Transat Jaques Vabre: Immer mehr Ausfälle beim Zweihand-Atlantikrennen

Neues vom Schlachtfeld

Prominenter Ausfall. Der Schweizer Bernhard Stamm mit seiner neuen "Cheminees Poujoulat" © Thierry Martinez / Sea & Co

Die Transat Jacques Vabre ist gerade mal fünf Tage alt und hat schon reichlich Ausfälle zu verzeichnen.

In 12 bis 15 Stunden durch den Kanal, eine Nacht und einen Tag Kurs NWW bei 30 Knoten Windgeschwindigkeit, dann abfallen Richtung Süden; innerhalb der letzten vier Tage ganze drei Nordatlantik-Tiefs oder zumindest deren Ausläufer auf die Mütze bekommen; kein vollständiger ruhiger Tag, höchstens mal ein paar Stunden mit „nur“ vier Beaufort; Seegang immer zwischen vier und sieben Meter; Reachkurse mit Hochgeschwindigkeitspotential… den Teilnehmern des TJV wird schon zu Beginn ihrer Transatlantik-Regatta ein Maximum abverlangt.

Harte Bedinungen für die Teilnehmer des Transat Jaques Vabre Rennen über den Atlantik. © TJV

Ganz zu schweigen vom Material: Bei den Classe 40 gaben bereits vier Teams die Regatta aus sehr unterschiedlichen Gründen aber mit immer der gleichen Ursache auf: Mieseste Wetterbedingungen!

So musste ein Skipper wegen massiver Rückenprobleme abbrechen – jede Welle erschüttert auf diesen Kursen in den breiten Rennern Mensch und Material bis ins Mark, was hier sogar buchstäblich zu nehmen ist.

Gestern verlor die “Initiatives” von Tanguy de Lamotte und Eric Peron Teile ihres Kieles, worauf sämtliches Gewicht in die Bootsmitte verlegt werden musste (inkl. das Befüllen aller Wasserbalasttanks auf beiden Seiten), damit die Kiste auf dem Rettungsweg Richtung Azoren nicht kentert.

"DCNS" mit Marc Thiercelin und dem Ski-Rennläufer Luc Alphand ist längst auf dem Rückweg. © TJV

Die Deutsche Anna Marie Renken und ihre slowenische Kollegin Jesih folgen dem Hauptfeld der Classe 40 mit 280 sm Abstand zum Bestplatzierten auf Rang 10. Sie konnten mittlerweile im Ranking zwei Plätze gutmachen, da andere Teams eine südlichere Route präferieren.

So dachten sich Coatnoan und Laforge auf ihrer Classe 40 Partouche eine völlig andere Strategie aus: Sie sind vor dem Wetter regelrecht geflüchtet und liegen derzeit ca. 70 sm vor Lissabon und suchen nun vom ostmöglichsten Punkt dieser Regatta aus ein „Wetterfenster“, das sie möglichst direkt wieder ins Feld zurück schiebt (mehr zu dieser Classe 40 in einem Interview mit Axel Strauss, das wir in den nächsten Tagen posten werden.)

Drei Tiefdrucksysteme machen das TJV bisher zum Überlebenskampf. © TJV

Bei den IMOCA (Open 60) sind zwar „erst“ zwei Aufgaben offiziell zu verzeichnen (“Akena Verandas” und “DCNS”), aber auch “PRB” muss wohl die Segel streichen: Skipper Vincent Riou und sein Partner Hugues Destremau mussten nach besonders heftigen Böen, die sie mit Geschwindigkeiten von 28 kn in die Wellenberge krachen ließen, feststellen, dass eine ihrer Schottwände besorgniserregende Risse aufweist – was mit einem Pitstop auf den Azoren kaum zu regeln sein dürfte.

Zudem mussten gestern Nacht Mitfavorit Bernhard Stamm und Jean-Francois Cuzon wegen massivem Wassereinbruch in ihrer Cheminées Pujoulat einen Notruf absetzen. Sie lagen ca. 130 sm nördlich der Azoren; heute Morgen 10:30 h startete ein Rettungshubschrauber von Punta Delgada/San Miguel um die beiden Segler abzubergen.

Kann das noch getoppt werden? Es kann, es kann: Von den sechs gestarteten Multi 50 sind nur noch Actual mit Yves Le Blevec und Samuel Manuard sowie Maitre Jacques mit den beiden Loics Fequet und Escoffier im Rennen. Gute Nachricht: Alle havarierten Triamarane sind mittlerweile wohlbehalten in unterschiedlichen Häfen angekommen.

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Transat Jaques Vabre: Immer mehr Ausfälle beim Zweihand-Atlantikrennen“

  1. avatar Grünvorneid sagt:

    Kleiner Hinweis: das Boot von Tanguy de Lamotte hat keinen Neigekiel, da Class 40s keinen haben dürfen.

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  2. avatar hanseatic sagt:

    Schon heftig was da nach wenigen Tagen schon wieder an Bruch produziert worden ist. Schade für alle Betroffenen. Der schmale Grad zwischen leicht und schnell auf der einen und sicher auf der anderen Seite scheint den Konstrukteuren, egal in welcher Bootsklasse, doch nach wie vor größtes Kopfzerbrechen zu bereiten. Hinsichtlich Anna: Die vom Veranstalter angegebenen Abstände stehen immer in Bezug zur rhumb-line. Also bitte mal etwas genauer hinschauen bevor ausgiebig gelästert wird. Tatsächlich liegen A&J knapp 120mls hinter dem Hauptfeld und knapp 240mls hinter dem Führenden. Wenn sie das Wetter ohne Bruch überstehen können sie durchaus noch aufschliessen auf der noch langen Reststrecke – auch wenn sie die größte Blase bereits in Streifen gelegt haben. Nebenbei: 35-45knts Wind und dazu böse Welle sind kein Spass mehr. Also – erstmal abwarten. Die Mädels lernen ja schließlich noch.

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  3. avatar axel sagt:

    Die Class40 haben keinen Neigekiel..viel zu teuer und (deshalb) von der Boxrule nicht erlaubt.
    Tanguy hat möglicher weise „nur“ die Kielbombe und einen Teil der Flosse verloren, irgendein Rest ist wahrscheinlich schon noch dran. Die Konstruktion der Rumpfkiel Verbindung ist bei den Rogers Class40 ziemlich massiv, und sonst wäre das Boot wahrscheinlich auch gleich gekentert. Das Boot hat einige, teils heftigere Grundberührungen in den letzten Jahren hinter sich, und die Havarie könnte ein Folgeschaden davon sein.
    Sie haben alle Wasserballasttanks gefüllt (750ltr je Seite) und alles bewegliche Gewicht mittig gestaut. So liegt der Gewichtsschwerpunkt niedriger.

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  4. avatar NK sagt:

    Bin erstaunt, wie gut die ehemalige Partnerin von Frau Renken im Rennen liegt…

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    • avatar Heini sagt:

      Die hat ja jetzt auch nen Mann an Bord. 😉
      Im Ernst: Auf dem Tracker sehen die 200 Meilen Differenz gar nicht so viel aus. Und die 40 Degrees fährt gerade ganz schön weit nach Westen, so wie die Gust Buster nach Osten ausschlägt.
      Und es sind noch 3500 Meilen, also mal abwarten.

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