Kieler Woche: Goltz, Grotelüschen und Gerz/Follmann in Führung

Olympiastarter auf Kurs

Olympiastarterin Franziska Goltz segelt sich bei Starkwind an die Spitze. © segel-bilder.de

Die deutschen Olympia-Starter spielen sich bei der Kieler Woche in die Hauptrollen. Am zweiten Tag übernahmen gleich drei Crews, die Deutschland bei den Spielen in England vertreten werden, die Gesamtführungen in ihren Klassen. Laser-Seglerin Franziska Goltz (Kiel) schwang sich nach einem Fehlstart am Sonnabend nun ebenso zum Klassenprimus auf wie Laser-Kollege Simon Grotelüschen (Kiel) und die 470er-Männer Ferdinand Gerz/Patrick Follmann (München). Dazu komplettieren die nicht für Olympia qualifizierten Annika Bochmann/Elisabeth Panuschka (Berlin/Uerdingen) als 470er-Führende das Top-Auftreten des deutschen Kaders.

Kieler Woche TV Highlights vom 17.6. (ENG, draufklicken)

Einen perfekten Tag bei kräftigen Winden mit fünf Beaufort erwischte Laser-Titelverteidiger Simon Grotelüschen. Zwei Starts, zwei Siege – damit verdrängte er seinen Sparringspartner Philipp Buhl von der Spitze, der noch am Vortag so stark gesegelt war, nun aber mit den Rängen zwei und drei einige Punkte liegen ließ. „Ich freue mich auf die Rennen im Goldfleet, wenn das Feld noch mal doppelt so stark ist“, sagte Grotelüschen, der die Stärke seines Sparringspartners Buhl lobte: „Er ist ein absoluter Glücksfall für mich. Durch diesen Vergleich mit ihm, habe ich mich so weit entwickeln können. Aber das gilt sicherlich auch für ihn.“

Auf ihrem Heimatrevier bringt sich auch Franziska Goltz immer mehr in die Form, die sie im vergangenen Sommer hatte und die sie nun auch für die Olympischen Spiele braucht. Die Einzelplatzierungen 1, 4 und 2 eröffnen ihr einen spannenden Zweikampf mit der punktgleichen Weltranglisten-Siebten Tatiana Drozdovskaya (Weißrussland). Auf Platz drei folgt Lisa Fasselt (Rostock).

Den Trend des ersten Tages, als sie sich bis zum Abend steigerten, setzten die 470er-Männer Gerz/Follmann fort. Die Plätze 5 und 1 führten sie an die Spitze eines deutschen Trios, das das Gesamtklassement anführt. Erst seit eineinhalb Jahren zusammen im 470er, haben Gerz/Follmann enorme Entwicklungssprünge gemacht. „Bei Starkwind waren wir schon immer gut, jetzt brauchen wir noch die nötige Konstanz auch bei leichteren Winden“, freute sich Follmann über die Bedingungen am Sonntag.

Diese Winde waren auch für die 470er-Frauen Bochmann/Panuschka maßgeschneidert. Drei Starts, drei Siege – so lautete die beeindruckende Bilanz der Nachwuchs-Crew, die erst im vergangenen Herbst zusammen gefunden hatte und inzwischen schon auf den Gewinn der Junioren-Vize-Weltmeisterschaft verweisen kann. Mit dieser Serie schoben sie sich auch an Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) vorbei, die lange auf einen Start bei Olympia gehofft, das Ticket aber schließlich knapp verpasst hatten.

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren gut im 470er entwickelt, aber der 49er als neue olympische Disziplin sieht sehr attraktiv für uns aus. Wir müssen mal sehen, wie wir uns für die Zukunft entscheiden“, sagte Susann Beucke. Auf jeden Fall hat das Duo den Spaß am Segeln zurückgewonnen. „Nach dem ganzen Hickhack in der Olympia-Qualifikation hatte ich überhaupt keine Lust mehr zum Segeln, und wir haben erst mal pausiert. Aber jetzt ist es wieder richtig gut. Die Kieler Woche ist einfach ein cooles Event“, sagte Lutz.

Richtig gut könnte die Kieler Woche auch wieder für die deutschen 49er werden. Die Titelverteidiger und Olympia-Starter Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann (Kiel) haben sich auf Platz drei vorgeschoben – hinter ihren Sparringspartnern Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel) und den britischen Spitzenreiters James Peters/Ed Fitzgerald.

