OSTAR Historie: Erste Yachten im Ziel – Niedergang eines Hochsee-Klassiker

"Mutter aller Transats" wirkt gebrechlich

Bei der Atlantik-Regatta OSTAR haben sich 2013 nur noch 17 Yachten auf den Weg von Plymouth/GBR nach Rhode Island/USA gemacht. Die ersten beiden sind im Ziel. Ein kurzer Lebenslauf der “Mutter aller Transats”.

OSTAR

Egal welches Boot, Hauptsache rüber. Und zwar schnell. OSTAR-Teilnehmer kurz nach dem Start © OSTAR

Wie es zur ersten STAR (Singlehanded-Trans-Atlantik-Race) kam, ist längst Legende: Die (späteren) Hochsee-Helden Blondie Hasler und Sir Francis Chichester wetteten 1960 um einen Halfpence, wer schneller den Atlantik überqueren würde. Chichester ging auf seiner Gipsy Moth III an den Start, eine fortschrittliche 30 Fuss-Yacht, Hasler auf seiner skurillen, aber hochseeerprobten Jester, ein Folkeboot mit Dschunkenrigg und unverstagtem Mast.

Chichester gewann nach 40 Tagen mit 8 Tagen Vorsprung, auch weil er auf der von ihm gewählten südlichen Route von stabileren Windverhältnissen profitierte – Hasler hatte eine extrem nördliche Strecke (gegen vorherrschende Windrichtungen, aber kürzer) eingeschlagen, auf der er teilweise mit sehr schwierigen Wetterbedingungen zu kämpfen hatte. Drei weitere Teilnehmer beteiligten sich an diesem Abenteuer, wobei ausgerechnet der erfahrenere, der Franzose Jean Lacombe (mehrere Transats, für die damaligen Verhältnisse ein Profi) erst nach 74 Tagen  (!) in New York ankam.

Die Regatta schlug ein wie eine Bombe. Eine Einhand-Transatlantik-Überquerung auf einem Segelboot galt damals noch als aberwitziges Abenteuer – und dies nun auch noch im „Rennmodus“ zu zelebrieren, gegen die vorherrschenden Winde und Strömungen auf den eher nördlichen Routen… das schafften nur die „verrückten Briten“.

Doch es war ein Franzose, der mit STAR letztendlich Erfolgsgeschichte schrieb: Vier Jahre später, bei der zweiten Ausgabe der Transatlantik-Regatta, gewann ein gewisser Eric Tabarly (32) auf seiner 44-Fuss-Ketch Pen Duick IV in nur 27 Tagen und öffnete so auch den segelverliebten Franzosen den Zugang zu einer Regatta, die sogar in den französischen Medien über Jahrzehnte hinweg als das „Nonplusultra des Hochseeregattasports bezeichnet werden sollte“ – nicht zuletzt, weil die Franzosen dort dominant auftraten.

1976 waren bereits 125 Yachten am Start, wovon nur 73 das (mittlerweile verlegte) Ziel in Rhode Island ereichten. Wieder war es Tabarly, der als Sieger im Nebel vor der US-Ostküste auftauchte, nachdem er während der Regatta kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte – aus taktischen Gründen. Grund hierfür war Alain Colas, der mit seiner 72m langen Riesenyacht „Club Mediterranee“ meldete, aber auf Neufundland eine Rigg-Reparatur vornehmen musste und nur als zweiter Rhode Island erreichte.

Mura

Andrea Mura siegt als “Amateur” nach 17 Tagen © OSTAR

Frenchies dominieren

Tabarly, Poupon, Jeantot, Fauconnier und später Peyron, Bourgnon, Parlier sowie Florence Arthaud dominierten auf ihren teils monströsen Mehrrumpfboliden und auf dauergleitenden Open50 und 60-Monohulls die darauf folgenden STAR-Ausgaben. Medien aus aller Welt berichteten über haarsträubende Abenteuer auf hoher See: Von Kollisionen mit Walen, gekenterten Riesenkatamaranen und Konkurrenten, die selbstlos die Havarierten retteten, von brennenden Schiffen und vom Selbstmord verzweifelter Skipper, von tragischen Verlusten auf See und faszinierender Technik, die immer deutlicher über Sieg und Niederlage entschied.

Doch im gleichen Zeitraum, als die „Aufrüstung“ an der Spitze des Feldes teils gigantomanische Züge annahm, erlebte die STAR auch ihren Höhepunkt als Transat-Regatta für Amateure. Von meist über 100  Startern waren gut zwei Drittel ohne Sponsoren unterwegs, lebten ihren ganz persönlichen Traum von einer Teilnahme  bei einem der letzten großen Abenteuer, die auf unserem „blauen Planeten“ noch möglich waren. Eine Chance auf einen vorderen Rang bei dieser Regatta mussten die Amateure jedoch von vornherein abschreiben.

