Promisegeln: Skirennfahrer Kostelić wechselt zum Segeln – Mixed-Offshore-Olympia angepeilt

"Das Meer ist Freiheit"

Ein Ski-Champion, der es mit (dann) 44 Jahren nochmals wissen will: Olympiasieger und Weltmeister Ivica Kostelić wurde längst vom Segel-Virus angesteckt. Auf seiner Class 40 macht er das Mittelmeer „unsicher“.

Eigentlich hat es das schon öfters gegeben: Sportler oder Sportlerinnen, die es in einer Disziplin zu Erfolg gebracht haben, wechseln (meist aus Altersgründen) in eine andere Sportart, um dort erneut zu reüssieren. Dass solche Klassenwechsel nicht immer von Triumphen gekrönt sind – geschenkt! 

Der ehemalige Ski-Star im Mast seiner Class 40. Auch dort fühlt er sich wohl.© Kostelic

Doch oft genug klappt so ein Wechsel auch bravourös und es werden größere Siege gefeiert, als in der ursprünglichen Disziplin. Wie zum Beispiel zuletzt bei Oliver Zeidler, der vom erfolgreichen Schwimmer (mehrere DM-Titel und Silber-Junioren-EM) in den Ruder-Einer wechselte und bei seinem EM-Debüt zum ersten Mal nach 23 Jahren Gold für das deutsche Team geholt hatte. Fairerweise muss hier allerdings erwähnt werden, dass Zeidler für diesen Triumph schon rein genetisch reich beschenkt worden war: Großvater und Tante Zeidler waren bereits beide Ruder-Olympiasieger. 

Besser geht nicht

Dennoch kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behauptet werden, dass ein Ivica Kostelić seine bisher eingefahrenen Triumphe in einer anderen Sportart NICHT toppen wird.

Ivica Kostelic wie man ihn kennt als Slalom-Spezialist. Er gewann vier olympische Silbermedaillen.© Wikimedia Commons

Klartext: Ivica Kostelić, der erfolgreichste Skifahrer Koratiens und lange Zeit einer der besten der Welt, will 2024 vor Marseille bei den Olympischen Spielen im Mixed Offshore Sailing teilnehmen. Als er diese Absicht vor einem Jahr äußerte, tat er es am 1. April. Entsprechend vorsichtig war diese Nachricht zu behandeln. Aber nun macht er deutlich, dass deutlich mehr dahinter steckt als ein Aprilscherz.

Der 40-jährige Ivica Kostelić holte in den Disziplinen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Kombination bei Olympischen Spielen vier Silbermedaillen, er stand bei Weltmeisterschaften bereits auf jeder Treppenstufe und siegte im Gesamt-, Slalom- und Kombinations-Weltcup. 

Seine Karriere war von überraschenden Höhen und nicht weniger enttäuschende Tiefen geprägt, aus denen er sich immer wieder berappelte und mit eisernem Willen zurück nach vorne kämpfte. 

Vor 17 Jahren, nach seinem Slalom-Sieg bei der WM in St. Moritz (einen Tag nachdem seine Schwester in der selben Disziplin den WM-Titel geholt hatte) sorgte Kostelić für einen handfesten Skandal im Skizirkus. Eine kroatische Zeitschrift zitierte ihn aus Interviews, in denen er den Nationalsozialismus verherrlichende Aussagen gemacht hatte. Später distanzierte sich der Skirennläufer von seinen Aussagen. 

Class 40 und Mini 6.50

Und nun also Segeln! Tatsächlich ist Kostelić schon seit vielen Jahren vom Segelvirus angesteckt. Nach seinem Karriereende als Skirennläufer Anfang 2017 war er immer öfter auf Seeregatten im Mittelmeer anzutreffen. Diese mehr oder weniger erfolgreichen Törns dokumentierte er auf sympathische Art auf Videos und machte keinen Hehl daraus, dass für ihn „Segeln auf dem Meer das höchste aller Gefühle sei“. Er habe “in den vergangenen drei Jahren viel Know-how im Hochseesegeln gesammelt”, so der 40-Jährige im kroatischen Podcast “I ja sam sportas”. 

Diese Erfahrungen machte Kostelić hauptsächlich auf einer Class 40 und auf einem Mini 6.50 (siehe Videos) 

Die neue Olympische Disziplin „Mixed Offshore Sailing“ wird erstmals 2024 vor Marseille bei den Französischen Olympischen Spielen ausgetragen. Der Bootstyp, der vor  Marseille zum Einsatz kommen soll, wird so spät wie möglich bestimmt – Ende 2023. Zuvor werden Qualifikationen mit verschiedenen Yachten absolviert, die ein World Sailing Gremium für geeignet hält (SR-Bericht). 

Segeln ist Freiheit

In einem Interview für den „Olympic Channel“ schwärmt Ivica Kostelić: „Segeln ist Freiheit! Du nutzt die Energie der Natur für deinen eigenen Vortrieb! Segeln ist ein permanenter Dialog mit dem Wind und das inspiriert mich in vielerlei Hinsicht. Die See kann mit nichts vergleichen. Der Fakt, dass man sich auf ein schwimmendes Objekt begeben kann, ein Stück Tuch setzt und dann für null Dollar um die Welt segeln kann – das sagt ja schon eine Menge über Segeln aus!“ (siehe Video).

Wie sich Ivica Kostelić auf die  Mixed Offshore Segelei vorbereiten und wen er als Partnerin an Bord haben wird, steht noch nicht fest. Immerhin hat er mit dem Mini 6.50 bereits ein Boot gesegelt, das zumindest auf der Auswahlliste für die neue Olympische Disziplin steht. Derzeit engagiert sich Kostelić für umweltspezifische Themen, will in Island mit Vulkan-Touren auf den Klimawandel aufmerksam machen und vielleicht sogar mit seiner Class 40 bis Island segeln. 

Der Mann aus den bergen liebte schon immer das Meer © kostelic

Ivica Kostelić gegenüber Olympic Channel: „Das Meer, wissen Sie, nichts ist mit dem Meer vergleichbar. Das Meer ist Freiheit, und weil das Meer so groß ist, wird es immer frei sein. Und wir haben viel von dieser Freiheit verloren, wenn wir in der heutigen Welt überhaupt eine haben.“ 

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Michael Kunst

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