Kieler Woche 2012: Die Zukunft ohne den Olympia Weltcup

Kampf um Spitzen-Status

Die Kieler Woche muss 2012 zeigen, dass sie auch ohne den Weltcup-Status internationale Spitzensegler anlocken kann. © Kieler Woche

Nach der Neuordnung des Sailing World Cups beim ISAF Jahrestreffen in Puerto Rico ist es klar, dass mit der Palma Week und Hyères nur zwei europäische Events im Wettbewerb bleiben. Damit ist nicht nur die Kieler Woche aus dem Rennen, der Organisatoren sich erst gar nicht beworben hatten, sondern auch der renommiert Weltcup im holländischen Medemblik sowie die relativ junge Go for Gold Regatta in Weymouth.

Es ist der ISAF bisher noch nie geglückt, dem Weltcup eine solche Bedeutung zu geben, dass er für die Spitzensegler den gewünschten Wert hätte. Auch die Weltrangliste gibt häufig ein schiefes Bild über die tatsächlichen Kräfteverhältnisse in einer Klasse.

Denn die Olympiasegler können es sich nicht leisten, ihre Sportgeräte in Containern um die Welt zu schicken. Allein bei den Lasern oder Surfern, die sich zur Not ihr Material in Übersee chartern können, würde eine Weltserie Sinn machen.

Mit dem Ausschluss der europäischen Veranstaltungsorte dürfte sich die Situation nicht gerade bessern. Aber Kiel muss aufpassen, dass die Weltspitze noch kommt. Der Zusammenschluss im European Circuit könnte ein Weg sein.

Die Pressemitteilung

Am Rande des traditionellen Curry-Essens, zu dem der Kieler Yacht-Club Sponsoren, Partner, Vertreter der mitveranstaltenden Vereine, aus Sport, Wirtschaft und Politik in den historischen Kaisersaal des Clubs einladen, stellten die Organisatoren der Kieler Woche die Weichen für die Zukunft der 129 Jahre alten Kieler Woche. Innovation und European Sailing Circuit (ESC) werden dabei die Schwerpunkte sein.

Bereits seit der Kieler Woche in diesem Jahr arbeiten die Kieler-Woche-Organisatoren am European Sailing Circuit und der Einbindung der neuen olympischen Segeldisziplinen. Ziel ist es, innovativ zu bleiben und mit einem europäischen Segel-Circuit den Aktiven attraktive Events mit machbaren Reiseaufwendungen zu bieten.

Ohne die Einbindung in den Sailing Worldcup öffnen sich der Kieler Woche neue Türen. Eine Unterordnung im Bereich Sponsoring (bis hin zum Titelsponsoring) oder eine zeitliche Anpassung (bis zur Terminverlegung der Kieler Woche) sind für Kiel unmöglich und ungewollt. Die Kieler Woche geht auch im 130. Jahr ihren eigenen Weg (Kieler Woche 2012, 16. bis 24. Juni).

„Der Sailing Worldcup passt eigentlich auch nicht zu einer Traditionsveranstaltung wie der Kieler Woche. Wir hätten für die Olympia-Klassen sechs Tage lang Wettfahrten anbieten sollen und hätten damit andere nicht-olympische Klassen vergraulen müssen. Aber das geht nicht, und deshalb haben wir uns auch gar nicht erst beworben“, sagte der oberste Wettfahrtleiter, Jobst Richter vom Kieler Yacht-Club mit Blick auf den Worldcup, der ab 2013 nicht mehr in Kiel stattfindet. Wie wenig Aktive den Regatten des Worldcups um die Welt folgten, zeigte sich auch in diesem Jahr. Auf eine Siegerehrung der Weltcupsieger zum Abschluss der Kieler Woche hatte der Weltverband mangels Masse verzichtet.

Ob die Teilnehmerzahl der Aktiven steigt, wenn der ISAF Sailing World Cup ab 2013 in Europa nur zweimal Station macht und alle fünf Kontingente besuchen will, ist fraglich. Während die Stationen in Asien, Afrika/Mittlerer Osten, Amerika und Ozeanien noch nicht feststehen, sind es in Europa, bedingt durch das Zeitfenster, Hyères/Frankreich und Mallorca/Spanien.

Kiel kam nicht in Frage. Der eigene Charakter und der Zeitpunkt der Kieler Woche sind unantastbar. „Die Anforderungen des Weltsegelverbandes sind in vielerlei Hinsicht mit der Kieler Woche unvereinbar. Die Kieler Woche ist in diesem Jahr 129 Jahre alt geworden, der Worldcup wurde zum dritten Mal ausgetragen. Die Zukunft der Kieler Woche hängt sicher nicht am ISAF-Worldcup“, sagte Tim Holborn, Pressesprecher der Stadt Kiel.

Auch der Vorschlag aus Kiel, schon 2012 den Worldcup in Weymouth (England) Anfang Juni zu beenden und die Kieler Woche nicht zu berücksichtigen, liegt dem Weltseglerverband bereits seit August diesen Jahres vor. Denn Kiel hat seit Juli diesen Jahres seinen Fokus auf die eigene Veranstaltung und den europäischen Gedanken gelegt. Wenn es nach den Veranstaltern der Kieler Woche geht, sollte der European Sailing Circuit (ESC) bereits ab 2013 ausgetragen werden.

