Optimist-Team Cup: USA gewinnt in Berlin – Vier-gegen-vier-Duelle von 13 Nationen

Trickreiche Youngster

Seit 29 Jahren treffen sich an diesem Wochenende Optisegler bei kaltem Wetter am Wannsee zum Internationalen Opti Team Cup. 16 Teams aus 13 Nationen waren am Start. Die USA blieb ungeschlagen.

Berlin, am letzten Oktoberwochenende. Seit 29 Jahren treffen sich an diesem Wochenende Optisegler bei Minus- bis niedrigen Plusgraden am Wannsee zum Internationalen Opti Team Cup. Optisegler aus aller Welt, die gemeinsam frierend ihre Wettkämpfe ausfahren. Die auf dem Wasser und an Land internationale Freundschaften schließen. Die eine lange oder kurze Anreise hatten. Aber vor allem Optisegler, die Spaß daran haben, Teamwork zu zelebrieren und durch kleine Tricks andere Team zu schlagen.

Optimist Team Race

Gedränge an der Startlinie. Es wird vier-gegen-vier gesegelt. © Hans Glawe

2016 zeigt sich freundlich. Berlin gibt sich alle Mühe, im früh hereingebrochenen Herbst noch ein bisschen Sonne zu finden. Mit Erfolg. Doch nicht nur das: bei Sonnenschein und Tockenanzuggeprägten aber doch wohlig warmen, Jahreszeituntypischen 12°C sorgten konstante 3-4 Windstärken für die perfekte Unterstützung von Rasmus.

Samstag früh. Die letzten Teams sind  spät in der Nacht angekommen. Fast alle Segler wohnen bei Gastfamilien des Potsdamer Yacht Club. Und so stehen die Berliner Gastgeschwister etwas bedröppelt ob der frühen Tageszeit zwischen eifrig wuselnden, hochprofessionell agierenden Optiseglern aus 13 Nationen.

Spannung in der Luft

Segel werden überprüft, nachgetrimmt, neugebändselt. Boote noch einmal gesäubert, Kinderkörper schön warm eingepackt. Die Eröffnungszeremonie wirkt spontan, abgehackt. Vor lauter Aufregung wird nicht besonders viel (um genau zu sein: gar nicht) über den Kurs oder die Schiedsrichter gesprochen, stattdessen wird ein „OTC-Opti Team Cup“ Aufwachschrei eingeübt. Die Teams müssen dann wie immer zum Teamfoto.

Optimist Team Race

Ein Amerikaner nimmt sich die Schwedin vor. © Hans Glawe

Niemand beschwert sich. Schon nach wenigen Minuten verschwinden die ersten Segler wieder, um ihre Boote in Pole-Position an die Rampe zu bringen und noch ein letztes Wort mit dem Coach an Land zu wechseln. Spannung liegt in der Luft.

Der Opti Team Cup ist keine offizielle Meisterschaft und doch wird er in vielen Ländern so gehandelt. Auf dem Wasser segeln jetzt immer vier Boote eines Teams gegen vier Boote eines anderen Teams. Die Einzelergebnisse werden zusammengerechnet und das Team mit der geringeren Summe gewinnt. Besteht Gleichstand, verliert das Team, welches den ersten Einzel-Platz belegt hat.

Komischer Kurs

Die 18 Teams segeln auf zwei verschiedenen Kursen auf dem Wannsee einmal gegen jedes andere Team. Der Kurs ist außergewöhnlich: nach der Tonne 1 geht es halbwind zur 2, dann vor dem Wind zur 3 und dann, ohne großartige Kursänderung, weiter zur 4. Von hier folgt eine letzte Kreuz ins Ziel. Wie immer im Teamrace geht es rechtsherum, eine Umgewöhnung für fleetrace-versierte Opti-Segler.

Optimist Team-Race Kurs in Berlin.

Optimist Team-Race Kurs in Berlin.

Schon früh geben sich die Favoriten zu erkennen. Schweden, Deutschland, USA und England fahren viele Siege ein. Doch es kann noch so viel passieren. Nur ein Team hat sich nicht ausreichend über das Niveau dieser hochkarätigen Regatta informiert: schon beim ersten Start schafften es nur zwei Boote von Team Türkei-2 rechtzeitig zur Linie.

Nach dem ersten Tag ist jedes Team 13 Rennen gefahren und als klarer Tagessieger steht das Team USA ungeschlagen ganz oben auf dem Leaderboard. Nach einer Portion Nudeln begeben sich die Optisegler wieder in die Hände ihrer Gastfamilien und verabschieden sich in die Nacht.

USA und Schweden im Finale

Am Sonntag frischt der Wind noch etwas auf, die Sonne hingegen bleibt. Es stehen noch 4 Rennen für jedes Team an und die Finals. Bei anspruchsvollen 4 Windstärken qualifizieren sich Team USA und Team Schweden für das große Finale, sowie Team Germany und Polen für das kleine Finale.

Optimist Team Race

Ausbremsen des Gegners im Finale. © Hans Glawe

Für Deutschland hatten sich die Gewinner des Joersfelder Opti-Quartetts qualifiziert. Kristian Lenkmann, Florian Krauß, Jonathan Steidle, Leonardo Honold und Maximilian Korner werden vom diesjährigen Opti-WM-Trainer Carsten Mügge trainiert. Er selbst war einst Trainer im Potsdamer Yacht Club Berlin und hat so eine Menge Erfahrung mit dem Opti Team Cup.

Beim großen Finale präsentieren die Amerikaner ihre überlegenen Fähigkeiten. Auf den Zuschauerbooten mag man seinen Augen kaum trauen, als die Segler des Lauderdale Yacht Club einen hochkarätigen Teamrace-Trick nach dem anderen aus dem Hut zaubern.

Selbst als sie mit den Plätzen 1 bis 4 in Führung liegen, bremst der viert-Platzierte noch ab und behindert das gesamte Team Schweden so maßgeblich, dass die Entscheidung fällt. Seine Teamkollegen liegen einen halben Schenkel weit vorne.

Danach sieht man, wie er vom Teamrace- auf den Speed-Modus umschaltet und mit geschickt ausgesegelten Wellen wieder Anschluss an sein Team gewinnt. Das gegnerische Team hat echte Schwierigkeiten da mitzuhalten.

Deutschland im kleinen Finale

Im kleinen Finale geht es deutlich enger zu, das erste Rennen gewinnt Polen auf der Zielkreuz knapp gegen Deutschland, das zweite geht ebenso knapp an Schwarzrotgold. Im letzten Rennen muss die Entscheidung fallen.

Optimist Team Race

Anweisung für die Teamkollegen. © Hans Glawe

In Zweikämpfe verstrickt, Hinweise brüllend, Protest rufend treiben schließlich beide Teams als ineinander verkeiltes Paket über die Ziellinie. Aber niemand freut sich. Eine Entscheidung der Schiedsrichter auf dem Wasser steht noch aus. Die Kinder stehen unter Strom. Wer hat denn nun gewonnen?

Der Schiedsrichter nimmt die Pfeife in den Mund, ein Pfiff ertönt. Und die rote Flagge zeigt auf ein deutsches Boot. Jubelschreie der polnischen Segler: dieser Straf-Kringel für Deutschland bedeutet den dritten Gesamtplatz für Polen.

“Feiert doch mal!”

Nach dem ersten gewonnenen Finallauf liegt Team USA auch im zweiten Lauf klar in Führung. Presseboote sammeln sich an der Ziellinie, bereit, die Freudenschreie der Segler aufzunehmen, Siegesgesten zu fotografieren.

Optimist Team Race

Die Sieger in Berlin. USA vor Schweden und Polen. © Hans Glawe

Doch die Segler des Team USA gehen über die Ziellinie mit Platz 1, 2, 3 und 4 und zu hören ist: nichts. Sie sind sehr gefasst. Nichts anderes als den Sieg hatten sie erwartet. Lächelnd segeln sie geschlossen zurück zu ihrem Trainer. Verwirrung auf den Pressebooten. Denken die Segler, sie müssten noch einen Finallauf segeln?

Gemeinsam kommen die fünf Boote (ein Ersatz) zurück zum Startschiff, bedanken sich bei der Wettfahrtleitung. Seite an Seite liegen sie da, strahlen, schweigen. „Celebrate!“ ruft eine Stimme vom Boot der Fotografen. “Feiert doch mal!” „Thank you“ erwidert einer der Segler schüchtern. Im Hintergrund taucht der Trainer auf. „What a beautiful day for a sail!“, ruft er.

Optimist Team Race

Kommunikation mit den Mitseglern ist wichtig. © Hans Glawe

Auf dem Podium stehen Justin Callahan, der immerhin Achte der Opti WM 2016 vor seinem Bruder Mitchell, WM-Teilnehmerin Isabella Casaretto, Joey Meagher und Connor Boland. Sie sehen immer noch etwas irritiert aus, doch strahlen sie mächtig stolz zu ihrem Fanclub aus Eltern und Freunden als traditionell die Nationalhymne erklingt.

Wie jedes Jahr ist die Stimmung nach der Siegerehrung sehr emotional. Optisegler des PYC verabschieden sich von ihren neu gewonnenen Freunden, die internationalen Teams machen sich zur Abreise bereit. Stolz werden die Teamfotos herumgezeigt. Fotos, die noch viele Jahre die Regale schmücken werden. Weil sie für Freundschaften und Erinnerungen stehen, die dieses Regal überleben werden. Und auch das nächste.

Ergebnisse Opti Team Cup 2016

Optimist Team Race

Starke Rollwende. © Hans Glawe

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