Regatta-Comeback: Michael Illbruck in der J/70 Spitze – Pinta-Team mit John Kostecki

Die Legende lebt

Michael Illbruck segelt jetzt J/70. Bei seiner Klassen-Premiere mit Taktiker John Kostecki steuerte er das Pinta-Team in Florida weit nach vorne und schockte die besten Amerikaner.

Melges 20, Illbruck

Feierstunde mit drei Flaggen. © Melges 20/Barracuda Comm

Was macht eigentlich Michael Illbruck? Der 60-jährige gebürtige Leverkusener, der 2002 mit dem Sieg des Pinta-Teams beim Volvo Ocean Race Geschichte schrieb, und damit die erfolgreiche Admiral’s Cup Historie seines Vaters Willi fortsetzte, war kaum selber als Steuermann unterwegs.

Umso überraschender war sein Weltmeister-Erfolg 2016 an der Pinne einer kleinen Melges 20. Eigentlich sei das Projekt für einen längeren Zeitraum ausgelegt gewesen, sagte Kostecki. Man habe man erst ein Jahr später gewinnen wollen. Aber danach war Illbruck auch wieder von der Bühne des Segelsports verschwunden.

Nun ist er wieder in der J/70 aufgetaucht. Beim dritten Teil der US-Winter Series in Tampa/Florida segelte er punktgleich mit den Siegern auf Rang eins. 49 Boote waren am Start, und dazu gehörten einige der weltbesten Teams. Darunter Vize-Weltmeister Brian Keane, der auf Rang vier landete.

Ergebnisse J/70 Winter Series 3

Bei traumhaften Windbedingungen zwischen 10 und 15 Knoten wurde das Pinta-Team immer besser und konnte schließlich den letzten Lauf gewinnen. Für den Tiebreak-Winner gegen den Sieger reichte das aber nicht aus.

Melges 20, Illbruck

Illbruck beim gekonnten Umgang mit der Champagner-Flasche. © Melges 20/Barracuda Comm

Dieser Erfolg hat Illbruck offenbar zu einer späten Meldung bei der J/70-Europameisterschaft in Kopenhagen veranlasst. Er steht auf dem letzten Rang der Meldeliste mit 167 Crews und muss auf einen Nachrücker-Platz warten. Denn der Veranstalter hat nur 150 Teams vorgesehen.

Erfolge als Teamchef

Bei den ersten seglerischen Erfolgen betätigte sich Illbruck als Teamchef, Projektleiter und Geldgeber. Aber dass er auch selber aktiv segeln konnte, war nicht bekannt. Die Leistung an der Pinne einer Melges-20 war deshalb überraschend. Allerdings handelt es sich dabei um eine Owner Driver Klasse, das heißt der Eigner muss steuern. Bei der J/70 ist das anders. Aber offenbar macht er auch an dieser Pinne eine gute Figur.

Vieles hängt für ihn mit der Beratung durch die Taktiker-Legende John Kostecki (52) zusammen, dem einzigen Menschen, der eine Olympiamedaille, den America’s Cup und das Volvo Ocean Race gewonnen hat.

Melges 20, Illbruck

John Kostecki freut sich mit seinem Boss. © Melges 20/Barracuda Comm

Der Amerikaner wurde vor 26 Jahren erstmalig von Willi Illbruck angeheuert. Er half dem Düsseldorfer Unternehmer bei seinem Admiral’s-Cup-Programm. Danach schrieb er dann für seinen Sohn Pinta-Segelgeschichte weiter und ihm gelang mit dem Volvo-Ocean-Race-Erfolg einer der größten Siege in der deutschen Segelsport-Geschichte.

Kostecki zu Oracle

Danach wurde es ruhig um das Pinta Team. Illbruck konnte finanziell nicht mehr, wie er wollte. Als er keinen Co-Sponsor fand gab er 2003 die Pläne für eine deutsche America’s Cup-Kampagne auf. Er überließ schweren Herzens die Premiere Ralph Dommermuth und Kostecki wandte sich dem Oracle Team von Larry Ellison zu, wo er an dem ganz großen Rad drehen durfte.

Kostecki wurde 2005 von Chris Dickson beim BMW-Oracle-Team wieder aussortiert, aber dann heuerte ihn Russell Coutts für das Trimaran- versus Kat-Match 2010 gegen Alinghi an. Das gab taktisch allerdings nicht viel her.

Kostecki sollte dann auch bei der spektakulären Flügel-Kat-Regatta 2013 in San Francisco die entscheidende Rolle für den Sieg des US-Teams spielen. Doch der Soling-Silber-Gewinner von 1988 wurde beim Duell von Oracle gegen das Team New Zealand zum tragischen Helden.

Taktische Fehler

Nach einigen taktischen Fehlern tauschte ihn Russell Coutts gegen Ben Ainslie als Taktiker aus, und danach gelang es schließlich doch noch, den Cup im Lande zu halten. Coutts  sagte später zu der ungewöhnlichen Ablösung von John Kostecki mitten im Wettkampf:

“Manchmal im Sport bringen Athleten im Wettkampf nicht die Leistung entsprechend ihres Potenzials. Das war deutlich bei J.K. zu sehen. Er erlebte einfach eine schlechte Regatta. Seine Kommunikation mit Tom Slingsby war zusammengebrochen und funktionierte einfach nicht. Der Austausch war eine drastische Veränderung, aber wir glaubten, das Risiko eingehen zu müssen.”

Nach dieser schmerzenden Niederlage war Kostecki eine Zeitlang abgetaucht. Im America’s Cup geben inzwischen jüngere Athleten den Ton an. Aber später feierte er wieder zahlreiche Erfolge als Profi-Taktiker.

Kostecki schon J/70 Weltmeister

Der WM-Sieg mit Michael Illbruck gehört zu einem der größeren Kunststücke. Zwar dürfen in der Melges 20 keine Profis am Steuer sitzen, und Illbruck segelte also gegen andere so genannte Owner Driver. Aber es gehört schon viel Training dazu, einen Amateur auf ein Niveau zu bringen, dass die Pinta-Crew erreicht hat.

Auch in der J/70-Klasse scheint es schnell zu gehen. Das ist aber kein so großes Wunder. John Kostecki führte 2016 auf seinem Heimrevier San Francisco schon seinen Auftraggeber Joel Roenning zum Titel und bestritt dann weitere große J/70 Regatten für den Amerikaner.

Er war danach mit Roenning zwar nicht mehr ganz so erfolgreich, aber hielt sich dafür bei der 52SuperSeries als Taktiker von Herm Müller Spreer schadlos und sammelte Erfolge auf höchstem Niveau. Nun mag es mit Michael Illbruck so weiter gehen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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