Zu spät für Olympia weist Finn-Segler Matthias Miller (Laupheim) seine internationale Klasse nach. Bei der WM im Mai hatte er seine letzte Chance auf das Ticket für die Spiele verpasst, zur Kieler Woche kommt er immer besser in Fahrt. Ein Tagessieg im letzten Rennen des Sonntags ließ ihn auf Platz fünf klettern. Vorn dominiert aber weiter der Este Deniss Karpak das Geschehen.

In der paralympischen Disziplin 2.4mR startet Heiko Kröger die Aufholjagd. Mit den Rängen 1 und 2 ist er nun Gesamt-Vierter. 2004-Paralympics-Sieger Damien Seguin (Frankreich) verteidigte die Führung trotz eines sechsten Platzes im ersten Tagesrennen.

Zahlreiche deutsche Gesamtsiege liegen in den Yacht-Einheitsklassen in der Luft. Für die Seriensieger der vergangenen Jahre in der J80 ist die Kieler Woche der erste echte Auftritt auf der Regattabahn in 2012. Wegen Rückenproblemen hatte Martin Menzner (Kiel) mit seiner Crew bisher auf Starts verzichten müssen. Zur Kieler Woche präsentiert er sich aber wieder in alter Frische und führt nach sieben Rennen das Feld an.

Auch bei den Laser SB3 findet sich mit Reinhard Schröder (Uerdingen) der Siegername der vergangenen Jahre an der Spitze wieder, und in der X99 entwickelt sich das Geschehen zum altbekannten Duell zwischen Christian Soyka (Itzehoe) und Martin Christiansen (Strande). Nachdem Soyka das erste Rennen am Sonnabend noch verpasst hatte, legte er eine Serie von vier Siegen hin und hängt dem Gesamtführenden Christiansen nun dicht am Heck. Dominator der Platu 25 ist der Berliner Ingo Lochmann.

Ein hochkarätiges internationales Feld ist bei den Melges 24 am Start. Hier müssen sich die Deutschen vorerst mit Plätzen jenseits des Podiums begnügen. Bester Starter der Gastgeber ist Oliver Schwall (Hamburg) auf Platz vier, die Führungsposition hat der Italiener Riccardo Simoneschi inne. Bei den Albin Express liegt ein dänisches Trio an der Spitze.

Einen weiteren spektakulären Tag erlebten die Yachten auf der Mittelstrecke. Die Rückregatta von Eckernförde nach Kiel begann wie am Vortag mit einen Spinnaker-Start und rasanten Wellenritten. „Das war einfach toll anzusehen. Gleich zu Beginn gab es einige Sonnenschüsse, dann hatte sich das Feld sortiert und die ,Varuna‘ sowie die TP52 ,Info AG‘ schossen davon.

Da hatten wir Probleme mit dem Motorboot bei einer Geschwindigkeit von 21 Knoten mizuhalten“, begeisterte sich Seebahn-Chef Eckhard von der Mosel. Gesegelt wie berechnet schnellster Einrümpfer war schließlich die werftneue „Varuna“ von Jens Kellinghusen (Hamburg). Noch schneller war indes der dänische Trimaran „Carbon³“, der damit auch den Preis für das schnellste Schiff in der Gesamtwertung von Hin- und Rückregatta Kiel – Eckernförde erhielt.

 

Kieler Woche im Ergebnis:

 

Paralympische Klasse:

2.4 mR: (4) 1. Damien Seguin (FRA,5/1/6/1) Punkte 13; 2. Thierry Schmitter (NED,2/5/4/3)14; 3. Hans Asklund (SWE,6/4/2/8)20; 4.Heiko Kröger (Ammersbek,9/9/1/2)21; 5. Jens Als Andersen (DEN,8/6/14/6)34; 6. Johnsson Henrik (SWE,19/2/7/10)38;

 

Olympische Klasse:

49er: (7) 1. James Peters / Ed FitzGerald (GBR,1/1/5/1/1/7/(11)) Punkte 16; 2. Erik Heil / Thomas Plößel (Berlin,7/1/(8)1/2/5/1)17; 3. Tobias Schadewaldt / Hannes Baumann (Kiel,5/5/3/(8)1/1/3)18; 4. Thomas Zajac / Thomas Czajka (AUT,1/(11)3/3/3/5/4)19; 5. Mathieu Frei / Yann Rocherieux (FRA,(9)2/2/2/6/8/1)21; 6. Jonathan Bay / Christopher Thorsell (Hellerup,5/(12)2/6/5/2/2)22;

 

