Weltumseglung: 70 jährige Britin Jeanne Socrates nonstop in 260 Tagen

Sailing Grandma did it!

Kurzes Vid von der Ankunft, mit Bildern von früheren Reisen:

Nach zwei gescheiterten Versuchen vollendete Jeanne Socrates als älteste Frau ihre Nonstop-Weltumseglung im kanadischen Ausgangshafen Victoria.

„Around! Yes!“ schreibt sie schon am Montag, 7. Januar 2013 auf ihrem täglich geführten (!) Blog. „Yes!“ Es ist deutlich zwischen den Zeilen lesbar, wie sehr sich Jeanne Socrates über die Rundung von Kap Hoorn freut. Fast so, als wäre die Weltumseglung schon geschafft.  Sie hat zwar erst 78 Tage entlang der nord- und südamerikanischen Westküsten nonstop hinter sich und schätzungsweise das Doppelte dieser Strecke noch vor sich, aber „es fühlte sich an, als wäre das Schlimmste geschafft!“

älteste Weltumseglerin, einhand, nonstop

Sailing Grandma Socrates im “Wohnzimmer” © socrates

Als die Britin den berüchtigten Felsen um 23:27 h  backbord liegen lässt, ist sie so aufgeregt, dass sie über Funk Sefarer’s Net anruft. Dort ist man sowieso schon begeistert von der „Sailing Grandma“ und jubelt mit ihr. „Tatsächlich blies im Hintergrund jemand ein Trompetensignal!“ schreibt Jeanne weiter.

Natürlich konnte Frau Socrates nur hoffen, dass sie die verbleibenden Kaps ihrer Weltumseglung sicher und wohlbehalten runden würde, doch als am nächsten Januarmorgen ein wunderbarer, zarter Lichtstrahl durch die Wolken schien, nahm Jeanne dies als ein Zeichen. Ein gute Zeichen…

“Ohne größere Vorkommnisse!”

Es wurde wirklich eine „ruhige“ Weltumseglung. Wenn man als Schreibtischtäter so ein Adjektivattribut im Zusammenhang mit einer Erdumrundung einer 70jährigen überhaupt tippen darf. Denn einfach war es sich sicherlich nicht, aber „ich kam eben ohne größere Katastrophen aus“, berichtete sie Tage vor ihrem Landfall über Funk noch einem kanadischen TV-Sender.

Was nun wiederum nicht heißen soll, die „elder lady“ schipperte gemächlich so vor sich hin. Wie will man das im südlichen Atlantik, im Indischen und Southern Ocean auch schaffen?

älteste Weltumseglerin, Socrates, einhand, nonstop

Selbst das Anlegemanöver klappt noch © cbc

An Tag 104 segelt sie offiziell von der westlichen in die östliche Hemisphäre, als sie den Greenwich Meridian überquert. Am Tag 131 hat sie die halbe (berechnete) Strecke geschafft. Jeanne Socrates segelt, und segelt und segelt.

Sie schreibt lange (B)Logbucheinträge, lässt ihre immer weiter anwachsende Fangemeinde im Internet an ihren kleinen und großen Freuden bzw. Missgeschicken und Problemen teilhaben.

Die Weltmeere waren gnädig

Die 70 jährige muss mehrmals auf offener See in den Mast, sie taucht, um das defekte Ruder des Windpiloten zu reparieren. Bei der Ansteuerung von Kap Leuwin/ Australien muss sie durch wirklich harte See, schlägt sich durch dichten Nebel. Mehrmals reißt ihr die Genua am Vorliek, doch sie hängt verständlicherweise an dem Segel, repariert und richtet es immer wieder.

In der tasmanischen See feiert sie sechs Monate auf See, ohne einer Menschenseele begegnet zu sein. Später muss die „Sailing Grandma“, wie sie mittlerweile alle Welt nennt, ihre Solar Panele wieder instand setzen und repariert sogar ihren Generator.

Alles in Ruhe, alles entspannt. Als im Pazifik schon wieder die Genua zickt, gönnt sich Jeanne zunächst einmal 2 Stunden Schlaf – „nur ausgeruhte Menschen treffen die richtigen Entscheidungen!“ schreibt sie.

Überhaupt, die Zeit. Da sie keinen Geschwindigkeits- sondern einen Altersrekord anpeilt, fährt sie nicht immer den „logischen Weg“ (wie Bernard Moitessier das formuliert hätte), sondern macht durchaus auch „Schlenker“, um näher an Inseln oder am Festland vorbei zu kommen.

Der Grund dafür fliegt fast immer um sie herum – Jeanne Socrates liebt Vögel über alles. Sie fotografiert jeden fliegenden „Gast“, der sich auf seiner Reise auf ihrer Najad 380 ausruht, sie spricht mit den Albatrossen über ihr, sie kennt jede Vogelart, die sich in ihrer Nähe blicken lässt. „Es sind meine Glücksbringer“, schreibt sich, „auch wenn sich das auf hoher See absurd anhören mag!“

Die Najad 380 “nereida” unter Segeln © socrates

Glückskind

Wie auch immer: Glück hat sie reichlich gehabt, und glücklich, sogar überglücklich kehrt die Britin in ihre Wahlheimat British Columbia zurück. Die letzten Tage seien außergewöhnlich anstrengend gewesen, spricht sie leise in die Mikrofone der lokalen TV-Sender. Zuviel Flaute und eine alte See. Deshalb habe sie sich auch um ein paar Tage verspätet.

Aber was macht nach 260 Tagen auf See schon der eine oder andere Tag aus?

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Ein Kommentar „Weltumseglung: 70 jährige Britin Jeanne Socrates nonstop in 260 Tagen“

  1. avatar Backe sagt:

    Son’ne Omma hätt ich auch gern!
    (Wenn meine wenigstens im Hühnerstall Motorrad fahren würde …)
    Im Ernst: Hut ab vor dieser Leistung! Und Hut ab vor der Entschlossenheit, es in aller Ruhe und Unaufgeregtheit wieder und wieder zu versuchen bis es klappt. Da kann sich manch selbsternannter großspuriger Herr der 7 Welt-Meere eine Stange von abschneiden. Gell Bobby?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *