Weltumseglung: Drei Inderinnen wollen nonstop rundum

Indische Frauen Power

Weltumseglung, drei Inderinnen

Shweta Kapur auf den Spuren von Dame Ellen MacArtur? © Indian Navy

Unter dem Kommando von Shweta Kapur wollen drei indische Marine-Soldatinnen auf der „Mhadei“ nonstop um die Welt segeln. Kapur war die erste indische Frau, die nonstop 5.000 sm segelte.

Dass Frauen mit beeindruckenden bis phänomenalen Segelleistungen auf hoher See immer öfter für „Schlagzeilen“ in der Hochseesegelszene sorgen, ist längst bekannt.

Laura Dekker (einhand, mit Stopps) war mit 16 Jahren die jüngste und Jeanne Socrates (einhand nonstop) mit 70 Jahren die älteste Frau, die jemals um die Welt segelten. Dann waren da noch Einhandseglerinnen wie Dame Ellen MacArthur, Florence Arthaud, Denise Dee Caffari und und und…

Warum wir nun drei Frauen, die „nur“ zu dritt um den Globus segeln wollen, explizit erwähnen? Weil sie aus einer Gesellschaft kommen, in der Hochseesegeln bis vor kurzem sowieso noch ein Fremdwort war – ganz zu schweigen, dass Frauen (ohne männliche Begleitung!) keineswegs auf ein Segelschiff durften.

Weltumseglung, drei Inderinnen

Die “Mhadei” auf dem Weg nach Rio © Cape2Rio

„Erst“ zwei Inder rundum

Mittlerweile ist die Inderin  Shweta Kapur (32) auf dem besten Wege, eine bekannte Persönlichkeit auf dem indischen Subkontinent zu werden. Denn sie war die erste Frau, die mit (mal wieder) völlig anachronistischen Regeln brach und sich ausgerechnet in der sowieso schon männerdominierten Welt der indischen Marine für ein Projekt ein- und sich letztendlich auch damit durchsetzte, das bis vor Kurzem selbst männlichen indischen Seglern nicht vergönnt war.

Doch schön der Reihe nach. „Erst“ 2009-2010 schaffte es Dilip Donde als erster Inder, auf einer Segelyacht (mit Stopps) die Welt zu umrunden. Letztes Jahr vollendete dann Abhilash Tomy die erste Nonstop-Weltumseglung eines Inders – ein Ereignis, das in Indien ziemlich groß gefeiert wurde. Beide Herren sind Marineoffiziere, beide segelten auf dem gleichen Schiff: Die „Madhei“ ist ein 56-Fuß langer Van de Stadt-Riss, der in Indien gebaut wurde. Allen Unkenrufen in Bezug auf indische Bauqualität zum Trotz, hält das Schiff weiter tapfer durch und wurde nach mehr als 80.000 Seemeilen im Kielwasser unlängst auch auf dem Kapstadt-Rio-Race eingesetzt.

Nerven und Penetranz zeigen

Womit Shweta Kapur ins Spiel kommt. Die Ausbildungs-Offizierin der indischen Navy sorgte bereits vor zwei Jahren für ein gewisses Aufsehen in Marine-Kreisen, weil sie es erreichte, dass eine alte „Order“ aufgehoben wurde die besagte, dass Frauen höchstens tagsüber auf See bleiben dürfen. Und davon mal ganz abgesehen – Shweta interessierte sich zudem für die Männerdomäne „Segeln“, wollte sogar an Hochseeregatten teilnehmen!

Weltumseglung, Inderinnen

Ziemlich stolze Skipperin mit seltsamem Hobby: Shoppen! © shwetaKapur

Mit „gewissenhaftem Nerven“ und „penetrantem Wiederholen ihres Anliegens“ – wie sie es im Interview mit einer indischen Nachrichtenagentur formulierte – schaffte es Kapur schließlich, in eben dieses Hochseeregatta-Team für „Kapstadt2Rio“ aufgenommen zu werden. Skipper: Commander Dilip Donde.

Auf dem Zubringertörn von Goa nach Kapstadt stellte Kapur dann gleich mal den ersten Rekord ihres Seglerinnen-Lebens ein: Als erste indische Frau segelte sie 5.000 sm auf hoher See.  Später, beim Kapstadt-Rio-Race, das dieses Jahr von vielen Ausfällen geprägt war, segelte das Team auf der „Mhadei“ nach 31 Tagen und 17 Stunden auf Rang 15. Nicht schlecht für ein Schiff, das nicht unbedingt für Hochseeregatten aufgelegt wurde.

Auf dem Rücktörn nach Goa, der in mehreren Etappen stattfinden wird, werden zwei weitere indische Seglerinnen dabei sein: Lt. Vartika Joshi und Lt. P.Swati.

Drei (indische) Frauen, ein Boot

Joshi, Swati und Kapur wollen nun gegen Ende des Jahres zu einer Nonstop-Weltumseglung starten – auf der „Mhadei“, logisch. Start und Ziel soll Goa Sein – wie bei den anderen indischen Weltumseglungen zuvor auch.

Erster Befürworter und Unterstützer dieses Projektes ist Dilip Donde, der seiner Co-Skipperin Kapur bereits beste „Noten“ erteilte.

Vor dem Meer sind alle gleich! © indian navy

Vor dem Meer sind alle gleich! © indian navy

In einem Land, in dem Frauen seit jeher Menschen zweiter Klasse sind, in einem Land, in dem es auch heute noch vorkommt, dass Frauen sich aus sozialen Gründen in den lodernden Scheiterhaufen ihrer verstorbenen Ehemänner stürzen, ist dies ganz offensichtlich eine Sensation. Und ein mehr als mutiges Projekt „Die Weltumseglung von uns drei  Inderinnen wird für unsere Heimat eine echte Umwälzung nach sich ziehen!“ sagte Shweta Kapur kürzlich. „Mit dem Hochseesegeln können wir Frauen uns weiteren Respekt bei den Männern verschaffen, einen weiteren Schritt in Richtung Gleichberechtigung machen!“

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Weltumseglung: Drei Inderinnen wollen nonstop rundum“

  1. avatar Sven-Hamburg sagt:

    Finde ich toll und sehr bemerkenswert. Erstaunlich nur, dass sowenige Inder Hochseesegeln.

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  2. avatar Kauni sagt:

    habe von 3 Pinguinen gehört, die alleine auf einer Eisscholle um die Welt segeln wollen…

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  3. avatar wet rabbit sagt:

    Die Situation in Indien mit den Kasten und die geringe Wertschätzung der Frauen ist wirklich schlimm. Da kann man nur hoffen, dass diese Frauen etwas verbessern können, auch wenn das lange Zeit brauchen wird.

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