Olympia: Zwei neue Kampagnen für Mixed Offshore Double Handed – Rossi und Clapcich

Zweihand-Frauenpower

Der italienische J/70-Star Claudia Rossi und ihre Landsfrau Francesca Clapcich wollen jeweils mit männlichem Team-Partner für Italien und die USA 2024 vor Marseille im Olympia-Zirkus mitspielen.

Es tut sich was in der internationalen Double Handed Mixed Offshore Szene. Zwei renommierte und hochqualifizierte Italienerinnen haben in den letzten Tagen offiziell eine eigene Kampagne für die Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gestartet. Claudia Rossi will mit dem Big Wool Sailing Team für ihr Heimatland Italien an den Start gehen. Francesca Clapcich möchte sich mit dem State Street Marathon Sailing Team für die USA qualifizieren. Clapcich ist „resident“ in den USA, lebt dort bereits seit Jahren mit ihrer Ehefrau und hofft, in Kürze die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Beide Frauen haben bereits eine (sportliche) Partner-Wahl für die Olympische Mixed-Disziplin getroffen und befinden sich im Prinzip schon seit einer Saison im (Test)-Training. Rossi ist mit Landsmann Matteo Mason unterwegs, den sie im J/70-Zirkus als kompetenten Vorschoter kennen und schätzen gelernt hat. Clapcich segelt mit Jesse Fielding, einem erstklassigen US-amerikanischen Hochseesegler.

Geballte Power

Besonders spannend an diesen beiden Teams ist die Gewichtung innerhalb des Mixed-Duos. Beide Male sind die Frauen diejenigen mit dem stärkeren Background und dem deutlich größeren Erfahrungsspektrum. Und was für eine geballte Power da bei diesen Frauen zum Tragen kommen wird!

Claudia Rossi ist SegelReporter-Lesern bereits seit Jahren bekannt. Sie mischt wie kaum jemand sonst die heiß umkämpfte J/70-Szene auf. Claudia Rossis Stern ging bei der J/70 Europameisterschaft 2016 auf, die im Rahmen der Kieler Woche veranstaltet wurde. Nur drei Monate nach dem Einstieg in die Klasse holte sie den Titel. Das Prinzip: Geld schießt eben doch Tore.
Mit der Hilfe ihres Vaters Alberto, der seit vielen Jahren Profi-Crews insbesondere in der Farr40-Klasse unterhält, konnte sie ein Team zusammenstellen, das zu den besten der Welt gehört. Sie trainierte viel – auch mit ihrem Vater. Der gewann dann ebenfalls den EM-Titel in der J/70 2018. Ein Jahr später am Gardasee jagt sie ihm die Trophäe wieder ab und gewinnt vor Markus Wieser.
Zwischenzeitlich versuchte sie sich auch an einer 49er FX-Kampagne, brach sie aber schnell wieder ab.
Für das Olympische Mixed Offshore-Event hat Rossi schon erste Regatten gesegelt. Vor Genua absolvierte sie die dreitägige Langstreckenregatta EMOEC, die als Europameisterschaft in der L30-Klasse ausgetragen wurde. Ohne viel Training segelte sie mit ihrem J/70 Vorschoter Mateo Mason auf Rang vier unter acht Nationenteams (300 Seemeilen). Später finishten die Beiden beim deutlich kürzeren Nastro Rosa Tour von/nach Venedig (100 sm). Nur drei Boote waren am Start, Rossi/Mason wurden, lange in Führung liegend, wegen eines Fehlers auf den letzten Meilen nur Zweite.

Mords Spektakel

Doch Claudia Rossi hat ganz offensichtlich angebissen: „Diese neue Olympische Disziplin ist wirklich Aufregend. Mehrere Tage und Nächte zu Zweit auf der See, das reizt mich wirklich. Außerdem glaube ich, dass Mixed Offshore Sailing als längste olympische Disziplin aller Zeiten einen sehr hohen medialen Wert einnehmen wird. Wir werden rund um die Uhr per Tracker und mit Live-Direktübertragungen zu beobachten sein. So wie derzeit bei der Vendée Globe – das wird ein mords Spektakel!“

Glänzte Claudia Rossi bisher in einer einzigen Bootsklasse, die zudem nicht „mal“ olympisch ist und höchstens entlang der Küsten gesegelt wird, kann ihre Landsfrau Francesca Clapcich mit spezifischerem Background aufwarten. Sie repräsentierte Italien auf dem Laser Radial bei den Olympischen Spielen 2012 in London und auf dem 49erFX in Rio 2016 (dort auch Weltmeister- und Europameisterin). Außerdem segelte sie an Bord der „Turn the Tide on Plastic“ das Volvo Ocean Race 2017/18.

Magie des Offshore-Segelns

Mit dieser starken Kombination aus Olympischer und Offshore-Erfahrung ist Clapcich die perfekte Kandidatin für eine solche Kampagne. Und sie unterstreicht, dass die “Magie” des shorthanded Offshore-Sports sie besonders begeistere. „Jesse und ich trainieren bereits seit Monaten, übrigens auch einhand, auf See. Dabei sind wir mit verschiedenen Bootsklassen unterwegs, haben aber vor allem die Figaro 3 im Visier (eine Bootsklasse wurde noch nicht vom Olympischen Komitee benannt – die Red.). Wenn du auf relativ kleinen Booten alleine oder zu Zweit auf dem Ozean segelst, kommt eine ganz spezielle Stimmung auf. Du bist entweder auf den anderen angewiesen oder musst völlig alleine klarkommen.“ Auch Clapcich ist überzeugt, dass Mixed Double Handed Sailing bei seiner Premiere 2024 vor Marseille ein echtes Medienevent wird. Man sehe gerade derzeit, wie sehr die Fans auf Hochseeregatten „stehen“. „Nicht umsonst ist die Vendée Globe, als eine der längsten Hochseeregatten überhaupt, auch die medienträchtigste und beliebteste, was Zuschauerzahlen anbelangt,“ ist Clapcich überzeugt.

Potentielle Deutsche Teams sind noch in der Sichtungsphase.

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Olympia: Zwei neue Kampagnen für Mixed Offshore Double Handed – Rossi und Clapcich“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    “Der italienische J/70-Star Claudia Rossi und ihre Landsfrau Francesca Clapcich….”. Schon toll, was die Gender-Balance so mit der Sprache macht. Aber ganz korrekt müsste es doch eigentlich “die italienische J/70-Starin” heissen, oder?
    🙂

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