Jérémie Beyou hat mit seiner Charal 2 bei der Transat Café L’Or ein neues Speedpotenzial erreicht und gilt nun als schnellstes Boot der IMOCA-Flotte. Dennoch lässt er den Rumpf nun in der Mitte durchsägen. Welche Überlegungen dahinterstecken.

Jérémie Beyou ist in gewisser Weise der Mann der Stunde in der französischen Offshore-Profi-Szene, seit er im November 2025 zusammen mit Morgan Lagravière bei der Transat Café L’Or gut 120 Meilen vor den ärgsten Verfolgern ins Ziel kam. Das sind Welten – und es bedeutet eine neue Hackordnung in der Klasse nach der Vendée Globe. Umso erstaunlicher scheint es, dass er nun am offenbar schnellsten IMOCA die Säge ansetzt.
Die Vendée Globe ist für den inzwischen 49-jährigen Vater von drei Kindern mit Platz vier und einer Woche Rückstand zum Podium enttäuschend verlaufen. Schließlich wies er nach einer Einschätzung von Paul Meilhat das „vermutlich größte Budget“ der gesamten Flotte in der Vorbereitung auf die Weltregatta auf. „Danach kommen dann vielleicht Yoann Richomme, Boris, Charlie Dalin und Thomas Ruyant“, so Meilhat im Umfeld seines Sieges beim The Ocean Race Europe.

Umso größer war die Genugtuung des Franzosen, als er bei der Transat zeigte, dass er mit seinem radikalen Charal 2-Design offenbar doch nicht völlig gescheitert war. Nach der Vendée Globe 20/21 war er wie viele Konkurrenten von dem Manuard-Erstlingswerk L’Occitane beeindruckt. Armel Tripon erreichte nach einem Schaden zwar keine Topplatzierung, raste mit der radikalen neuen Plattbug-Konstruktion aber erstaunlich schnell durch den Southern Ocean.

Beyou engagierte daraufhin Sam Manuard für seinen Neubau, insbesondere um vor dem Wind bei starkem Wellengang stabilere hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten zu erreichen. Damals lobte er: „Man darf nicht vergessen, dass Sam mehr als nur ein Konstrukteur ist. Er ist auch ein hervorragender Segler, der Theorie und Praxis schnell miteinander verbinden kann, weil er selbst segelt. Unsere Idee war es, ein internes Konstruktionsteam zu behalten, das groß genug ist, um das Boot ständig weiterzuentwickeln.“
Tatsächlich kam Beyou mit Charal 2 jedoch nie auf das erhoffte Niveau, das ihm einen echten Vorteil vor der Konkurrenz verschaffen würde. Er war durchaus schnell, dritte und vierte Plätze reihten sich aneinander, sowie ein zweiter Platz bei der Retour à La Base 2023, doch insbesondere die vielversprechende X-Wing-Ruderkonstruktion war schwierig zu beherrschen.

Das änderte sich offenbar vor der Transat Café L’Or 2025. Im Zweihand-Modus war Beyou plötzlich deutlich schneller als die Konkurrenz. Das lag laut Designer Sam Manuard auch „an einer etwas anderen Geometrie mit etwas längeren Rudern“. Außerdem wurde eine neue Segelkombination für den Vorwindkurs mit zeitweise vier gesetzten Segeln entwickelt.
Als großen Unterschied habe er aber ausgemacht, dass die beiden Skipper viele Stunden selbst am Steuer verbracht haben. Sie sollen auf diese Weise den Flugmodus besser gehalten haben, als es der Autopilot konnte. Diese Erkenntnis mag zu der radikalen Maßnahme geführt haben, zu der sich Beyou jetzt entschlossen hat.

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