470 M: (5) 1. Ferdinand Gerz / Patrick Follmann (München,(19)2/2/5/1) Punkte 10; 2. Magnus Masilge / Moritz Klingenberg (Kiel,4/(19)3/3/4)14; 3. Denny Naujock / Nils Schröder (Berlin,2/(23)5/2/8)17; 4. Balder Marius Tobiasen / Magnus Jung Johansen (DEN,1/11/(14)6/3)21; 5. Jan-Jasper Wagner / Dustin Baldewein (Mannheim,12/4/(17)10/2)28; 6. Julian Autenrieth / Philipp Autenrieth (Augsburg,10/5/7/(13)6)28;

 

470 W: (5) 1. Annika Bochmann / Elisabeth Panuschka (Kiel,(13)5/1/1/1) Punkte 8; 2. Tina Lutz / Susann Beucke (Bergen,1/2/3/(3)2)8; 3. Ewa Szczesna / Irmina Mrozek Gliszczynska (POL,2/1/5/(5)4)12; 4. Mengxi Wei / Xinyan He (CHN,(11,2)7/6/2/3)18; 5. Mandy Mulder / Shannen Marck (NED,4/(13)4/4/9)21; 6. Nadine Böhm / Karoline Göltzer (Buchloe,3/6/7/(11)7)23;

 

Finn: (5) 1. Karpak Deniss (EST,1/(3)1/1/2)5; 2. Brendan Casey (AUS,4/1/2/(7)3)10; 3. Caleb Paine (USA,(9)2/6/3/5)16; 4. Björn Allansson (SWE,3/4/5/(5)4)16; 5. Matthias Miller (Laupheim,(15)6/8/2/1)17; 6. Selivanov Alex (RUS,2/(13)4/9/9)24;

 

Laser: (5) 1. Simon Grotelüschen (Kiel,(9)3/1/1/1) Punkte 6; 2. Philipp Buhl (Sonthofen,1/2/1/(3)2)6; 3. Thorbjoern Schierup (DEN,1/1/4/(9)3)9; 4. Andy Maloney (NZL,7/1/(9)1/1)10; 5. Sam Meech (NZL,(9)4/4/4/2)14; 6. Ryan Palk (AUS,(8)7/3/2/3)15;

 

Laser Radial: (5) 1. Franziska Goltz (Kiel,(28)1/1/4/2) Punkte 8; 2. Tatiana Drozdovskaya (BLR,(4)2/3/2/1)8; 3. Lisa Fasselt (Rostock,(21)4/2/5/3)14; 4. Anna Weinzieher (POL,(23)3/6/1/5)15; 5. Anke Helbig (Kiel,(14)9/4/9/6)28; 6. Ashley Stoddart (AUS,(20)8/5/8/7)28;

 

Internationale Klassen:

J80: (7) 1. Martin Menzner / Carsten Hopp / Frank Lichte / Mika Rolfs (Stein,2/1/1/1/(8)1/2) Punkte 8; 2. Malte Christophersen / Olaf Hug / Thilo Merz / Simon Merz (Berlin,1/2/(5)2/2/3/3)13; 3. Thomas Dehler / Christoph Peper / Torsten Viebrock / Klaas Simon (Kiel,6/3/3/4/(10)2/5)23; 4. Boksa Pawel / Mateusz Blazejak / Mariusz Klupinski / Piotr Harasimowicz (POL,(8)5/6/3/6/5/1)26; 5. Hauke Krüss / Malte Gibbe / Ole Sartori / Susanne Sartori (Kiel,3/6/7/(16)1/4/8)29; 6. Karsten Thode / Tim Reimers / Jörg Überländer / Stefan Lukoschek (Heikendorf,4/4/(9)6/3/8/4)29;

 

Albin Express: (7) 1. Kim Lago Noergaard / Brian Foged / Morten Buhl / Jesper Misfelt (DEN,(3)1/2/2/2/1/1) Punkte 9; 2. Morten Arndal / Dennis Petersen / Anders Hilkjaer / Terkel Hilkjaer (DEN,1/3/1/1/3/2/(4))11; 3. Hans Christian Erbs / Jacobsen Jacob / Lauridsen Klaus  / Carsten Erbs (DEN,2/4/3/4/1/(11)2)16; 4. Andreas Pinnow / Katrin Kraus / Julian Heller / Jan Heinecke (Kiel,4/2/4/3/4/5/(5))22; 5. Nils Krafft / Fritz Gurke / Hendrik Lippek / Niels Joseph (Ellerbek,7/6/6/7/(7)4/3)33; 6. Jesper Noerbo Soerensen / Jesper Schoellhammer / Rasmus Christensen / Steen Rosenstand (DEN,8/5/9/(9)5/3/6)36;

 

