Olympia Vorbereitung mit Corona: Tina Lutz war infiziert – Auf Lanzarote gestrandet

"Flitzen um den Rennkurs"

Wie schwierig es dieser Tage für Spitzensegler ist, sich auf die Olympischen Spiele vorzubereiten, erzählen Tina Lutz und Susann Beucke. Die Pandemie erfordert nervenaufreibende Flexibilität.

Lutz/Beucke bei ihrer Olympiavorbereitung für Japan. © Lutz/Beucke

Tina Lutz und Susann Beucke haben gezeigt, dass sie mit Schwierigkeiten umgehen können. Die deutschen Olympia-Repräsentanten in der 49erFX-Klasse feierten 2020 im ersten Corona-Jahr ihre größten Erfolge.

Erst holte Tina Lutz mit Ersatzfrau Lotta Wiemers bei der Australien-WM wichtige Olympia-Punkte, nachdem sich Vorschoterin Susann Beucke das Wadenbein gebrochen hatte. Dann machten sie bei der finalen Qualifikation zur Kieler Woche den Sack zu und siegten sogar gegen die Vize-Weltmeisterinnen. Zwei Wochen später wurden sie auch noch Europameisterinnen. Nach zwei knapp verlorenen Olympiaausscheidungen im 470er und 49erFX sind sie nun endlich am Ziel und wollen in Japan eine Medaille.

Susann Beucke und Tina Lutz (r.) © tina-sanni-sailing

Kein Wunder, dass das Selbstbewusstsein gestiegen ist. Schließlich werden sie seit dem 1. März auf Rang zwei der Weltrangliste geführt. Eine schöne Zahl, auch wenn die Liste im Corona-Jahr etwas schief ist. Aber das Duo aus dem Süden und Norden hat längst auch gegen die Besten der Welt gezeigt, dass es ganz oben angreifen kann. “Wenn wir da dabei sind, dann wollen wir auch um eine Medaille segeln”, bestätigt die Steuerfrau dem Traunsteiner Tagblatt.

Training mit dem Silber-Coach

Der Leistungssprung hängt unter anderem mit dem britischen Trainer Ian Barker zusammen, der 2000 selber im 49er Olympiasilber gewonnen und sich seitdem als Profi-Coach auf höchstem Niveau einen Namen gemacht hat.

Tina Lutz (r.) und Susann Beucke rahmen ihren Erfolgscoach Ian Barker ein. © Lutz/Beucke

Zusätzlich kümmert sich nun auch Yago Lange um die technischen Abläufe im Boot. Der 32-jährige Sohn von Katamaran-Legende Santiago hatte sich mit Bruder Klaus überraschend im 49er-Klasse für Rio 2016 qualifiziert und war Siebter geworden. Johannes Lukas, Coach der schwedischen Biathlon-Mannschaft bereitet Tina Lutz schon seit mehreren Jahren als Personaltrainer auf größere Aufgaben vor.

Leistungssportler planen akribisch ihre Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. Das gilt längst auch für Segler. Aber in ihrem jüngsten Bericht lassen die Athletinnen durchblicken, wie groß die Herausforderungen im zweiten Corona-Jahr geworden sind.

Schon vor den letzten beiden Rennen am Sonntag haben Lutz/Beucke in Kiel die Qualifikation für Tokio geschafft. © www.segel-bilder.de

“Wir müssen so flexibel sein, wie nie zuvor.” Die Vorbereitung auf Tokio gehe mit einer nervenaufreibenden Planung einher. Denn die sich ständig ändernden Reisebestimmungen machen den Seglern große Probleme. Zwar könnten die Olympiaaspiranten auch in Kiel auf der Ostsee trainieren, aber die Bedingungen auf der Förde sind so weit von denen auf dem Olympiarevier entfernt, dass Trainings kaum effektiv wären.

Man benötigt eine große Dünungswelle, so wie sie auf dem Pazifik vor Enoshima zu erwarten ist, um die technischen Fähigkeiten und das Material entsprechend darauf einstellen zu können. Deshalb wollten Lutz/Beucke im Januar und Februar vor Vilamoura in Portugal trainieren absolvierten aber nur den ersten Block erfolgreich.

Negativ nach neun Tagen

Dann infizierte sich die Skipperin mit Covid. Sie isolierte sich in Quarantäne, das Training fiel ins Wasser. “Nach neun Tagen war der Spuk Gott sei Dank vorbei. Tina war wieder gesund und der Test negativ.”

So sehen Siegerinnen aus. Nach der Kieler Woche siegten Tina Lutz und Susann Beucke nun auch bei der EM auf dem Attersee. Foto: Tobias Stoerkle

Wegen der stark ansteigenden Corona-Zahlen in Portugal, fuhr Coach Barker das Material nach Cadiz in den Süden von Spanien, wo ein effektives Training stattfinden konnte. Nun befindet sich das Team wieder auf Lanzarote, wo ein neuer Trainingsblock starten soll. Aber nun ist es Coach Barker als Brite nach einem Aufenthalt in der Heimat nicht erlaubt, nach Spanien einzureisen.

“Nun sind wir alleine auf Lanzarote und suchen auf Hochtouren nach einer Lösung, um unser Trainingslager zu retten. Hier ist es nicht ratsam alleine auf das Wasser zu gehen. Die Gefahr ist zu groß bei Bruch auf dem Ozean keine Hilfe zu bekommen.

All die Beschränkungen, Veränderungen und Unsicherheiten machen unseren Trainingsalltag wirklich schwierig. Wir versuchen jedoch nicht zu vergessen, was hinter dem ganzen Covid-Stress für uns steckt, und zwar das Segeln an sich, der Spaß an unserem Sport und das Flitzen um den Rennkurs.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Olympia Vorbereitung mit Corona: Tina Lutz war infiziert – Auf Lanzarote gestrandet“

  1. avatar ds sagt:

    Heißt der Trainer jetzt barker, baker oder barke

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