Weltumseglung nonstop: Die deutschen Versuche – nur Erdmann war erfolgreich

Nonstop, oft gestoppt

Eigentlich alles ganz einfach?

Leider haben sich jene, die mit ihren Fahrten gescheitert sind, oft einiges an Spott und Hohn von denen eingehandelt, die immer schon alles vorher gewusst haben wollen. Bei manchen Versuchen wurde das Gespött dadurch befeuert, dass die Nonstop-Aspiranten vor Fahrtantritt das Licht der Segelöffentlichkeit in einem Maß gesucht haben, das in deutlichem Kontrast zum späteren Reiseerfolg stand.

Weltumseglung, einhand, nonstop

Wer einhand nonstop um die Welt segeln will, sollte keinen Ponyhof erwarten © v.d. Heede

Schaut man sich die Nonstopreisen von Wilfried Erdmann an, sieht  alles so lässig aus: Ein einfaches, solides Boot, ein überschaubares Budget und Durchhaltewillen scheinen zu genügen, um eine solche Fahrt mit guten Erfolgsaussichten in Angriff nehmen zu können. Was dabei gerne übersehen wird, ist der Umstand, dass Erdmann vor seiner ersten Nonstopfahrt schon zweieinhalb erfolgreiche und sportliche Weltumseglungen hinter sich gebracht hat. Diese Fahrten waren die Erfolgsvoraussetzungen seiner Nonstoperfolge.

Von den deutschen Seglern, die erfolglos in Erdmanns „Kielwasser“ fuhren, waren nur zwei vorher überhaupt um die Welt gesegelt. Und diese Segler – Jörgen Meyer und Bernt Lüchtenborg – haben es zumindest um die halbe Welt geschafft, während die weniger erfahrenen Aspiranten alle mehr oder weniger scheiterten.

Die Frage nach den Ursachen dieser in sportlicher Hinsicht eher mageren Bilanz  ist interessant, aber schwierig zu beantworten. Fakt ist, dass man in Deutschland mit einer Nonstopfahrt weder zu nennenswert Geld noch Ruhm kommen kann.  Wenn diese Motive wegfallen, was kann dann der Motor sein, eine solche Tour in Angriff zu nehmen?

Ist Erdmann überhaupt zu toppen?

Der Wille, eine solche Fahrt durchzuführen lebt auch, vielleicht sogar vor allem, von dem Gefühl etwas Besonderes zu leisten. Die Messlatte sportlicher Leistung ergibt sich aus dem, was andere vorgemacht haben. So verschieben sich die Maßstäbe dessen, was als anerkennenswert angesehen wird, naturgemäß mit der Zeit nach oben.  Die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass es mit David Dicks, Jesse Martin und Jessica Watson inzwischen drei (fast) Nonstop-Weltumsegler im Teenageralter gibt. Das zu schaffen, was australische Teenager scheinbar mühelos in den verlängerten Sommerferien abreißen, ist nur noch von bedingtem Reiz.

Wer vor diesem Hintergrund eine Nonstop-Weltumseglung von West nach Ost mit einer Fahrtenyacht (berechtigterweise) als große Leistung “verkaufen“ möchte, wird daher immer mehr Schwierigkeiten haben.

Hinzu kommt, dass im Fahrtensegelbereich die Leistungen eines Wilfried Erdmann kaum zu toppen sind. Wer seine Fahrtenyacht in 200+X Tagen nonstop um die Welt segelt, hat zwar eine tolle Leistung vollbracht. Mit viel öffentlicher Anerkennung wird er in Zeiten des „schneller, weiter, jünger“ aus den genannten Gründen aber nicht rechnen können.

Weltumseglung, einhand, nonstop

Jean-Luc van Heede hält auf seiner “Adrien” den Weltrekord nonstop einhand um die Welt gegen Wind und Strömung © heede

Und die Weltbestleistungen im Bereich der Nonstop-Weltumsegelungen liegen aus deutscher Sicht Lichtjahre entfernt. Der Franzose Jean Luc van den Heede umrundete die Welt von Ost nach West gegen die vorherrschenden Winde und Strömungen in 122 Tagen 14 Std.. In Gegenrichtung brauchte sein Landsmann Francis Joyon gerade einmal 57 Tage und 13 Std.  Wer in dieser Liga spielen will, muss sich, wie ein Boris Herrmann oder Jörg Riechers, jahrelang in einem von Franzosen dominierten Rennzirkus nach oben schuften, bevor  irgendwelche Bestleistungen überhaupt in Reichweite kommen.

