Olympia Rio: Philipp Buhl muss beim Medaillenrennen der Laser zuschauen.

Die Latte lag zu hoch

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Es war mega enttäuschend, sagt Buhl nach dem verpassten Einzug ins Medal Race © sailing energy

Buhl verpasste den Sprung unter die besten Zehn klar. „Es ist nicht zu glauben – nur Vierzehnter,“ sagt er enttäuscht.

Fassungslos starrte Philipp Buhl für einen Moment in den roten Abendhimmel von Rio de Janeiro und hielt inne. Es dämmerte ihm, er hatte jetzt die wichtigste Regatta seiner noch jungen Segelkarriere endgültig verhauen. Der Medaillentraum war genau genommen schon vorher geplatzt. Aber der Finaleinzug sollte zumindest noch gelingen. Doch der Vizeweltmeister und -europameister von 2015 gehörte bei den Olympischen Spielen nicht zu den Top Ten. Buhl: „Das ist alles in allem zunächst einmal mega-enttäuschend.“

Mit einem Tagessieg hatte er am Vortag einmal sein Können aufblitzen lassen. Am Sonnabend wurde er 34. und 17. Viel zu wenig, um das Minimalziel zu erreichen. 18 Punkte fehlten auf Rang zehn. Der ganze Wettkampf sei ausgesprochen mäßig verlaufen; von Beginn an kam der hoch gehandelte Mitfavorit nicht in Schwung. „Eine Zeit lang kannst du dir noch einreden, das wird schon noch, aber spätestens nach dem dritten Tag zeichnete sich schon ab, dass die Latte zu hoch lag“, so der 26-Jährige.

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Papa Buhl, einer der wichtigsten, wenn nicht sogar DER Berater des deutschen Laser-Olympioniken, hat keine Akkreditierung und muss seinen Sohn vor den Toren von Olympia auf einem Parkplatz coachen © kling

Auch der Schlusstag war wieder beispielhaft. Buhl hatte eine gute Lücke an der Startlinie gefunden, zog aber erneut einen Tick zu spät an.

Alles oder nichts

„Ich weiß auch nicht, warum mir da den Mut gefehlt hat“, fragt der Geschlagene, „es ging ja um alles oder nichts.“ Zwischendurch war der Wahl-Kieler so weit hinten, dass „ich keinen Bock mehr hatte und nur noch nach Hause wollte.“ Jetzt könne er besser verstehen, was Simon Grotelüschen vor vier Jahren durchgemacht habe, der ebenfalls als Medaillenkandidat nur Sechster wurde.

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Irgendwann hatte er keine Lust mehr und wollte nur noch nach Hause © sailing energy

„Das ist doch alles Kopfsache, obwohl ich nicht besonders nervös war“, analysiert Philipp Buhl, dass er vielleicht viel zu viel im Kopf gehabt habe manchmal und zu wenig Intuition. Wenn es nicht laufe, sinke zudem der Level des Selbstbewusstseins. Dass er in Rio nie performt habe zuvor, war ihm bewusst. „Genau das war die Herausforderung, es ausgerechnet beim Zielwettkampf umzudrehen.“ Es misslang. Nach dem Testevent im vorigen Jahr wurde es das schlechteste Regattaergebnis seit Jahren. An den Bedingungen auf dem schwierigen Revier habe es nicht gelegen, so der geborene Immenstädter, „Rio hat sich in dieser Woche von seiner besten Seite gezeigt.“

Alles richtig gemacht in der Vorbereitung?

Nur er, den auch die internationale Fachwelt in einem Atemzug mit Tom Burton (Australien), Nick Thompson (Großbritannien) und sogar dem legendären Robert Scheidt aus Brasilien genannt hatten als Anwärter auf Edelmetall, habe es schlicht nicht umsetzen können. Ein schwacher Trost, dass es ausgerechnet Scheidt genauso erwischte. Der 43-Jährige muss am Montag um seine sechste Olympiamedaille bangen mit der er endgültig als erfolgreichster Segler aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen würde. Den führenden Kroaten Tonci Stipanovic kann Scheidt schon nicht mehr einholen. Auch „Silber“ ist vom Tisch.

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Und ganz hinten segnet der Erlöser. Der zumindest für Buhl keiner war… © sailing energy

„Das ist sicher noch bitterer für ihn als meine Situation für mich“, meinte Philipp Buhl, „aber ich muss mich auch fragen, ob ich überhaupt das Potential habe, meine Leistung auf den Punkt bringen zu können.“ Schließlich habe er heute noch das Gefühl, in der Vorbereitung alles richtig gemacht zu haben. „Es tut mir auch so leid für all’ die Unterstützer neben mir – von meinem Vater über die Sponsoren bis zu den vielen Fans. Schuld aber bin ganz allein ich“, ging der Sportsoldat mit sich hart ins Gericht. Und einen Gedanken an Tokio 2020 wollte Buhl am Abend seiner größten Niederlage schon gar nicht verschwenden. Zum Glück für den deutschen Segelsport wird über solche Entscheidungen ja auch erst noch mehr als eine Nacht geschlafen.

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Ein Kommentar „Olympia Rio: Philipp Buhl muss beim Medaillenrennen der Laser zuschauen.“

  1. avatar Alex Morgenstern sagt:

    Ok, schlechter Zeitpunkt ,aber das ist jedem von uns schon mal passiert….
    Also Mund abwischen und weitermachen!

    Go Buhli ….

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 5

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