Olympia 2012: Moana Delle rutscht auf Platz 5 – Analyse

"Die Spiele waren trotzdem großartig"

Der enttäuschende Zieleinlauf von Moana Delle. So viel fehlte dann doch nicht

Der enttäuschende Zieleinlauf von Moana Delle. So viel fehlte dann doch nicht

Eine halbe Stunde nach dem enttäuschenden Finale kann sie schon wieder lachen, beglückwünscht die Polin Zofia Noceti-Klepacka mit herzlicher Umarmung zu Bronze. 22 Sekunden hatten Moana Delle im Ziel gefehlt, um ihrerseits den heißbegehrten Platz auf dem Treppchen zu erobern. Ganze drei Sekunden länger klaffte die bittere Lücke zu Silber, das Tuuli Petaja aus Finnland gewann.

Das Sommermärchen von Sydney 2000, wo Amelie Lux sensationell Zweite geworden war, wiederholte sich nicht. „Es ist natürlich schade, einen so guten Wettkampf mit einem schlechten Ende abzuschließen“, sagte die 23-Jährige gefasst, „aber die Spiele waren trotzdem großartig.“

Als die Olympiasiegerin Marina Neira Alabau von ihren Landsleuten wie ein Torero nach gewonnenem Stierkampf auf dem RS:X-Surfbrett stehend übers Hafenvorfeld von Weymouth getragen wird, freut sich Moana Delle mit.

Moana Delle verpasste die mögliche Medaille im Medalrace nach einer starken Woche. © Marina Könitzer

Moana Delle verpasste die mögliche Medaille im Medalrace nach einer starken Woche. © Marina Könitzer

Die Spanierin siegte mit 20 Punkten Vorsprung und gewann auch das Medalrace. „Marina lag beim Start im Luv von mir und hat mich gleich überfahren“, erklärte die blonde Kielerin, auch die Finnin und die Italienerin Sensini surften vorbei. „Dann bin ich weggewendet und zu lange nach rechts gefahren, da war dann leider weniger Wind.“

Nur als Zehnte rundete das Segelzeichen „GER“ die erste Luvtonne. „Sie wäre besser links beim Pulk geblieben und hätte die Ersten nicht gleich so weit wegfahren lassen“, analysierte Trainer Pierre Loquet, „vom Speed her gab es kein Problem. Aber so war nach der Startkreuz schon zu viel verloren.“

Moana Delle tänzelt auf ihrem Brett. © Marina Könitzer

Moana Delle tänzelt auf ihrem Brett. © Marina Könitzer

Moana Delle, die vor dem Medalrace ihr Schwert ausgetauscht hatte, um am Wind die Höhe der anderen wieder halten zu können, kämpfte, riskierte und sammelte vier Gegnerinnen ein. „Ich habe zwischendurch sogar aufs Gleiten umgestellt, während die anderen mit Schwertern runter kreuzten, aber es hat nicht genug gebracht.“

Sowohl die Finnin als auch die Polin verteidigten ihre Medaillenplätze mit defensiver Taktik konsequent und hielten sowohl die Deutsche als auch Lee-Ei Korsiz auf Distanz. Die Israelitin rutschte aus den Medaillenrängen auf sechs zurück.

Start zum Medalrace. Die Olympiasiegerin Alabau rast in Luv über Moana Delle und macht aus einem ordentlichen Start einen schlechten. © Marina Könitzer

Start zum Medalrace. Die Olympiasiegerin Alabau rast in Luv über Moana Delle und macht aus einem ordentlichen Start einen schlechten. © Marina Könitzer

Die übergroßen Olympischen Ringe an der Hafenausfahrt wird sie die nächsten Tage vermissen, mit denen war Moana Delle schon auf Du und Du. „Unterm Strich bin ich sehr zufrieden, obwohl eine Sensation natürlich schöner gewesen wäre“, wurde die jüngste Athletin im deutschen Team doch etwas wehmütig.

