Olympia 2012: Die 49er Überflieger Nathan Outteridge und Iain Jensen

Aussie Superstars

Triumphfahrt auch für die neuseeländischen 49er. © Marina Könitzer

Triumphfahrt auch für die neuseeländischen 49er. © Marina Könitzer

Nathan Outteridge und Iain Jensen, die überlegenen Olympiasieger im 49er. © Marina Könitzer
Nathan Outteridge und Iain Jensen, die überlegenen Olympiasieger im 49er. © Marina Könitzer

Nathan Outteridge und Iain Jensen waren schon vor dem Medaillenrennen überlegene Olympiasieger der 49er. Was machen die Aussies anders als andere?

„The Cove House Inn“ kocht über. Mit einem Feuerwerk und Bier in Strömen im gelb-grünen Freudentaumel wurden dort bereits die neuen Olympiasieger im 49er, Nathan Outteridge und Iain Jensen, von einigen hundert Fans und Wegbegleitern in rauschender Nacht gebührend gefeiert. Der kurz „Cove“ genannte Pub am Strand von Portland bei Weymouth ist die australische Festung im britischen Patriotismus der London 2012 Games. Die Segler von Down Under werden dort heute die Erde beben lassen, nachdem die 470er-Weltmeister Mathew Belcher und Malcolm Page das dritte Gold der Nation holten und den maßlos enttäuschten Briten endgültig die Vormachtstellung zur See abjagten. Das Erste Gold war an Laser-Weltmeister Tom Slingsby gegangen.

Die 49er Olympiasieger gewinnen mit 24 Punkten Vorsprung. Die Taucherbrille soll auf ihre Kenterung hinweisen. © Marina Könitzer

Die 49er Olympiasieger gewinnen mit 24 Punkten Vorsprung. Die Taucherbrille soll auf ihre Kenterung hinweisen. © Marina Könitzer

„Ich war doch ganz froh, dass es im Finale um nichts mehr ging“, sagt der 26-jährige Outteridge aus eigener Erfahrung, „das kann brutal enden, wenn vier Jahre harte Arbeit an einem einzigen Rennen hängen, dass auch noch auf einem so trickreichen, ufernahen Kurs.“ Der Steuermann und sein zwei Jahre jüngerer Freund Jensen hatten schon frühzeitig klar gemacht, wer die Skiff-Könige der Welt sind. Die Dominanz war erdrückend. Selbst ihre neuseeländischen Sparringspartner Peter Burling und Blair Tuke konnte die Pace selten mitgehen, und waren als ebenfalls vorzeitige Silbermedaillengewinner auch noch eine Klasse für sich.

Austrailia rules the waves. Die Aussies können vier Goldmedaillen gewinnen. © Marina Könitzer

Austrailia rules the waves. Die Aussies können vier Goldmedaillen gewinnen. © Marina Könitzer

Seit drei Jahren hatten die Ozeaner sich gemeinsam auf die Spiele vorbereitet. 320 Tage pro Jahr verbrachten sie auf dem Wasser. Das fiel auch nicht schwer, denn wenn Outteridge und Jensen die Haustür in Wangi Wangi aufmachen, gehen sie quasi schon auf den Steg. In dem 300-Seelen-Dorf nördlich von Sydney stehen die Elternhäuser in Nachbarschaft. Als Kinder bewunderten sie die artistischen Segelkünste der Skiff-Legende Chris Nicholson, der im Juli als Skipper der „Camper“ Zweiter im Volvo Ocean Race wurde. Nur kurz segelten die Schulbuben gegeneinander, sitzen seit sie 13 und elf Jahre alt waren in einem Boot.

Was sind die drei Hauptgründe für ihren Erfolg? „Ganz klar, Konstanz, Konstanz und nochmal Konstanz“, erklärt Outteridge, es ist eine Summe vieler Kleinigkeiten, die ihnen die traumhafte Sicherheit an Bord gibt. Liegen sie nach einer schlechten Startkreuz doch mal hinten, fahren sie kontinuierlich nach vorn. Liegen sie gleich vorne, bleiben sie vorn. Sie rufen ihr Potential praktisch immer ab.

Triumphfahrt für den australischen 49er. © Marina Könitzer

Triumphfahrt auch für die neuseeländischen 49er. © Marina Könitzer

Die Gerüchte um Vorteile beim Material entkräftet der Steuermann. „Wir haben Boote von allen drei Herstellern getestet und konnten so gut wie keine Unterschiede feststellen.“ Dort lägen auch keine Nachteile der Gegner begraben. Also hätten sie theoretisch auch mit dem Setup der Konkurrenz gewonnen? „Klar“, sagt Outteridge, „vielleicht nicht so hoch, aber ohne Frage.“

Aber auch die Überflieger hatten ihre Rückschläge. Im legendären Medaillenrennen von Qingdao, als Pit und Hannes Peckolt im Starkwind sensationell Bronze holten, überschlugen sich die Australier schwer und mussten alle Medaillenhoffnungen begraben. Nachdem ihnen das in Weymouth kurz vor dem Ziel auch einmal passierte, brachte ihnen ein Unterstützer am nächsten Tag symbolisch Taucherbrille und Schnorchel mit. Outteridge und Jensen gar nicht verlegen, trugen die Maske beim Auslaufen zur Regattabahn.

Bronze für Dänemark in einem knappen Medalrace. © Marina Könitzer

Bronze für Dänemark in einem knappen Medalrace. © Marina Könitzer

Dabei grenzt es fast an ein Wunder, dass Nathan Outteridge aus der kippeligen Gleitjolle behände wie eine Raubkatze von einem Wing auf den anderen springt. Vor Jahren lag er nach einem Autounfall mit schweren Rückenverletzungen sechs Monate im Krankenhaus und musste praktisch wieder gehen lernen. Nun freuen sie sich auf Zuhause, auf Wangi Wangi. Das ist exakt 17.161 Kilometer vom „Cove“ entfernt, zeigt ein Schild am Pub nach Südosten, und wartet schon auf seine Helden. Auch da werden sie tüchtig feiern und vermutlich einen Tag später wieder segeln gehen. Rio 2016 ruft.

So sieht eine Bronzemedaille aus. © Marina Könitzer

So sieht eine Bronzemedaille aus. © Marina Könitzer

Erst am Ende der letzten Medalrace Kreuz schiebt sich Dänemark in der Gesamtwertung vor die Österreicher, die das Finale gewinnen. © Marina Könitzer

Erst am Ende der letzten Medalrace Kreuz schiebt sich Dänemark in der Gesamtwertung vor die Österreicher, die das Finale gewinnen. © Marina Könitzer

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