Olympia Marseille: neue Disziplinen erfordern Aufmerksamkeit, alte Teams gehen auseinander

Mixed-Projekt gestartet

Tokio 2020 ist zwar verschoben, aber die Olympischen Spiele 2024 fordern bereits ihre Aufmerksamkeit. Gleich fünf Disziplinen werden ganz neu oder in veränderter Form gesegelt und müssen nun vorbereitet werden. Im 470er hat der DSV hat nun das Projekt 470er Mixed gestartet. Er kann auf bestehende Strukturen und erfahrene Männer und Frauen zurückgreifen, die bisher getrennt segelten. Als Trainer wurde der Brite Steve Lovegrove verpflichtet.

Fabienne Oster und Anastasiya Winkel gehen getrennte Wege. Während sich Steuerfrau Oster bereits auf 2024 fokussiert, setzt Vorschoterin Winkel auf eine neue Konstellation in Richtung Tokio. Foto: sailing energy / World Sailing

„Der Fahrplan bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist sehr eng gesteckt. Die Umstellung auf 470er Mixed muss daher frühzeitig geschehen, um die Teams bestmöglich auf ihre Kampagne vorzubereiten“, sagt DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner. Denn der Wechsel von rein weiblichen bzw. männlichen Crews auf gemischte Teams ist für alle eine Herausforderung.

Das Interesse in der Szene ist groß. Besonders für die jüngeren Segler/innen bietet das Projekt eine Perspektive. Und so starteten über das lange Himmelfahrtswochenende die ersten Maßnahmen mit den Crews. Dabei sind einige Athleten/innen noch in die aktuellen Kampagnen involviert, andere können den Fokus bereits auf 2024 richten.

Luise Wanser und Anastasiya Winkel haben sich zusammengetan, um Tokio 2021 anzusteuern. Foto: Sven Jürgensen

Da in der Ausscheidung für Tokio noch keinerlei Rennen gesegelt sind, können sich bei den Frauen noch vier und bei den Männern drei Teams Hoffnungen auf Olympia 2021 machen. Im Perspektivkader der Frauen werden derzeit Frederike Loewe/Anna Markfort, Theres Dahnke/Birte Winkel als Teams gefördert. Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß bauen voll auf die Unterstützung ihres Heimatvereins, den DTYC. Und Luise Wanser vom NRV geht mit neuer Partnerin ins Rennen. Gemeinsam mit Schwester Helena hat sie in der Vergangenheit immer wieder für Top-Ergebnisse in einzelnen Wettfahrten gesorgt. Doch das Hamburger Duo hatte Schwächen bei stärkerem Wind. Daher greift Luise Wanser mit Blick Richtung 2021 noch mal mit Anastasiya Winkel an.

Bei den Männern gehen Simon Diesch/Philipp Autenrieth, Malte Winkel/Matti Cipra sowie die Nachwuchsasse Daniel Göttlich/Linus Klasen ins Rennen für Tokio. Allerdings müssen die deutschen 470er vor der internen Ausscheidung noch das Nationenticket buchen. Wann die letzte europäische Ausscheidung ansteht, ist noch offen.

Für andere Mannschaften beginnt schon jetzt die langfristige Vorbereitung. So hat sich für die 2024 erstmals ausgesegelte Mixed-Disziplin die ehemalige Steuerfrau von Anastasiya Winkel, die Hamburgerin Fabienne Oster, bereits mit Luke Willim zusammengetan, der bis zum letzten Jahr mit Gwendal Lamay 49er gesegelt war. Das Skiff-Duo kam aber nicht auf das nötige Gewicht, woraufhin Gwendal Lamay den Leistungssport vorerst aufgab.

Fabian Graf (rechts) interessiert sich für den 470er. die erfolgreiche Skiff-Kombination mit Tim Fischer ist damit auf Eis gelegt. Foto: sailing energy/ World Sailing

Ein weiterer 49er-Segler hat nun sein Interesse für den 470er angemeldet. Fabian Graf war 2018 an der Vorschot von Tim Fischer zur WM-Bronzemedaille gesegelt, hatte somit frühzeitig das Nationentickets in der Skiff-Disziplin für Deutschland gesichert. Doch nach der klaren Niederlage in der internen Ausscheidung ist das 49er-Projekt Fischer/Graf vorerst auf Eis gelegt, obwohl es eigentlich bis 2024 geführt werden sollte.

„Nach einem intensiven Gespräch mit unserem Trainer Max Groy sind Tim und ich zu dem Entschluss gekommen, dass wir nicht die Entwicklung genommen haben, die nötig gewesen wäre. Wir wollen daher neue Wege gehen“, berichtet Fabian Graf. Er testet nun verschiedene Optionen im Leistungssport. Der 470er wäre eine Option. Eine konkrete Partnerin für eine Kampagne bis 2024 gibt es indes nicht. „Ich interessiere mich aber auch fürs Kite-Foilen. Wenn sich der Leistungssport aber nicht realisieren lässt, dann werde ich mich beruflich fokussieren.“

Insgesamt kann Sportdirektorin Nadine Stegenwalner auf einen großen Stab von Interessenten zurückgreifen: „Anfang Mai gab es eine Videokonferenz mit allen Seglerinnen und Seglern, die sich für das 470er Mixed interessieren“, so Stegenwalner. 22 Aktive aus unterschiedlichen Alters- und Bootsklassen nahmen an der Konferenz teil. „Wir starten nun erst einmal in relativ offenen Gruppen, um so die besten Teamzusammensetzung finden zu können, aber auch um die einzelnen Seglerpersönlichkeiten optimal entwickeln zu können“, erklärt Stegenwalner.

Helena Wanser (links) und Lena Erdil haben gerade das Surf-Equipment erhalten und trainieren für Olympia 2024. Foto: Sven Jürgensen

Den Anwärtern wird aber auch die Möglichkeit gegeben, in die weiteren Olympiadisziplinen für 2024 hineinzuschnuppern – wie das Kite-Foilen und Foil-Surfen. So hat Ex-470er-Seglerin Helena Wanser inzwischen schon das neue iQ-Foil-Board und trainiert gemeinsam mit NRV-Kollegin Lena Erdil für die neue olympische Windsurf-Disziplin.

 

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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