Quebec – St. Malo: “Mare” auf Rang 3, “Red” in Sichtweite an Sevenstar vorbei

Unter Grizzlys und Feuerwehrschläuchen

17kn auf der mare©mare/Breymaier

17kn auf der mare©mare/Breymaier

Wenn’s die einen nicht drauf haben, müssen die Nächsten ran. Anders ausgedrückt: Da unsere Olympioniken derzeit etwas zurückhaltend segeln, sollen es eben die deutschen Hochseehelden richten, zumindest was Treppchen-Platzierungen anbelangt.

Nachdem gestern Abend der erste Open-50 Trimamaran mit Skipper Erwan LeRoux erwartungsgemäß das Ziel vor St. Malo erreichte, sind die Class-40-Führenden noch 700 sm von der bretonischen Küste entfernt. Die deutsche “Mare” mit Skipper Jörg Riechers hat ganz offensichtlich den Bruch-Frust  abgeschüttelt und rast nun zurück in Richtung Führung. Heute Mittag standen 14kn auf dem Speedometer und die 655 theoretischen sm, die noch vor ihnen liegen, dürften reichen, um zumindest die „Hoffnungen auf einen Podiumsplatz weiter zu schüren“ (O-Zitat aus der derzeitigen Olympia-TV-Kommentierung).

mare wählt den direkten, nördlichen Weg nach Fastnet©tracker

mare wählt den direkten, nördlichen Weg nach Fastnet©tracker

Es gibt noch mehr auf die Mütze

Ryan Breymaier berichtet von Bord: „Hier geht die Post ab. 2 Reffs, Code 0, stetige 16 kn Speed. Fühlt sich an, wie auf einem Volvo Ocean Racer: Grünes Atlantikwasser klatscht gegen den Steuermann, wir wechseln uns alle 45 Minuten am Ruder ab.“ Die “Mare” ist auf der nördlichsten Route unterwegs und hofft, dass in der (angekündigten) Schlechtwetterfront über der Irischen See lange Reachkurse mit Wellen aus der richtigen Richtung möglich werden. Den südlichsten Kurs hat die theoretisch führende Campagne de France mit den Skippern Halvard Mabire und Miranda Merron gewählt; sie sind ebenfalls mit 15 kn gut unterwegs. Sollten sich die Wetterprognosen bestätigen, werden sie später wohl höher ziehen müssen…  Zwischen den beiden hat sich Eole Generation mit Skipper Sebastian Rogues bestens  positioniert – sie dürften ihre nächsten Kursänderungen nach der jeweils besseren Perfomance nördlich oder südlich von ihnen ausrichten.

Gischtmodus©mare/Breymaier

Gischtmodus©mare/Breymaier

Wir lieben es, wir hassen es!

Etwas (200 sm) weiter hinten, ist die Red mit Skipper Mathias Blumencron (Rang 11) mittlerweile an der alten Pogo “Sevenstar” (Co-Skipperin ist die Deutsche Anna-Maria Renken) vorbei. Die beiden Class 40 segeln tatsächlich in Sichtweite und dürften sich gegenseitig reichlich pushen. Nervenkrieg mitten auf dem Atlantik. Doch der größte Widersacher scheint derzeit für beide das Wetter zu sein.

Fotograf Andreas Lindlahr berichtet von Bord der „Red“: „Es hat noch mal aufgefrischt. Große Wellen mit weißen Kronen um uns herum. Am Ruder an Steuerbord werden die Risse an der unteren Aufhängung immer weiter. Etwas besorgniserregend. Wir wollen das Ruder sanfter bewegen, aber wie soll das bei diesen Bedingungen klappen?“ Dass es vor Irland nochmals einen richtig „auf die Mütze geben wird“, ist offensichtlich auch auf der Red registiriert. Was Skipper Mathias Blumencron zu einer kurzen, fast schon prosaischen Beschreibung der Lebensbedingungen an Deck veranlasst:

Die unterschiedlichen Arten der Durchnässung auf der Class 40 „Red“:

• Die Speed-Gischt: wenn wir mit mehr als 14 kn donnern, ist das gesamte Schiff in eine prickelnde Gischt gehüllt. Wir lieben das!
• Die Grizzly-Gischt: Wenn dich eine Welle wie eine Bärentatze trifft und du die volle Ladung ins Gesicht kriegst. Wir hassen das!
• Der Feuerwehrschlauch: Die andauernde Form der Bären-Pranke. Das hassen wir noch mehr!
• Die brechende Welle: Massive Wasserwand im High Speed-Modus über das Vordeck direkt in deine Richtung – mindestens einen Fuss hoch. Es gibt kein Entkommen. Besonders beliebt bei 18 kn und mehr, unter kleinem Kite-Segel.

Eines ist sicher: Auf hoher See bleibt es spannend!

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Michael Kunst

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