Laser SB3: (7) 1. Reinhard Schroeder / Benedikt Spiegel / Sven Gauter (Grabow,1/3/1/(4)2/1/3) Punkte 11; 2. Daniel Spänle / Bernd Fluck / Tobias Spänle (Niestetal,3/2/2/1/1/9/(9))18; 3. Vladislav Ivanovski / Natalia Sukhareva / Andrey Poltanov (RUS,2/4/5/(5)4/2/2)19; 4. Nils Beltermann / Christian Zieger / Nico Gebhardt (Hamburg,(6)5/4/3/3/4/1)20; 5. Borodinov Sergey / Oleg Shpoltakov / Fayzullin Ramis (RUS,5/1/3/2/(9)5/5)21; 6. Kristof Wenger / Marlies Linke / Jan Wachlin (Berlin,4/6/6/9/(9)3/4)32;

 

X-99: (6) 1. „Immac X“ Christian Soyka / Sören Petersen / Tim Krämer / Rüdiger Frigge / Martin Großkopf / Stefan Schimkowski (Hohenlockstedt (9) 1/1/1/1/2) 6 Punkte; 2. „Team xive“Martin Christiansen / Torsten Writh / Ullrich  Tesch / Andreas Hengstmann / Cord Runne / Henrike Rolf (Buxtehude 1/2/3/2/2/(3)) 10; 3. „Newport Storm” Jan-Hendrik Franzen / Theo Boltzen / Christian Marx / Jöran Molck / Malte-Johannes Franzen / Nils Kristoffer Franzen (Hamburg 2/(6) 2/3/4/4)15; 4. Michael Schulz / Ralf Elsner / Tobias Glawe / Gerd Klostermann / Robert Jatkowski / Anika Kruck (Bremerhaven (9) 3/5/4/3/1)16; 5. „Noodles“ Ulrich Martens / Juliane Grunzke / Carlo Schreiber / Marco Schönwitz / Regina Kühn / Daniel Zenker (Grevesmühlen 3/4/6/6/(6) 5)24; 6. „shaXbeer“ Andi Thomsen / Katha Köhlmoos / Kerstin Beucke / Uwe Baum  / Jockel Jahns / Wiebke Lankuttis (Hamburg 9/5/4/5/5/(9)) 28

 

Melges 24: (6) 1. Riccardo Simoneschi / Lucia Giorgetti / Federico Buscaglia / Paolo Mangialardo / Gabriele Benussi / Riccardo Simoneschi (ITA,1/1/1/1/1/(1))5 Punkte; 2. Kim Christensen / Erik Oerstedt / Peter Jakobsen / Rene Schmidt (DEN,(9)3/2/2/3/2)12; 3. Didrik Godaker / Tine Oldereid / Benedicte Heide / Arne David-Andersen / Christian Goulignac (NOR,(18)4/9/7/6/3)29; 4. Peder Nergaard / Morten Helgesen / Petrus Eide / Pal Berntsen (NOR,5/5/8/3/(9)8)29; 5. Thomas Soerensen / Line Just. Emsvang / Anette Viborg Andreassen / Anna-Groth Grube / Joa Storebjerg (DEN,(14)10/4/4/7/5)30; 6. Jesper Bendix / Martin Mikkelsen / Lars Christensen / Jacob Groenbech (DEN,13/7/5/(29)4/6)35;

 

Platu 25: (5) 1. Ingo Lochmann / Timo Chorrosch / Jens Steinborn / Matze Krueger / Christian Maedel (Berlin,1/2/1/(2)1)5 Punkte; 2. Daniel Nauck / Oliver Freiheit / Christian Buck / Erik Powilleit / Steve Bärtle (Berlin,(7)1/3/1/2)7; 3. Michael Berghorn / Lukas Roesgen / Jan Gräfing / Lasse Theilen / Justus Reinke (Hamburg,2/3/(11)4/4)13; 4. Gordon Nickel / Sebastian  Röske  / Morten Nickel / Nils Fiege / Nils Merten Färber / Gordon Nickel (Stade,(14)11/2/3/3)19; 5. Suzanne Willim / Natalie Turlik / Christina Bärwald / Charlotte Jaekel / Silke Hahlbrock / Marion Rommel (Schleswig,8/4/4/5/(18))21; 6. Rüdiger Margale / Georg Robaszkiewicz / Niklas Dahl / Thomas Overkämping / Arnd Ritter (Arnsberg,3/7/(8)7/6)23;

 

Seebahn: Zu Redaktionsschluss lagen die Ergebnisse noch nicht vor

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Ralf Abratis

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