Olympische Spiele 2021: Wer fährt nach Japan? – Wird die Qualifikation neu gesegelt?

Schwierige Planung

Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr stellt sich für viele Sportler die Frage, ob die bisherigen Qualifikationsergebnisse bestehen bleiben. IOC und DSV haben sich geäußert.

Die 470er WM vor Palma wurde abgesagt © 470 er klasse

“Es ist klar, dass diejenigen Athleten, die sich für die Olympischen Spiele Tokio 2020 qualifiziert haben, weiterhin qualifiziert sind”, gab Thomas Bach per Twitter bekannt. Damit ist vielen Sportlern ein Stein vom Herzen gefallen, die ihre Teilnahmekriterien schon erfüllt haben. 6.270 von 11.000 Startplätze (57 Prozent) sind also schon vergeben.

Während zum Beispiel die Kriterien von Schwimmern oder Leichtathleten an die Erfüllung von Richtzeiten gebunden sind, muss Bachs Quali-Garantie aber für den Segelsport nicht viel heißen. Denn die Tickets werden an Nationen und nicht an Einzelsportler vergeben.

Das heißt, Segler, die eine Qualifikation für ihr Land ersegelt haben, sind nicht unbedingt diejenigen, die auch in Japan starten dürfen. So erging es zum Beispiel Tim Fischer und Fabian Graf, die mit WM-Bronze 2018 das 49er-Ticket für Deutschland holten, aber die interne Qualifikation klar gegen Erik Heil und Thomas Plößel verloren.

Finale Entscheidung steht aus

So ist für die Segler eher die Entscheidung der nationalen Verbände wichtig, wie sie mit der Qualifikation umgehen. In den USA wurden schon Stimmen laut, die ein erneutes Aussegeln ihrer Plätze befürworten. Das mag unfair erscheinen, mag aber sportlich Sinn ergeben. Schließlich könnten Verbände die zusätzliche Zeit nutzen wollen, um in einem Jahr tatsächlich die formstärksten Athleten schicken zu können. 

Der DSV vermeldet dazu, dass zu dem Thema Verbände und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam über die Anpassung der nationalen Qualifikationskriterien beraten. Die finale Entscheidung über die Anpassungen der sportartspezifischen Qualifikationskriterien erfolge dann im Rahmen einer Vorstandssitzung des DOSB.

Die derzeitigen Überlegungen sehen aus wie folgt: 
“Die Ergebnisse, der bisher ausgetragenen Qualifikationsevents im Rahmen der nationalen Qualifikation bleiben bestehen und gehen weiterhin in die DSV-Wertung ein. Für die Events, die bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Verschiebung noch nicht stattgefunden haben oder abgesagt wurden, werden – sofern möglich – in allen Disziplinen alternative Events benannt. Diese müssen international hochwertige Events sein.”

Darauf warten insbesondere die 470er-Frauen, die schon einen Nationen-Platz gesichert aber ihre dreiteilige interne Qualifikation noch nicht gestartet haben.

Schwierige Budget-Verhandlungen

Aber für alle Segler ist die Planung schwierig. Schließlich ist auch die individuelle Lebensplanung eines Seglers normalerweise selten darauf vorbereitet, sich ein weiteres Jahr in den zeitraubenden Qualifikationsmodus zu begeben. Sponsorverträge werden maximal im vierjährigen Rhythmus abgeschlossen. Und dieser Tage dürften Budget-Gespräche mit potenziellen Geldgebern nicht gerade sehr erfreulich verlaufen.

Susann Beucke und Tina Lutz (.) liegen nach zwei Regatten in der 49erFX Quali vorne. © tina-sanni-sailing

Auch die Förderung des DSV war prinzipiell erst einmal bis zu den Spielen 2020 geplant. Bei den 470er Männern sollten die Kadergelder nach dem entscheidenden Genua-Weltcup im April auslaufen.

Tina Lutz und Susann Beucke, die nach zwei von drei Qualifikationsregatten in der 49erFX Klasse vorne liegen, dürften also ihren Vorsprung vor der noch nicht bekannten Entscheidungsregatta behalten. Dennoch ist es ein echter Kraftakt, das nächste Jahr zu organisieren.

Sie schreiben in einem Post: “Wir können nur realisieren, dass wir plötzlich ein weiteres Jahr Segelzeit gewinnen, aber auch ein Jahr für unsere persönlichen Ziele, wie Studium, Familie usw. verlieren. Unsere Aufgabe für die nächsten Tage wird es sein, das alles in einem neuen, soliden Programm umzusetzen.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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