Porträt Björn Freels. SR besucht Stausee-Segler, der beim Mini Transat startet

Wann sonst, wenn nicht jetzt?

Björn Freels sucht mit SR seine Wurzeln am Happacher Stausee bei Nürnberg. © Michael Kunst

Björn Freels wird im Herbst auf seiner Pogo 2 „Rikki Tikki“ am Mini-Transat teilnehmen. Die Geschichte eines Binnenseglers, der einfach Segel setzte, statt lange davon zu träumen…

Raus aus Nürnberg, zwei Autobahnen rechts, drei links, 4te Ausfahrt und ein paar Minuten später stehe ich mit Björn Freels vor dem Happacher Stausee mit den imposanten Ausmaßen einiger nebeneinander platzierter 50-m-Schwimmbecken. Hier hat alles angefangen.

Umgeben von reichlich Hügeln ist das Gewässerchen von der winddrehenden Sorte. „Es kann durchaus passieren, dass sich die Regattasegler unter Spinnaker entgegen kommen“, erzählt Freels.

Freels letzter 420er. Hier hing er mit 15 Jahren am Draht. Nun geht es über den großen Teich. © Michael Kunst

Regatta? Tatsächlich, da hinten duckt sich ein kleiner Segelclub. Freels wird rührselig: „Mensch, da liegt ja noch der 420er, auf dem ich als 15 jähriger am Draht hing!“

Also los, Foto machen! Da steht er, grinst über beide Backen und freut sich über das 4,20 m kurze Fundstück, dem er längst entwachsen ist. Seine neue Leidenschaft ist mit 6.50 Metern kaum größer als die Jugendjolle. Aber damit will er über den Atlantik. „Classe Mini“ steht auf dem Ärmel und die 650 hinten im runden Kreis.

Björn Freels, 34, wirkt auf den ersten Blick wie Schwiegermutters Traum: Akkurate Frisur, freundliches Lächeln, korrekte Ausdrucksweise. Kaum einer vermutet in so einem den Gitarristen einer Punkband oder den Typen, der mit lockerem Händchen an der Pinne ein nur 6.50 m kurzes und 3 m breites Dreieck von einem Schiff auf den Kamm einer Atlantikwelle setzt, knapp abfällt, den Gennaker einen Hauch dichter holt und dann mit 15 kn davonschießt. „Segeln ist das zweitgrößte auf dieser Welt,“ meint er lapidar. „Schnell segeln das Größte!“

Klein anfangen

Die Mini-Klasse gilt seit Jahren als Talentschmiede für die Offshore-Szene. Vor allem die Franzosen schicken ihre Hoffnungsträger erstmal auf die kurzen, hoffnungslos übertakelten Renner (bis zu 100 qm!), um sich zumindest einmal beim alle zwei Jahre gesegelten Mini-Transat von La Rochelle/France nach Salvador de Bahia/Brasilien (diesmal Zwischenstopp auf Madeira) in den vorderen Rängen zu zeigen.

Freels beim Training mit seiner Pogo 2 von 2006. Sie wurde schon zweimal vierte beim Mini Transat. © privat

Aber auch die Deutschen haben mittlerweile Salz geleckt. Boris Hermann verdiente sich so vor 10 Jahren mit einem 10. Rang seine Sporen. Jörg Riechers gehört zu den Besten der Klasse. Und jetzt will dort also ein Stausee-Vorschoter aus dem Fränkischen mitmischen?

Björn winkt ab: „Ich habe keinerlei Ambitionen auf Top-Platzierungen, sondern möchte in Würde und Ehren ankommen,“ meint er bescheiden. Aber ein Grinsen kann er sich dabei doch nicht verkneifen: „Logisch, man will immer das Optimum aus den Kisten herausholen, sollte aber schön auf dem Teppich bleiben!“ Und wenn sich dieser Teppich dann als ein fliegendes Exemplar herausstellen sollte… umso besser!

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Porträt Björn Freels. SR besucht Stausee-Segler, der beim Mini Transat startet“

  1. Ein toller Artikel. Man kann sich gar nicht genug über diese Berichterstattung freuen. Aber auch Henrik Masekowitz, Norbert Maibaum und Andreas Lindlahr haben 2007 , bzw. 2009 diese großartige Super-Rennen erfolgreich absolviert. Insgesamt haben seit dem das Rennen besteht, nur 8 Deutsche das Rennen jemals zu ende gesegelt. Auch Mathias Beilken hat es damals auf seinem Proto gewuppt. Jörg Riechers hatte schon 2009 gute Chancen, musste aber in der rauhen Biskaya mit Schäden am Schiff aufgeben.Bei dieser Regatta lernt man das Segeln wirklich. Das Boot wird von manchen als Hochsee-Skiff bezeichnet. Und das trifft es wahrscheinlich am ehesten. Alle Protagonisten sind Helden, auch in Bezug darauf was sie im Privatleben und im Berufsleben leisten müssen, um die mühsamen Qualifikationen zu bestehen und die Teilnahme zu finanzieren. Vom Durchkommen ganz zu schweigen. Danke SR !!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Manfred E. Fritsche sagt:

    Netter Bericht – gut wäre gewesen, wenn bei der Recherche zumindest das ehemalige Heimatrevier von Björn richti geschrieben worden wäre: Der kleine Stausee ist der “Happurger Stausee”.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

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