit dem 30-Meter-Supermaxi „ICAP Leopard“ bei den beiden vergangenen Rennen jeweils das schnellste Schiff stellte, ist hier der erste Anwärter. Er wird sich mit George David (USA) auf der ebenso langen „Rambler 100“ einen heißen Kampf liefern.

Zuletzt trafen die beiden Erzrivalen beim Transatlantic-Race von Newport (USA) nach Lizard an der Südküste Englands aufeinander. Die „Rambler 100“ distanzierte die „ICAP Leopard“, die während der Überquerung ihren Bugspriet verlor, deutlich.

Startvorbereitungen in Cowes. 3000 Segler machen sich auf den Weg zum Fastnet Rock. © Rolex / Carlo Borlenghi

Dennoch ist Slade, der vor vier Jahren den Streckenrekord beim Rolex Fastnet Race (ein Tag, 20 Stunden und 18 Minuten) aufstellte, zuversichtlich. „Es wäre wirklich außergewöhnlich, das Rolex Fastnet Rave dreimal in Folge zu gewinnen.

Wir glauben, wir haben gute Chancen bei leichten Winden oder in schwerem Wetter, nur dazwischen haben wir etwas Probleme. Ich bin sehr gespannt, es wird ein aufregendes Rennen. Aber ich will auf gar keinen Fall, den Rekord an die ,Rambler 100′ verlieren. Das würde uns das Herz brechen, und wir werden alles dafür geben, diesen Rekord zu verteidigen“, sagt Slade.

Eine große Flotte professioneller Crews auf Volvo70-, IMOCA60- und Class 40-Yachten sowie Multihulls wird zudem dafür sorgen, dass schnelle Zeiten bei diesem Rolex Fastnet Race zu erwarten sind. Das Großaufgebot dieser Yachten, die sich bei dem Regatta-Klassiker auf weitere Herausforderungen vorbereiten, ist der Grund dafür, dass in diesem Jahr ein Rekordfeld an den Start geht.

Der Starter bei der Royal Yacht Squadron ist schon die ganze Woche bei der Cowes Week im Einsatz. © Rolex / Carlo Borlenghi

Um dem Ansturm auf die begrenzten Meldeplätze überhaupt gerecht zu werden, haben die Organisatoren des Royal Ocean Racing Club (RORC) eine eigene Startgruppe mit 50 Plätzen für diese Yacht-Typen eingerichtet. Dennoch waren die anderen 300 Startplätze nach Öffnung der Meldelisten im Januar nach nur zehn Tagen vergeben.

Unter den deutschen Yachten, die einen Startplatz ergattern konnten, sind vor allem die großen Klubyachten, die sich ein internes Duell im internationalen Feld liefern werden. Auf der „Bank von Bremen“, dem Flaggschiff der Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“, macht man keinen Hehl daraus, dass man die „Haspa Hamburg“ und die „Norddeutsche Vermögen“ des „Hamburgischen Vereins Seefahrt“ als „natürliche Gegner“ ansieht.

„Wir sind zwar eine junge Crew, aber wir wollen bestes deutsches Klubschiff werden“, sagt Chris Lükermann, Navigator auf der „Bank“, einer Judel/Vrolijk 53. Ein Großteil der Crew war bereits vor zwei Jahren beim Rolex Fastnet Race dabei, kann also schon auf eine große Erfahrung blicken und durfte auch schon bei der Überfahrt nach England durch die Nordsee mit sechs bis sieben Beaufort gegenan das Schwerwetter proben.

Drohende Wolken hängen über dem Gebäude der ehrwürdigen Royal Yacht Squadron Cowes auf der Isle of Wight. © Rolex / Carlo Borlenghi

Mit neuem Bugspriet und neu geschnittenen Segeln hofft die „Bank von Bremen“, die Zeit von drei Tagen und 18 Stunden, die sie vor zwei Jahren für die 608 Seemeilen benötigt hat, zu unterbieten. „Wir sind gut vorbereitet, aber es hängt viel von dem Wind ab und wie wir durch die navigatorisch anspruchsvollen Gebiete an den Kaps von Südengland kommen“, sagt Lükermann.

