Laser SB3 WM Blog 1. Tag

Practice Race und ein Gummi hängt verdächtig locker....

Team Doppel-Kemmmling und Jung beim Feintuning vor dem Practice Race © R. Schröder

Faszinierend. Eben noch donnerte der Nordwind den See herunter und wir mit ihm Richtung Malcesine. Plötzlich drückt der Gennaker von Lee ins Segel. Schnell bergen und am Wind auf dem neuen Bug weitersegeln. Von einer Minute auf die andere drehen die fünf Beaufort um 180 Grad.

Das Naturschauspiel vom Gardasee funktioniert immer noch. Knapp 18 Jahre ist es her, dass ich es erlebt habe. Mit dem Flying Dutchman. Immer an der Wand entlang donnern. An der Steilküste, die senkrecht hunderte Meter in den blauen Himmel ragt.

Nun sitzen wir auf einem Laser SB3. Wie hundertneun Kollegen aus 17 Nationen auch. Es geht um die Weltmeisterschaft. Und wir haben gestern zum ersten Mal den Mast auf diesem Boot gestellt.

Ein Desaster. Als die Stange endlich aufrecht steht, wir nach mehrfachem Abgucken bei den Nachbarbooten die Strecker, Drähte und Fallen vermeintlich richtig platziert haben, froh sind, wie einfach das Aufbauen bei diesem Boot funktioniert, hängt ein unscheinbarer Gummi-Fitzel verdächtig locker unten aus dem Mast.

Keine Ahnung welche Funktion das hat. Aber bei den anderen Schiffen sitzt der Knoten stramm am Beschlag. Es dauert seine Zeit, bis die unliebe Erkenntnis durchdringt, dass das Gummi zu einem Ring gehört, der ganz oben aus dem Mast hängen sollte, der das Spifall fixiert, der einfach da oben sein sollte.

Bei uns ist da nichts. Offenbar ist der Ring beim Transport abhanden gekommen, und das Mast lange Gummi ins Profil geflutscht. Super! Bastelstunde, statt entspannt mit Vino Rosso am See sitzen. Aber die Italiener vom Ausrüster-Wagen vor Ort helfen. Der Ring für 5 Euro, Takelgarn für die Feeder-Leine als Leihgabe gratis.

Er schüttelt zwar den Kopf, als wir erklären, wie wir das Gummi durch den gesamten Mast bugsieren wollen, hat aber auch keine bessere Idee. Am Ende haben wir immerhin zu zweit den Mast gefühlte 25 Mal auf dem Hänger gesetzt und wieder gelegt. Wer weiß, wofür diese Kenntnisse noch einmal gut sein werden?

Jedenfalls sind wir heute zwei Stunden vor dem Practice Race draußen, üben Spi hoch, Spi runter, Halse hin, Wende her, bis die Crew meutert, dann starten wir zum Rennen.

Der erste Test, ob wir einigermaßen mithalten können. Ob diese Woche Spaß machen wird? Ob das Laser-Einheits-System funktioniert?

Der Start verläuft in der zweiten 55er Gruppe ordentlich. Wir können den Speed des Italieners in Lee halten. Aber der will unbedingt irgendwann rum. Wir segeln mit dem Gros des Feldes nach links. Aber sobald die Leeboote näher am Felsen sind ziehen sie hoch, wir rutschen rein und die rechte Seite, die mit dem Italiener zieht noch besser.

Aber es reicht für die Top Ten an der Luvtonne. Dann rutschen ein paar Boote unter Gennaker durch, der Speed ist ausbaufähig, in der zweiten Runde verpassen wir die Layline zur Leetonne und müssen den Spi bergen um noch anzukommen … na ja, das ist alles ausbaufähig.

Aber wir gehen durchs Ziel, die Sonne scheint, das Süßwasser spritzt kühlend über die nackten Arme und Beine, Flügelmotten und Surfer rasen vorbei. Barbusige Damen liegen am Strand vor unserem Liegeplatz. Der Gardasee ist einfach faszinierend.

Carsten Kemmling
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Carsten Kemmling

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