Olympia-Klassen 2024: Entscheidung zum Einhand- und Mixed Dinghy Event gefallen

And the winner is...

Das World Sailing Council hat bei seinem Halbjahrestreffen in London überraschend klar die Weichen für das Olympia-Material für 2024 gestellt. Dabei überraschte insbesondere eine Entscheidung.

Die junge RS Aero Klasse hatte mächtig Morgenluft geschnuppert, nachdem das Bewertungsgremium von World Sailing die Vergleichsfahrten potenzieller neuer Einhand-Olympiaklassen in Valencia zu ihren Gunsten gewertet hatte.  In einer für diesen Zweck entwickelten Bewertungsmatrix hatte der RS Aero 80 Prozent der Punkte erreicht, der Laser 69, die Melges 14 54 und der D-Zero 52. Die Empfehlung der Spezialisten laute also, den Laser gegen das deutlich modernere und besonders leichtere Einhandboot auszutauschen.

Seit dann auch noch der Laser-Streit eskalierte, und World Sailing seine Besorgnis kund tat, schien nach dem Finn Dinghy die zweite etablierte Einhandklasse aufs Abstellgleis zu geraten. Und wenn dann auch noch der 470er nicht mehr den Segen der Delegierten bekommen hätte, wäre mit einem Federstrich von einem Olympia-Zyklus zum nächsten ein so radikaler Austausch des Olympia-Materials vollzogen worden, wie es noch nie passiert ist.

Dessen schien man sich beim Weltseglerverband schlagartig bewusst zu werden, und so deutete plötzlich überraschend vieles darauf hin, dass man das RS:X Surfbrett als Disziplin behalten wollte. Eine Entwicklung, die nicht einmal von den führenden Surfern selber befürwortet wurde. Sie setzten sich für foilendes Windsurf-Material ein.

Das Ergebnis der Abstimmungen:

Als ein-Personen-Dinghy für Männer und Frauen wurde der Laser gewählt. Bei der Männer-Disziplin stimmten 36 Delegierte für den Laser und fünf für den RS Aero. Die D-Zero und Melges 14 erhielten keine Stimmen und es gab eine Enthaltung. Fast das gleiche Ergebnis hatte für die Frauen Bestand.

Einhand Dinghy

Die vier getesteten Einhand-Dinghies. © World Sailing

Für die Windsurf-Disziplin empfahl der World Sailing Verwaltungsrat die Beibehaltung des RS:X als Ausrüstung. Das Council lehnte dieses Ansinnen allerdings mit 19 zu 23 Stimmen ab. Es forderte den Rat auf, eine neue Empfehlung zu unterbreiten.

Die Spitzensurfer haben dazu ihre eigene Meinung. Sie wollen auch auf den Foiler-Zug aufspringen, der nach den Kitern auch ihre Disziplin erreicht hat:

Beim mixed Zweihand-Dinghy wurde der 470er als Bootsklasse mit 41 zu einer Stimme gewählt, und damit folgte man der Empfehlung des Ausrüstungs-Komittees. Konkurrierendes Material war nie so richtig im Spiel. Dabei gibt es auch zu der 56 Jahre alten Konstruktion durchaus modernere Alternativen.

Für die mixed Zweihand-Offshore-Disziplin ist in London das vorgeschlagene Vorgehen mit 31 zu 2 Stimmen genehmigt worden. Um ein “Wettrüsten” zu vermeiden sieht das Council eine Liste verschiedener Bootstypen vor, die definierten Rahmenkriterien entsprechen. Im Vorfeld kursierte schon eine Liste von 26 Yachten, die in Frage kommen sollen. Nun ist der Prozess aber noch einmal erweitert worden. Eine Arbeitsgruppe von World Sailing soll dem Council bis zum November 2020 eine akrualisierte Liste zur Genehmigung vorlegen.

Die finale Entscheidung über die Olympia-Yacht soll spätestens am 31. Dezember 2023 gefällt werden, aber wohl auch nicht deutlich früher. Damit soll verhindert werden, dass  vermögende Nationen oder Segler, die relevante Yacht frühzeitig zum Training erwerben. Ziel ist es, dass bei Regatten das Material vom Veranstalter gestellt, im Vorfeld also mit verschiedenen Flotten gesegelt wird.

Für das Mixed Kiteboard Event ist mit der IKA Formula Kite Class die Ausrüstung bestimmt worden, die schon bei der jüngsten Weltmeisterschaft am Gardasee zum Einsatz kam. Es wird also auf Brettern mit Foils gesurft, die allerdings kein striktes Einheitsmaterial von nur einem Hersteller sind, sondern von lizenzierten Produzenten stammt.  Das Vorgehen wurde mit 40:1 Stimmen durchgewunken.

Der erste Test-Event der vorgesehenen Staffel-Diszipling hat gerade am Gardasee stattgefunden. Wie genau der Wettbewerb funktioniert, ist aus dem Video schwer zu erkennen. Aber das deutsche Team bestehend aus der ehemaligen 49er FX Nationalmannschaft-Seglerin Leonie Meyer und dem langjährigen Spitzen-Kiter Florian Gruber landete für Deutschland auf Rang vier von 19 Duos (Ergebnisse)

Mit den Entscheidungen hat sich der Weltseglerverband deutlich mehr bewegt, als zuvor erwartet wurde. Einige Weichen eher Ende des Jahres beim nächsten World Sailing Meeting gestellt werden. Aber der Verband ist insbesondere seit der überraschenden und von vielen für überhastet empfundenen Wahl der Offshore Disziplin unter Druck geraten. Insbesondere, weil die Finn Dinghy Klasse dieser Wendung zum Opfer gefallen ist. Nun bemühen sich die Funktionäre, sich wieder in ruhigere Fahrwasser zu bewegen.

Die Laserklasse ist offenbar Nutznießer dieser Stimmungslage geworden. Allerdings ist es eine Voraussetzung, dass es eine Lösung im internen Lizenzstreit zwischen Klasse und größtem Hersteller gibt. Wie die genau aussehen soll, ist allerdings noch nicht bekannt.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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