Olympia 2012 Analyse: Ainslie holt Gold in dramatischem Medalrace

Bester Segler aller Zeiten

Ben Ainslie verteidigt seinen Vorsprung gegen Christensen auf dem Vorwindkurs. © Marina Könitzer

 

Ben Ainslie ist der erfolgreichste Segler aller Zeiten. In einem hochdramatischen Medaillenrennen der Finn-Dingis besiegte der Brite am Sonntagnachmittag den Dänen Jonas Hogh-Christensen, der über zehn Wettfahrten zuvor an der Spitze des Gesamtklassements gelegen hatte. Für Ainslie ist es die vierte Goldmedaille in Folge seit Sydney 2000.

Vier Jahre zuvor in Savannah hatte er Silber gewonnen und überflügelt nun ausgerechnet die dänische Segellegende Paul Elvstrøm, der viermal Gold holte. Jochen Schümann (Penzberg) und der Russe Valentin Mankin rutschten in der ewigen Bestenliste mit drei Olympiasiegen und einem zweiten Platz auf Rang drei zurück. Die Bronzemedaille ging an den Tagessieger Jonathan Lobert aus Frankreich. Ein Deutscher hatte sich nicht für die Spiele qualifiziert.

DEN hält sich im Vorstart schlau von GBR fern und kreis um das Startschiff.

 

Mit zwei roten Handfackeln passierte der 35-jährige Ainslie tausende von begeisterten Fans am Ufer der Regattabahn, schwang die Nationalflagge Union Jack. Erst war er ruhig nach der Zieldurchfahrt, dann schrie er immer wieder seine Erleichterung heraus.

Dann stammelte er: „Es war eine extrem harte Woche, aber heute galt es. Ich bin sehr stolz und kann es noch gar nicht glauben. Das ist der absolute Höhepunkt meiner Karriere.“ Er holte das erste Segel-Gold für die Gastgeber, nachdem die britische Starboot-Crew mit seinem Ainslies Kumpel und Match Race Taktiker Iain Percy und Vorschoter Andrew Simpson zuvor überraschend gescheitert war und nur Silber hinter den Schweden Fredrik Loof und May Salminen erreicht hatten.

Christensen parierte Match Race Taktik souverän

Jonas Hogh-Christensen versenkte den Kopf im Schoß und mochte aus dem Cockpit seines Bootes gar nicht mehr aufblicken. Er hatte den erwarteten Angriff beim Start souverän abgewehrt, indem er in typischer Match Race Art um das Starboot kreiste und dem Briten keine Chance zum Angriff lieferte.

Als ihn der Brite dann beim Anlauf zur Startlinie stellen wollte ließ der Däne keine Überlappung in Lee zu, übte seinerseits Druck auf Ainslie aus und ersegelte den deutlich besseren Start. Ainslie musste nach rechts wegwenden.

Ob das genau sein Plan war?  Zwischendurch sah es nicht besonders gut aus auf der rechten Seite. Ainslie wurde als Vorletzter geführt. Christensen schien von links passieren zu können. Aber er Däne wendete mehrmals vor dem entscheidenden Cross jeweils wieder nach links, wohl in der Hoffnung auf einen besseren Linksdreher.

Christensen segelte auf der ersten Kreuz deutlich mehr Wenden, musste einmal auch dem Spanier mit einer Wende ausweichen und versackte schließlich im Verkehr. Die rechte Seite war am Ende jedenfalls nicht deutlich besser. Die Boote links und rechts kamen fast gleichzeitig in Luv an.

Aber Ainslie lag beim Cross kurz vor der Luvtonne schließlich die entscheidenden zwei Bootslängen vorne. Es schadete sicher nicht, dass der Wind diesmal schwächer wehte als zuvor. Bei diesen Bedingungen hatte der Brite zuvor in der Saison seine überzeugendsten Auftritte gezeigt. Wenn er Schwächen zeigte, dann bei Starkwind. So verteidigte er einem trickreichen Rennen auf dem zuschauerfreundlichen Nothe-Kurs den Vorsprung und kam auf dem vorletzten Platz einen Rang vor Christensen ins Ziel.

Beinahe wäre noch der Niederländer Pieter-Jan Postma lachender Dritter geworden, weil Ainslie und Hogh-Christensen im doppelt zählenden Medal Race nur Vorletzter und Letzter wurden. Ainslie folgte Christensen auf die rechte Seite und fiel weit zurück. Postma holte über links stark auf war plötzlich dritter und hätte mit Platz zwei Gold geholt. Doch dann verhängten die Schiedsrichter auf dem Wasser einen Penalty, nachdem Postma den Neuseeländer Slater berührt hatte. Postama fiel auf Rang fünf zurück und verlor sogar Bronze an den Franzosen Jonathan Lobert.

“Mein Plan war es Jonas beim Start etwas zu attackieren”, sagt Ainslie. “Aber er hat das sehr gut verteidigt. Dann gab es den Split auf der ersten Kreuz. Ich dachte rechts sei es ganz gut und Gott sei Dank hat es funktioniert. Aber es war sehr knapp.”

Der enttäuschte Christensen sagt: “Ich habe getan, was ich wollte aber es lief einfach nicht in meine Richtung. Der Start verlief nach Plan, ich hatte die perfekte Position und konnte ihn zum Wegwenden zwingen. Leider lief es erstmals in dieser Woche rechts ganz gut. Danach deckte er mich eng. Wahrscheinlich zu eng. Denn zu einem Zeitpunkt wäre Gold an PJ gegangen.”

Ainslie sagte zum Schluss: “Man sollte niemals nie sagen, aber ich glaube nicht, dass ich so noch einmal segeln kann. Es zerstört meinen Körper. Ich denke nicht, dass ihr mich in Rio sehen werdet.”

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