Im Gegensatz zur „Bank von Bremen“ hat auf der „Norddeutschen Vermögen“, eine Andrews 56, nur Steuermann Jan Gallbach Fastnet-Erfahrung, da er das Schiff bereits vor zwei Jahren gesteuert hat. „Wir gehen sicherlich respektvoll an die Aufgabe heran, aber wir haben gut trainiert und Crew-Mitglieder mit Atlantik-Erfahrung an Bord“, sagt Gallbach. Auch er will sich vor allem an den deutschen Gegnern orientieren, aber auch an internationalen Konkurrenten, die man bereits beim Transatlantic-Race kennengelernt hat.

Eine junge Crew schicken auch die Klubkameraden ins Rennen. Die „Haspa Hamburg“ (JV 52) hat indes schon auf der Cowes-Week die südenglischen Gewässer getestet und hofft auf eine Platzierung in der ersten Hälfte bzw. im ersten Drittel des Feldes.

„Aber der Vergleich mit den anderen deutschen Schiffen spielt sicherlich eine übergeordnete Rolle“, sagt Skipper Torsten Hilbert, der sich auch freut, sich in einem professionellen Feld bewähren zu können. „Wir peilen eine Zeit von drei Tagen an, denn nach der Wetterprognose wird es wohl kein Schwachwind-Rennen.“

Für den Hamburger Uwe Lebens wird das Rolex Fastnet Race auf der Reichel/Pugh 57 „Scho-ka-kola“ zum „krönenden Abschluss“ einer Rennserie. Denn zuvor ist Lebens schon die Langstrecken von Annapolis nach Newport und beim Transatlantic-Race gesegelt.

„Es ist für mich aber das erste Fastnet-Rennen“, sagt Lebens, der vor allem ohne Bruch das Rennen überstehen möchte. „Aber der Wettkampf spielt natürlich immer eine Rolle. Es sind sehr interessante Schiffe dabei. Die Gelegenheit, sich mit solchen Top-Crews zu messen, bekommt man in Deutschland nicht. Wir werden versuchen, uns einiges abzugucken. Die Fragen werden sein: Wie machen die das am Start? Was haben wir selbst für eine Strategie?“

Die Crew besteht aus Lebens Freundeskreis, der eine Zeit von dreieinhalb bis vier Tagen bei stabiler Windlage anpeilt und sich dafür intensiv mit den Strömungsverhältnissen an der englischen Südküste auseinander gesetzt hat.

Eine ähnliche Richtzeit sieht auch Tim Schiederig für die „Varuna“ aus Hamburg. Die Rogers 46 wird vor allem die fast baugleiche „Shakti“ aus Flensburg im Auge behalten. „Es ist toll, dass es ein vergleichbares Boot gibt. Die beiden Schiffe sind häufig in Sichtweite“, berichtete Navigator Schiederig.

Tatsächlich haben die beiden Yachten fast identisches Speedpotenzial. Beim Transatlantic-Race lagen sie nach über 3000 Seemeilen im Ziel lediglich wenige Minuten auseinander. Daher kann nach dem Start vor Cowes auf der Isle of Wight die Taktik im Englischen Kanal schon von entscheidender Bedeutung sein. „Das wird sicherlich eine knifflige Angelegenheit, den richtigen Weg durch die Kaps und Tiden zu finden“, sagt Schiederig.

Insgesamt sind in dem Rekordfeld aus 350 Yachten neben den Crews aus dem Gastgeberland Großbritannien auch Teilnehmer aus Belgien, China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Hong Kong, Irland, Italien, Litauen, Österreich, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, Russland, Schweden, der Schweiz, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA vertreten.

Die rund 3000 Segler kämpfen um die wichtigste Trophäe für den Gesamtsieg in der Rolex Fastnet, den Fastnet Challenge Cup, sowie mehr als 30 weitere Trophäen. Die Siegerehrung ist für Freitag, 19. August, an der historischen Royal Citadel geplant – mit Blick auf den Plymouth Sund und Sutton Harbour, wo die Mehrheit der Flotte ihren Liegeplatz hat.

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Ein Kommentar „Rolex Fastnet Race: 3000 Segler und 15 deutsche Yachten auf dem Weg zum Rock“

  1. avatar Stefan Zeyse sagt:

    Findet der “Rolex Fastnet Rave” in der Royal Yacht Squadron statt?

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