„Wir möchten den Athleten die Möglichkeit bieten, in Europa eine große Serie zu segeln“, so Peter Ramcke, Projektleiter des ESC aus Kiel. Mit der europäischen Idee hatten die Verantwortlichen des Kieler Yacht-Clubs bereits im Juni alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den europäischen Cup voranzutreiben und Partner für diese Idee zu finden. In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Segler-Verband (EUROSAF) wurden die ersten Weichen im Juli gestellt.

Geplant ist ein Gesamtwertung aus bis zu sechs europäischen Segel-Großveranstaltungen. Die Ergebnisse müssen eine klare Positionierung in der Weltrangliste finden, um sportlichen Anreiz für die Aktiven zu bieten. Dabei werden ausschließlich bestehende Events berücksichtigt. Gesetzt ist auf jeden Fall Kiel.

„Wir wollen dem Weltverband zuarbeiten, aber die Kieler-Woche-Organisation werden wir auf jeden Fall weiter in Eigenregie betreiben“, so Sven Christensen vom Kieler Yacht-Club und der Kieler-Woche-Vermarktungsagentur Point of Sailing.

Die Zustimmung des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), der bereits früh in die Ideen der Kieler-Woche-Veranstalter eingeweiht war, ist den Kielern gewiss, auch wenn die Nichteinbindung Kiels und Medembliks in den ISAF Sailing Worldcup bedauert wird. Der DSV sei auf gute Events angewiesen, die auch ohne Riesenaufwand erreichbar seien, so DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, die wie der gesamte DSV die Entwicklung kritisch sieht. „Kiel ist und war mit dem TV-Tracking sensationell. Das hat kein anderer bisher bieten können“, so Stegenwalner. Die Medialisierung durch das Kieler Woche-TV, das Tracking und die 3D-Animation sowie die ganz normale Organisation suchen auch nach Ansicht der ISAF Ihresgleichen.

Doch dem Lob zur Kieler Woche vom ISAF-Präsidenten Göran Petersson (Schweden) folgte die Entscheidung auf der ISAF-Jahrestagung in Puerto Rico für Hyères und Palma: „Wir haben alle Faktoren ausgewertet und für die erste Phase zwei starke Wettbewerbe ausgewählt, die den Sailing Worldcup nach vorn bringen werden“. Weiter vorn als zur Kieler Woche 2011 war der olympische Segelsport in der Medialisierung noch nie. „Wenn ich einem potentiellen Sponsor den Segelsport und seine Darstellung zeigen will, dann zeigte ich denen Kiel“, so Stegenwalner. All das müsste für den Worldcup noch Standard werden. Bisher ist es dank der Kieler-Woche-Partner und -Sponsoren eine Alleinstellung Kiels.

„Die Politik der ISAF ist nicht nachvollziehbar. Einerseits will man den Segelsport kostengünstiger machen, und dann kreiert man solch einen teuren Wettbewerb , so Robert Stanjek, Athletensprecher der DSV-Nationalmannschaft, der auch für die deutschlandweite Werbung für den Segelsport auf Kiel setzt. Ein Unding ist die Entscheidung für Simon Grotelüschen (Lübeck). Auch die deutsche Laser-Hoffnung betont, dass Kiel mit der Medialisierung 2011 neue Maßstäbe gesetzt habe. Sein Sparringspartner Paul Goodison (Großbritannien), der zwischen 2002 bis 2009 viermal die Kieler Woche gewinnen konnte, erklärte, dass Kiel mit Medemblik und Hyères zu den wichtigsten Veranstaltungen gehöre. Der Goldmedaillengewinner von Qingdao (China) trainiert mit Grotelüschen zusammen für die Weltmeisterschaften in Perth (Australien).

Das allgemeine Unverständnis für die ISAF-Entscheidung wird begleitet von Sorgen über die Großveranstaltung ohne Woldcup-Weihen. Doch die Kieler sehen gute Chancen, dass Kiel seinen Stellenwert in der Segelwelt auch ohne Worldcup wahrt, allerdings sollte ein Machtkampf mit der ISAF vermieden werden. „Wenn Worldcups auf den anderen Kontinenten auf den oder nahe zum Kieler-Woche-Termin gelegt werden, dann droht ein Kannibalisierungseffekt“, sagt KYC-Außenminister Dirk Ramhorst.

Neben dem ESC plant Kiel für 2012 bereits einen Ausblick auf die Olympischen Spiele der Zukunft: „2012 in Kiel erleben, was Rio 2016 bietet“. Unter diesem Vorzeichen sollen zur Kieler Woche 2012 (16. bis 24. Juni) die neuen olympischen Disziplinen ihren Platz finden. Vom Katamaransegeln (nur für 2012 aus dem Programm geflogen) über das Frauenskiff (folgt dem Frauen Match Race/einmalig olympisch 2012) bis hin zur Surfdisziplin (gegebenenfalls Kiten) soll in Kiel alles geboten werden, was vor Rio de Janeiro (Brasilien) 2016 olympisch gesegelt wird. Die Zukunft beginnt eben in Kiel.

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Carsten Kemmling

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