Vendée Globe: Le Cléac’h’s gefährliche Taktik, Gabarts Rekord-Etmal, Stamm repariert

Risiko-Management


Day 30 highlights – Sunday, December 9, 2012

Week 4 Highlights of the 2012-2013 Vendée Globe

Es ist noch einmal alles gut gegangen für Armel Le Cléac’h bei der Vendée Globe. Nach dem Zusammenschluss des Feldes kann er noch eine 23 Meilen Führung behaupten. Aber er ging ein großes Risiko ein. War es das wert?

Francois Gabart bricht bei der Vendée Globe den Monohull einhand 24 Stunden Rekord mit 515 Meilen. © Jean-Marie Liot / DPPI

Francois Gabart bricht bei der Vendée Globe den Monohull einhand 24 Stunden Rekord mit 515 Meilen. © Jean-Marie Liot / DPPI

Vor fünf Tagen hatte der führende Franzose tatenlos mit angesehen, wie sich seine beiden engen Verfolger Francois Gabart und Jen-Pierre Dick gen Süden von ihm entfernten. Le Cléac’h behielt seinen Nordkurs bei und passierte das 370 Meilen lange Tor zum frühest möglichen Zeitpunkt am westlichsten Punkt. Die vier Verfolger kamen erst zwei Tage später an der östlichen Tor-Markierung vorbei.

Es fogten nervenaufreibende Tage für Le Cléac’h. Er fiel virtuell mit 160 Meilen Rückstand auf Rang fünf zurück als er seinen Abstieg in den windigeren Süden begann. Aber dann bremsten die Kollgen bei ihrem späten Aufstieg zum Tor endlich ein und fielen zurück.

Schon schien es, dass Le Cléac’h der entscheidende Coup des Rennens gelingen könnte. Aber schließlich nahmen die Kollegen schneller wieder Fahrt auf als für ihn erhofft, und nun ist sein Vorsprung nahezu genauso groß wie vor seinem Ausbruch.

Armel Le Cléac’h hat sich noch knapp vor den Verfolgern aus dem Süden hoch retten können und liegt wieder in Führung.

Armel Le Cléac’h hat sich noch knapp vor den Verfolgern aus dem Süden hoch retten können und liegt wieder in Führung.

Für Le Cléac’h ist es schon das zweite nervenaufreibende Vabanque Spiel bei dieser Vendée Globe, und gestandene Hochsee-Profis raufen sich die Haare angesichts seine Extremschläge. Wettertaktisch mag es gute Gründe für die Abspaltung vom Feld gegeben haben aber sie können nicht  eindeutig gewesen sein. Sonst hätten sich auch Gabart und Dick für Le Cléac’h’s Kurswahl entschieden.

Strategisch war es allerdings in Bezug auf die Positionierung fragwürdig, die Kollegen erneut so extrem wegfahren zu lassen. Sein Risiko-Management erinnert an den Ausbruch von “Groupama” auf der ersten Volvo Ocean Race Etappe. Die Franzosen gingen ohne Not mit einem Extremschlag unter die afrikanische Küste ein sehr hohes Risiko, wurden Letzte auf der Etappe und hatten Glück, dass nur drei Yachten ins Ziel kamen. Danach passten sie die Taktik ihrem schnellen Schiff immer weiter an und vezichteten auf größere Risiken. Am Ende stand ein kontrollierter Volvo Ocean Race Sieg.

Das Feld im Überblick. Die Spitzengruppe ist auf dem Weg zum dritten Eistor. Alessandro di Benedetti peilt als Letzter gerade das erste Gate an.

Das Feld im Überblick. Die Spitzengruppe ist auf dem Weg zum dritten Eistor. Alessandro di Benedetti peilt als Letzter gerade das erste Gate an.

Die Taktiken von Le Cléac’h zeugen aber auch davon, wie unglaublich offen diese Vendée Globe tatsächlich immer noch ist. Der Führende ist längst nicht davon überzeugt, dass er im direkten Fight gegen die harte Konkurrenz bestehen kann. Die beiden Schwesterschiffe machen so viel Druck, dass sie ihn zu den jüngsten Ausbruch-Versuchen verleiten. Es spielt dabei jede Menge Respekt vor den seglerischen Fähigkeiten der Kollegen mit.

Und die jüngsten Meldungen von Francois Gabart, der mit 515.6 Meilen in 24 Stunden den letzten Einrumpf-Einhand-Rekord von Jean-Pierre Dick schon wieder gebrochen hat, scheinen dessen Potenzial beim brutalen Puschen zu bestätigen.

Spannung für die Fans

Der Versuch, wettertaktische Bigpoints zu setzen, die den Hals kosten oder eine Vorentscheidung bringen können, macht das Rennen für den Betrachter enorm spannend. Es ist allerdings eine Spannung, auf die ein Segler, der an der Spitze segelt, gut verzichten kann.

Schwer einzuschätzen ist nach wie vor das Potenzial von Bernhard Stamm. Der fand sich plötzlich an der Spitze des Feldes wieder, nachdem er eine exzellente Anliegelinie des Tores gepeilt hatte. Aber der Leichtwind-Passage des Gates ließ er wie schon in einigen Doldrum-Passagen Federn und bekam dann nicht rechtzeitig den Absprung gen Osten. Das Auswechseln einer Großsegellatte mag zusätzliche Energie und Meilen gekostet haben, so dass er nun wieder mit einem 113 Meilen Rückstand auf Le Cléac’h vierter ist.

Sehr stark schlägt sich immer noch Alex Thomsen mit seiner “Hugo Boss”, dem  langsamsten Schiff der Spitzengruppe. Seine taktischen Ausbruchversuche machen Sinn angesichts unterlegenen Materials. 210 Meilen lag er schon zurück, bis ihm der tiefe Abstecher gen Süden vor der Tor Passage wieder heranbrachte und kurzzeitig sogar auf Platz drei rutschen ließ. Inzwischen liegt er aber wieder 120 Meilen achteraus.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Vendée Globe: Le Cléac’h’s gefährliche Taktik, Gabarts Rekord-Etmal, Stamm repariert“

  1. avatar T.K. sagt:

    lt.aktuellem Tracker hat Gabart sogar über 545 nm in 24 h geschafft. Wenns stimmt wäre das der Hammer!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar stefanz sagt:

    Und er macht immer noch lustige Videos und freut sich über die kleinen Delikatessen, die ihm eingepackt wurden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

    • avatar yuammy sagt:

      …warum auch nicht, wenn der Autopilot das mit Wind und Welle hinbekommt, dann spricht nichts dagegen dabei auch spass zu haben 😉

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  3. avatar Lasse sagt:

    Woher kommen eigentlich immer die schönen Fotos? Sind das Archivbilder? Oder fliegen die da mit Drohnen o.ä. herum?

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      leider sind das archiv bilder 🙂 die haben vorher ein paar ziemlich geniale shootings gemacht. von bord kommt leider nur sporadisch material. aber kann man auch irgendwie verstehen.

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