Nachdem die STAR 2000 von 24 IMOCA (!) und 7 ORMA-60-Mehrrumpfboliden dominiert worden war, die Engländerin Ellen MacArthur sensationell die IMOCA-Wertung nach 14 Tagen 23 Stunden gewann, entschieden die Organisatoren beim Royal Western Yacht Club of England, die Regatta aufzuteilen.

OSTAR, Langevin

Der Franzose Roger Langevin wird Zweiter auf der Branec IV © Langevin

2004 fiel der Startschuss zur ersten „Transat“ (Plymouth-Boston, nur für Profis) bei der 37 ORMA und IMOCA über die Linie bretterten. Ein Jahr später brachte die OSTAR (O steht für Original) 35 Schiffe an den Start, von denen jedoch nur 19 in Newport ankamen.

Endlich Deutscher vorne

2008 belegte Boris Hermann auf einer Class 40 einen hervorragenden zweiten Rang in seiner Kategorie – das bis dato beste Ergebnis, das jemals von einem deutschen Segler bei einer Einhand-Transatlantikregatta erzielt werden konnte.

Doch es wurde bald schon seltsam ruhig um die Profi-Transat. Immer weniger der bis dahin tonangebenden IMOCA- und Mehrrumpfboliden-Skipper fanden Sponsoren, und wenn, dann konzentrierte man sich lieber auf die mittlerweile medienwirksamer vermarktete Vendée Globe oder die Route du Rhum. Die Ausgabe The Transat 2012 musste schließlich mangels Teilnehmer abgesagt werden, für 2016 ist allerdings eine Neuauflage mit IMOCA, Mehrrumpfern und Class 40 geplant.

Auch die OSTAR bereitete den Veranstaltern mehr und mehr Sorgen. 2009 starteten nur 31 Boote in vier Klassen, nachdem 67 Boote gemeldet hatten, aber wegen der Wirtschaftskrise letztendlich auf eine Teilnahme verzichteten. Unter den Teilnehmern war übrigens SR-Unterstützer Uwe Röttgering als einziger Deutscher Teilnehmer auf seiner Alu-Weltumseglungsyacht Fanfan.

Nur noch 17 Yachten beim OSTAR

In diesem Jahr schien man den abgedroschenen Spruch „zurück zu den Wurzeln“ allzu ernst genommen zu haben. Nur 17 Starter bei der OSTAR katapulitert die legendäre Einhand-Transatlantik-Regatta wieder auf den Teilnehmerstand von 1964 zurück. Dass Andrea Mura mit seinem Open 60 Einrumpfer „Vento di Sardegna“ nach 17 Tagen und 11 Stunden souverän gewonnen hat, mag dabei vielen seltsam erscheinen und sorgt bereits für Verwirrung in der (spärlichen) Presse: Kann man so ein Schiff noch als Amateur bedienen?

Andrea kann, behauptet der Italiener. Es seien ausschließlich gute Freunde, die ihm beim Bootsaufbau, -unterhalt und Training übers Jahr helfen. Einen Tag später erreicht Roger Langevin auf Branec IV die Ziellinie – ein 53-Fuss-Trimaran,  dem man ebenfalls den Amateurstatus nur schlecht abnehmen kann.

Nördliche Route, gegen Wind und Strömungen © OSTAR

Alle anderen Yachten und Skipper sind noch unterwegs und können per Tracker verfolgt werden.

In der Hochsee-Regattaszene stellen sich mittlerweile viele die Frage, ob sich OSTAR oder The Transat jemals von diesem Teilnehmerschwund erholen werden. Beobachter behaupten, angesichts sehr professionell organisierter Konkurrenz auf der ganzen Welt habe „The Transat“ kaum noch Chancen, genügend Profi-Skipper an den Start zu bekommen. Doch für die OSTAR wird genau deswegen ein Schimmer am Horizont ausgemacht: Vielleicht schafft es ja „das Original“, die „Mutter aller Transats“ mit einem Besinnen auf alte Werte wieder nach vorne. Jedenfalls wäre unsere Segelwelt ohne diesen Regattaklassiker erheblich ärmer.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „OSTAR Historie: Erste Yachten im Ziel – Niedergang eines Hochsee-Klassiker“

  1. avatar enzo sagt:

    Es ist nicht zu vergessen, dass das OSTAR in der jetzigen Form gute Einhandsegler, denen das Abenteuer wichtiger ist als der Sieg, auf ihren meist kleinen und individualisierten ‘Fahrtenjachten’ anzieht. Natürlich ist das aber nicht sehr medienwirksam. Ich hoffe dennoch sehr, dass sich das OSTAR diese ‘Nische’ erhält; und nicht zu den Sternen greifen will.
    Zu empfehlen übrigens den Homemade-Film OUT THERE von Jaz Nanini (der Bruder von Marco Nanini der sich in der Class40-Szene etabliert hat) über das OSTAR2009 (Auch Uwe Röttgering wird ein paar mal eingeblendet;-).
    Hier der Link zum Trailer:

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