Einen Typus Segler, der für eine Nonstopweltumsegelung in Frage kommt,  gibt es in Deutschland praktisch nicht: den des wohlhabenden Abenteurers. Es gibt keinen deutschen Steve Fosset und es ist interessant zu sehen, dass zwei von drei US-amerikanischen Nonstoppern, Dodge Morgan und Rich Wilson,  erfolgreiche Unternehmer waren. Wer in Deutschland das nötige Kleingeld hat, lässt bevorzugt andere für sich Segeln und bettet sich lieber in einem Hotelbett, statt in einer Rohrkoje.

So kann man aus deutscher Sicht nur hoffen, dass die Vendeé-Globe-Ambitionen von Jörg Riechers im Jahr 2017 von Erfolg gekrönt werden. Und wenn bis dahin ein deutscher Fahrtensegler mit einem breiten Grinsen und einem „Ich hab´s geschafft!“ in Cuxhaven einlaufen wird, wäre das umso erfreulicher.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.

10 Kommentare zu „Weltumseglung nonstop: Die deutschen Versuche – nur Erdmann war erfolgreich“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Vermutlich sind wir Deutschen dafür einfach zu nüchtern. Ob nonstop in x Tagen um die Welt oder nonstop x Tage lang über die Weltmeere schippern, da ist kein großer Unterschied zwischen zu sehen, außer dass das “nonstop” in meinen Augen etwas gagga ist. Wenn das Ziel eine möglichst schnelle Umrundung ist, dann entsteht ein Sinn eines Weltrekords, aber einfach so wie Erdmann, quasi für sich, nonstop um die Kugel… Jeder halt nach seiner Facon, aber gagga ist das schon.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 23

    • avatar Olli sagt:

      Meinst Du mit nüchtern vielleicht langweilig? Und wie schlimm ist gagga? Zu elft hinter einem Ball her rennen und diesen mit Füßen zu treten ist auch gagga.
      Den Urlaub auf einem Fahrtenboot verbringen ist gagga, schließlich wäre ein Ferienhaus oder gar Wohnmobil bequemer und so ein Americas Cup ist so richtig gagga. Genügend ignorant zu sein, den Reiz an der Herausforderung, es nonstop zu schaffen nicht zu erkennen ist aber auch gagga.
      Was nicht so alles gagga ist…

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  2. avatar DS sagt:

    Uwe, schreib doch mal wieder öfter!!

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  3. avatar T.K. sagt:

    Na – wenn ich die Leistung einem zutraue, dann eben dem Uwe!
    Mach et Uwe!
    Wir wären alle online dabei!

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    • avatar T.K. sagt:

      Obwohl… Einhand wäre es ja dann gar nicht! Grabuffke führe mit!

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  4. avatar Digger sagt:

    Ist nicht so schlimm. Ich schaffe nicht mal nonstop Rund Birkholm.

    Schöner Artikel.

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  5. avatar ralf sagt:

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Uwe Röttgering selber mit einer Nonstop-Umrundung liebäugelt … er hat immerhin die nötige Erfahrung, ein geeignetes Boot und hat sich ausserdem ja anscheinend schon ausgiebig mit der Sache beschäftigt …

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  6. avatar Olli sagt:

    Klingt plausibel zumal aus den bisherigen Versuchen hervorgeht, daß die meisten ohne längere Einhanderfahrung gestartet sind und dann auch schnell gescheitert. Das wäre bei Uwe erwiesenermaßen nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: immerhin die Hälfte der zu veranschlagenden Zeit hat er schon nonstop auf See verbracht – zumindest wenn er sich des Class40 bedient, um mal schnell rundrum zu fahren.

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  7. avatar BEIJAMAR sagt:

    gebt mir doch endlich mal ein genügend großes Boot mit entsprechender SatKom, dann mach ich Euch den Erdmann…;-)
    Jetzt erstmal Minitransat Gruß an alle.

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  8. avatar Enzo sagt:

    Uwe is back! Super!!!

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