Delesne gewinnt Horta-Les Sables mit 304 Meilen Etmal im 6.50 Mini

Riechers puscht Delesne zum Mini-Fabel-Rekord

Von Carsten Kemmling

Bertrand Delesne erreicht in der Nacht das Ziel in Les Sables mit neuer Rekordzeit. © Breschi / les sables-les Açores

304 Meilen in 24 Stunden! 12, 7 Knoten Durchschnitt! Regelmäßige Maximum Speeds über 16 Knoten! Mit einem 6,50 Meter kurzen Schiffchen! Einhand! Es ist ein Wahnsinn, was der Franzose Bertrand Delesne in den letzten Tagen auf dem Atlantik geleistet hat. Heute Morgen erreichte er mit knapp 100 Meilen Vorsprung das Ziel der zweiten Etappe von Horta nach Les Sables und ist damit überlegener Gesamtsieger.

Delesne erschöpft mit Tunnelblick und Autopilot-Fernbedienung um den Hals. © Breschi / les sables-les Açores

Jörg Riechers hat damit den großen Zweikampf nach gewonnener erster Etappe verloren. Er liegt zur Zeit auf dem fünften Platz und versucht sich von seinem Südkurs zu erholen. Der Hamburger hatte die Etappe überragend begonnen und das mit dem Kieler Wetter-Router Meeno Schrader erarbeitete Konzept, den Vorstoß nach Norden, perfekt umgesetzt.

Er war als Führender auf den Zug des ersten Tiefdruckgebiets aufgesprungen, passierte vor Delesne, entfernte sich dann aber von dem Gegner. Nach dem Start ist bei den Minis keine Wetter-Router-Hilfe von außen mehr erlaubt. So interpretierte Riechers die vor ihm liegende Situation offensichtlich anders als der Konkurrent und das Gros des Feldes.

Riechers kämpft sich mit "Mare.de" schweren Herzens aus der Südposition zum Feld, das im Norden durchrauscht

Dabei kann bei den Einhandseglern auch ein technisches Problem, ein zerrissenes Segel oder anderes zu anderen Winkeln führen. Jedenfalls war die südliche Position am Ende fatal. Dennoch hat der Hamburger ein großes Rennen geliefert. Und er kann noch eine Podiums-Position schaffen.

Als Delesne ins Ziel geht liegt "Mare.de" 117 Meilen zurück, kämpft aber noch um einen Podiumsplatz

Ich bin einmal eine Nacht mit Jörg Riechers auf seiner “Mare.de” gesegelt. Hier ein Auszug aus meiner Reportage damals: “Ein Höllenlärm. Spray trommelt gegen die kantige Hülle. Die Verständigung erfolgt schreiend.

Gleiten. Für diesen Kurs sind Minis gebaut. Sie wachsen im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinaus. Nicht nur Länge, auch Kürze läuft. Im Surf ist die theoretische Rumpfgeschwindigkeit unerheblich, allein die Höhe der Wellen zählt. Sie liften den Hintern des Boots, das Wasser reißt sauber am Heck ab.

Das Gurgeln der sich schließenden Wellensysteme wandert viele Längen achteraus. Highscore: 14,8 Knoten. Die Logge sinkt selten unter zwölf Knoten. 16 Stunden lang. Kein Spin-out, kein Sonnenschuss. Das Doppelruder gewährleistet absolute Kontrolle. Es wird dunkel. Das Schiffchen rast auf der Spur der Vollmond-Spiegelung. Der Bugspriet zielt auf den hell leuchtenden Jupiter, Sternschnuppen flitzen über den Nachthimmel, die Kielbombe in Luv zieht eine fluoreszierende Spur durch das Wasser. Eine irre Atmosphäre…”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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