Olympisches Segeln: DSV-Flotte liegt in Weltrangliste noch hinten. Nur Polgar/Koy auf Platz 3

Wo steht Deutschland im vorolympischen Jahr?

Polgar/Koy vor Perth. Das deutsche Starboot-Team liegt auf Platz drei der Weltrangliste. © Kadelbach/Spalteholz

Der erste europäische Weltcup in der vorolympischen Saison steht vor der Tür. Bei der 42. Trofeo SAR Princesa Sofia Mapfre werden die Karten für die Saison 2011 gemischt.  Aber wo steht Deutschland im vorolympischen Jahr? Die kürzlich veröffentlichte Weltrangliste verheißt nichts Gutes. Selten war die DSV-Flotte so schlecht in der Welt positioniert.

Starboot Europameister Johannes Polgar und Markus Koy belegen als Dritte den einzigen Podiumsplatz. Nach dieser Wertung liegt Deutschland unter anderem mit Weißrussland auf dem 14. Platz in der Nationenwertung.

Top Drei Platzierungen in der Weltrangliste. Spanien und England liegen vorne. Für Deutschland punkten Polgar/Koy. © ISAF

Auf Top Ten Platzierungen kommen noch die Star-Kollegen Johannes Babendererde/Timo Jacobs (7.) und Alexander Schlonski/Matthias Bohn (10.) sowie Lasersegler Philipp Buhl (9.). In den übrigen Klassen liegen die deutschen Segler eher auf Lauerstellung.

Es ist eine ungewohnte Position für die DSV-Flotte. In den vergangenen Olympia-Zyklen glänzten die Aktiven mit Top-Positionen in der Rangliste, und erfüllten dann die Hoffnungen bei den Spielen nicht. Ein gutes Omen also?

Die Bedeutung der Rangliste, in die acht Wettkämpfe eingehen, ist umstritten, da nicht alle Segler bei den teuren Übersee-Regatten punkten können. Gute Plätze dort zählen eher für die Außendarstellung. Die Olympiasegler werden immer noch mehr an EM- , WM- und schließlich Olympia-Medaillen gemessen. Aber das Welt-Klassement ist ein Indiz für die derzeitige Leistungsstärke der Flotte.

Es bestätigt die Befürchtung, dass der Aderlass nach den vergangenen Spielen in Peking schmerzhaft werden würde. Nach dem Ausstieg von Leistungsträgern wie den Medaillengewinnern Pit und Hannes Peckolt im 49er, Rothweiler/Kussatz (470er F), Ulrike Schümann (Yngling), Marc Pickel/Ingo Borkowski (Star) und dem Umstieg von Johannes Polgar vom Tornado in den Star war es klar, dass die Youngster es schwer haben würden, in die Fußstapfen der Etablierten zu treten.

Schoten dicht und drüber. Britische Nachwuchs 470er Segler zeigen einen anmutigen Sprung über die Palma-Brecher. © Team GBR

Das Audi Sailing Team Germany versucht, diesen Prozess zu beschleunigen. Und die Weltrangliste zeigt, wie nötig eine Neuordnung im deutschen Olympischen Segelsport ist. Aber es wäre eine große Überraschung, wenn der Effekt so schnell spürbar wäre.

Dennoch gibt es Hoffnung. Immerhin haben sich einige Nachwuchssegler an die Weltspitze herangeschoben. Die Surfer ließen 2010 mit erstaunlichen WM-Platzierungen aufhorchen, das Comeback von Kathrin Kadelbach im 470er verlief ebenso positiv wie die Entwicklung der nachfolgenden jungen Teams wie Tina Lutz und Susann Beucke. Die 49er haben so viele Teams auf Weltklasse-Niveau wie nie. Und auch das Match Race Team um Silke Hahlbrock kann ganz vorne mitspielen, wenn alles passt.

Das Potenzial ist groß. Alle haben im Winter intensiv trainiert. Und einigen mag der Durchbruch im vorolympischen Jahr gelingen. Aber es wird hart, wieder den Anschluss an die Medaillenränge zu bekommen. Die Konkurrenz arbeitet immer professioneller.

Immerhin ist die Olympia Qualifikation vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) im Vergleich zu früheren Jahren deutlich entschärft worden. Ein 15. Platz bei einer der drei Quali-Regatten und Platz zehn in der Nationenwertung reichen aus, um die DOSB Norm zu erfüllen. An dieser Hürde sind sonst bei vergangenen Spielen viele aussichtsreiche deutsche Segler gescheitert.

Die Quali-Regatten sind:

1.   ISAF Sailing World Cup Sail for Gold (Weymouth, 5. bis 11. Juni 2011)

2.   ISAF Sailing World Cup Kieler Woche (Kiel, 18. bis 26. Juni 2011)

3.   ISAF Weltmeisterschaft (Perth, 3. bis 18. Dezember 2011)

Der Fokus liegt also in diesem Jahr mehr auf der internen Qualifikation, obwohl auch die Nationenqualifikation erfüllt werden muss. Das heißt, die Klasse muss sich noch einen Startplatz für das Land ersegeln. Dabei ist es egal, wer das Kriterium erfüllt. Der Olympiastarter muss sich bei den Quali-Rennen gegen die nationale Konkurrenz durchsetzen.

Die weiteren besten deutschen Segler in der Weltrangliste:

11.            Lennart Briesenick-Pudenz/Morten Massmann (49er)
13.            Silke Hahlbrock/Maren Hahlbrock/Kerstin Schult (Match Race)
13.            Tina Lutz Susann Beucke (470er F)
14.            Moana Delle (Surfer W)
15.            Lucas Zellmer/ Heiko Seelig  (470er M)
17.            Toni Wilhelm (Surfer M)
23.            Jan Kurfeld (Finn)
23.            Franziska Goltz (Laser F)

Die DSV-Pressemitteilung gibt einen Ausblick auf die Regatta in Mallorca, die Olympia-Qualifikation in der Saison 2011 und die anstehende Entscheidung im Hinblick auf die Wahl der Olympiaklassen für 2016.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Olympisches Segeln: DSV-Flotte liegt in Weltrangliste noch hinten. Nur Polgar/Koy auf Platz 3“

  1. avatar bläck sagt:

    guter beitrag, danke.

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  2. avatar Mark sagt:

    Schöner Beitrag, aber Palma ist nach Melbourne und Miami der 3. Weltcup…

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