Volvo Ocean Race: Sanya dreht mit Ruderschaden um, Protest gegen Telefonica

"Unglaublicher Knall"

Der dänische 49er-Olympiasieger Martin Kirketerp bekommt bei seinem Sanya-Ersatzmann-Einsatz den vollen Einlauf. © AndrÃes Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

Auf dem für China startenden Volvo70 Sanya brach im Southern Ocean ein Ruder ab. Die Crew hat damit die Chance auf die erste gute Platzierung bei einer der Volvo Ocean Race-Etappen vorerst verpasst. Dabei ist die Dramaturgie für das notorisch langsame Sanya-Team extrem frustrierend.

Der abgebrochene Kohlefaserstumpf vom Sanya-Ruderschaft. © AndrÃes Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race

Denn der einzige Volvo 70 der alten Generation (Telefonica blue) legte in den vergangenen Tagen eine nicht für möglich gehaltene Aufholjagd auf der fünften Etappe hin. Zuerst sorgte zwar fehlender Speed für einen frühen Rückstand von 56 Meilen, aber plötzlich gab Mike Sanderson, der Sieger des Volvo Ocean Races 2005/06 mit “ABN Amro”, Gas.

Er zog sogar am gesamten Feld vorbei und wurde virtuell schon auf Postition eins geführt. Endlich konnte er einmal mithalten. Da machte es knack. Der Ruderschaft brach durch. Das luvwärtige der beiden Ruder ging verloren. Wasser strömte in das Achterschiff.

“Es gab einen unglaublichen Knall im Heckbereich nur wenige Meter von der Position entfernt, wo ich gerade Wasser aus dem Schiff schöpfte”, erzählt Medienmann Andrés Soriano. “Ich konnte mir nicht sofort erklären, woher das Geräusch kam, bis ich mich im Licht meiner Kopflampe umsah. Das Ruder war weg. Augenblicklich strömten Wassermassen in den Raum, wo ich mich befand.”

Loch mit Platte verschlossen

Die Crew kam zur Hilfe und verschloss das Loch mit einer Karbon Platte. Skipper Sanderson schlug einen nördlichen Kurs eingeschlagen, um dem vorhergesagten Starkwind aus dem Weg zu gehen und führte die Reparaturen aus.  Es gibt ein Ersatzruder an Bord, das in der Position des alten Profils platziert oder am Heck angebracht werden kann.

Inzwischen hat das Team die schwere Entscheidung getroffen, nach Neuseeland umzukehren. “Es ist unglaublich, mir fehlen die Worte”, sagt Skipper Mike Sanderson. “Der Ruderschaft ist zwischen Rumpfschale und Deck gebrochen und hat das Loch ins Schiff gerissen.”

Der hintere Teil ist mit einem Schott abgeriegelt. Das Wasser konnte nicht in den Hauptrumpf fließen. Inzwischen hat die Crew das Notruder am Heck angebracht und segelt zurück nach Neuseeland, wo sie nach drei bis vier Tagen erwartet wird.

Für Sanya ist es schon der dritte größere Schaden. Auf der ersten Etappe verhinderte eine Delamination die Weiterfahrt, auf der zweiten Etappe wurde das Schiff mit einem Riggschaden auf Madagaskar angespült.

Der Ausfall ist besonders tragisch für Martin Kirketerp, den dänischen 49er Olympiasieger 2008, der für die fünfte Etappe erstmals an Bord gekommen ist. Er hatte sich gerade erst von der heftigen Seekrankheit nach den brutalen Startbedingungen erholt und sich auf die Königsetappe im brutalen Southern Ocean gefreut.

Protest gegen Telefonica

Alarmstimmung gab es auch an Bord des Camper Teams. Das vordere Schott hatte sich wie schon bei Abu Dhabi von der Bootswand gelöst. Aber die Reparatur bei den willkommenen Leichtwind-Bedingungen in den vergangenen Stunden soll geglückt sein.

An der Spitze liegt zurzeit Camper elf Meilen vor der französischen  Groupama. Puma liegt 25 Meilen zurück gleichauf mit Telefonica. Die gesamtführenden Spanier hatten ihre anfängliche Spitzenposition in der Etappe nach einer forschen Halse gen Süden verloren und sich einen Rückstand von 50 Meilen eingehandelt. Zurzeit steuern die Yachten in einen heftigen Sturm.

Am Etappenziel in Brasilien muss sich Telefonica einer Protestverhandlung aussetzen. Es gibt offenbar Hinweise darauf, dass die führenden Spanier ein nicht erlaubtes Segel – möglicherweise ein Stagsegel – eingesetzt haben.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Sanya dreht mit Ruderschaden um, Protest gegen Telefonica“

  1. avatar Jörg Henning Lilie sagt:

    Für das Team Sanya ist es wirklich bedauerlich, sie geben alles!
    Das Boot ist aber nicht die Ericcson 4 sondern die Telefonica blue des letzten VOR!
    Eine Farr Konstruktion.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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