Denn nach Stand der Dinge ging in Weymouth ein Lebensabschnitt für sie zu Ende, solange das RS:X-Brett nicht wieder ins Olympiaprogramm für Rio de Janeiro in Brasilien aufgenommen wird. Delle: „Kippt die ISAF ihre eigene Fehlentscheidung im November doch noch, will ich 2016 auf dem Leichtwindrevier auf jeden Fall wieder dabei sein. Dann wäre ich endlich auch alt genug und mit der Erfahrung der Allerbesten ausgestattet.“

Moana Delle kann auch nach dem unglücklichen Medalrace schnell wieder lachen. © Marina Könitzer

Moana Delle kann auch nach dem unglücklichen Medalrace schnell wieder lachen. © Marina Könitzer

Über einen Klassenwechsel hat die eingefleischte Windsurferin noch nicht ernsthaft nachgedacht. Ins neue 49er-FX-Skiff der Frauen oder in eine Mixedcrew auf den Nacra 17-Katamaran könnte sie umsteigen. „Habe ich überhaupt die körperlichen Voraussetzungen dazu?“, fragt Moana Delle ehrlich und sagt unbekümmert, „ein Boot kann ich aber gar nicht steuern.“

Kitesurfen wolle sie in jedem Fall mal ausprobieren, das hat sie als Zwölfjährige im Familienurlaub in Portugal zuletzt gemacht. Eines sei jedoch sicher: „Wenn ich wieder zu Hause in Kiel bin und ein frischer Ostwind weht, mache ich sofort das Brett klar und gehe in Heidkate surfen.“ Wie immer vor allem aus Spaß, ob olympisch oder nicht, ist Moana Delle völlig egal.

Die deutsche Surferin bei einer Halse. © Marina Könitzer

Die deutsche Surferin bei einer Halse. © Marina Könitzer

Die Spanier feiern ihre einzige Medaille im Segeln, die Surferin Alabau gewann.   © Marina Könitzer

Die Spanier feiern ihre einzige Medaille im Segeln, die Surferin Alabau gewann. © Marina Könitzer

Die Polen tragen ihre Silbermedaillen-Gewinnerin auf Händen. Die polnischen Männer holten auch noch Bronze.   © Marina Könitzer

Die Polen tragen ihre Silbermedaillen-Gewinnerin auf Händen. Die polnischen Männer holten auch noch Bronze. © Marina Könitzer

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4 Kommentare zu „Olympia 2012: Moana Delle rutscht auf Platz 5 – Analyse“

  1. avatar Manfred sagt:

    Guter Bericht. Den Surfern und allen anderen deutschen Seglern mein Glückwunsch für eine, im Rahmen, erfolgreiche Teilnahme. Es wurde guter Sport geboten, am Ende bei Star und Laser M sogar hervorragender Sport. Auch Moana Delles Aufholjagd war nicht von schlechten Eltern. Leid tat mir die Ukrainerin. Führt mit sehr gutem Vorsprung um den auf der letzten Vorm-Wind zu verlieren. Nicht rechtzeitig nach rechts gefahren, wo die Spanierin am gleiten war oder müde vom pumpen und segeln ohne Trapez? Carsten hier ist Deine Anaylyse nochmal gefragt.

    Mich hat diese Bildunterschrift heute ein wenig stutzen lassen:
    “”Die Spanier feiern ihre einzige Medaille im Segeln, die Surferin Alabau gewann.””

    Spanien (6. im Medaillenspiegel over the years) war einst Hochkultur im Olympischen Segeln , sowie Dänemark (5) und Frankreich (4) Norwegen auf 3 und dann USA und England weit vorne. Die Briten werden ihre Position weiter ausbauen. Die Amerikaner gehen leer (!) nach Hause, so wie voraussichtlich auch unsere Mannschaft (SR Analyse). Liegt das an den zunehmenden One-Design-Klassen, die gestellt werden, wie Doppel Laser, Doppel RX-Windsurf, wo Nationen mit Hochtechnologie (grins) sich keinen Vorteil mehr verschaffen können und es alleine auf den Einsatz des Athleten ankommt oder gibt es andere Ursachen?

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    • avatar Wikileaks sagt:

      Hm…

      …Spanien und Deutschland haben (schon seit etlichen Jahren) Eines gemeinsam:

      Unfähige, bornierte, vermutlich in mindestens einem Fall auch korrupte Verbandsfunktionäre.

      (Jetzt bin ich aber mal auf die Reaktionen hier gespannt 😉 )

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      • Total unangebracht sowas hier…….
        ohne Hintergrundwissen einfach drauf losschreiben.
        Da freut es einen ja dass surfen weiter olympisch bleibt

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 9

        • avatar Wikileaks sagt:

          Weshalb nimmst Du an, dass es ohne Hintergrundwissen geschrieben wurde???

          Ich kenne genug Segler in Spanien, um zu wissen, wovon ich schreibe…

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