Robert Scheidt Porträt: Wie der vielleicht beste Seglers der Welt zur Legende wurde

"Alter ist keine Ausrede"

Bingo-Betreiber rettet Karriere

Der Brasilianer war sportlich auf dem Höhepunkt aber finanziell längst nicht abgesichert. Die Verträge der Sponsoren liefen aus, neue waren nicht in Sicht, wie sollte es weiter gehen? Als er geistig schon den Abschied probte, traf er per Zufall vor dem Kraftraum einen Mann, der ihm einen Ausweg zeigte. Dieser Betreiber einer Bingo-Glückspiel-Kette versprach ihm Unterstützung. Sie dauerte mehr als zehn Jahre an und war die Basis für Scheidts Karriere als Profi-Segler.

Robert Scheidt

Robert Scheidt holt 2004 sein zweites Olympia-Gold. © Olypmics

Seine Ausnahme-Stellung als Segler auf der Olympia Bühne verhilft ihm zu einer großen Popularität in Brasilien, weil das Land ansonsten nicht gerade mit Olympia-Medaillen überschüttet wird.  Zu den acht Goldmedaillen von 1996 bis 2004 steuerte Scheidt zwei bei. Fortan kann er gut von Sponsorengelder leben, ein Vorteil den die internationale Konkurrenz in der Laserklasse nicht hatte.  Scheidt betreibt seinen Sport als Vollprofi und wird immer besser.

Das liegt auch an seinem großen Gegenspieler Ben Ainslie. Beide sagen, sie wären nicht so gut, wenn es den anderen nicht gegeben hätte. Der Brite entriss Scheidt in Sydney das Laser Gold in einem legendären finalen Duell mit mehr als 30 Synchronwenden auf der ersten Kreuz. Ainslie verließ die Klasse und dominierte seitdem das Finn-Dinghy, Scheidt konnte sich so nicht verabschieden. Er blieb und holte Gold in Athen.

Robert Scheidt und Bruno Prada zeigen ihren dritten Starboot-WM-Titel an. © Pierrickcontin.fr/Coych

Robert Scheidt und Bruno Prada zeigen ihren dritten Starboot-WM-Titel an. © Pierrickcontin.fr/Coych

So erfolgt der Umstieg zum Starboot wohl vier Jahre später als geplant. 2005  hatte der Lasersegler aber immer noch den besten Starboot-Segler der Welt Torben Grael vor sich. Er musste den fünfmaligen Olympia-Medaillengewinner und damals aktuellen Olypiasieger schlagen.

Zweifler hielten ihn für chancenlos nach der ungewöhnlich langen Verweildauer in der “Kinderboot-Klasse” Laser. Aber Scheidt gelingt das Kunststück. Er arbeitet sich in kürzester Zeit an die Weltspitze, holt sich gegen Grael das Olympiaticket und 2008 die Silbermedaille in China.

Ein Korb für Jochen Schümann und Alinghi

Robert Scheidt

ISAF World Sailor of the year 2004. © Rolex

Internationale Anerkennung erlangt er 2004 durch die Wahl zum Rolex ISAF World Sailor of the year. Aber zum absoluten Olymp fehlt ihm der Schritt aus der Olympiaszene zur großen Bühne des America’s Cups. Jochen Schümann hatte Scheidt für Alinghi und die America’s Cup Verteidigung 2007 verpflichten wollen und den Brasilianer getestet. Der entschied sich aber für die Fortsetzung seiner Olympiakampagne im Star.

Danach folgte er 2009 dem Ruf von Luna Rossa und segelte als Stratege mit Steuermann Ed Baird und Taktiker Torben Grael und ging bei der Louis Vuitton Trophy La Maddalena mit Einheitscuppern als achtes von zehn Teams unter. Auch die weiteren Auftritte an Bord der Luna Rossa STP 65 verliefen mäßig.

Robert scheidt

Robert Scheidt versucht bei Luna Rossa am großen Rad zu drehen, aber das Timing ist ungünstig. © Luna Rossa

Aber der juristische Streit zwischen Oracle und Alinghi verhinderte schließlich vorerst die America’s Cup Karriere. Scheidt engagiert sich wieder voll bei der nächsten Starboot-Kampagne, gewann 2011 sieben Regatten in Folge, holte sich die Star-WM-Titel zwei und drei und war schließlich etwas enttäuscht über Bronze bei den Olympischen Spielen 2012.

Das Laser Traumpaar am Gardasee

Dann flog das Starboot aus dem Olympiaprogramm. Was nun? Scheidt hatte inzwischen die Litauerin Gintare Volungevičiūtė geheiratet, die 2008 im Laser Radial die erste olympische Segelmedaille (Silber) für ihr Land holte,  und war an den Gardasee gezogen. 2012 gewann sie WM Gold in Boltenhagen und schließt Olympia auf Rang sechs ab.

Robert Scheidt

Robert und Gintare Scheidt mit ihrem Baby. © Scheidt

Inzwischen hat das Segel-Traumpaar zwei Kinder aber Scheidt fehlte das sportliche Spiefeld. 2016 musste er bei den Heim-Spielen in Rio dabei sein. Seine Rückkehr zum Laser wurde zuerst nicht ernst genommen. Es schien unmöglich im Alter von 40 Jahren noch das große Rad in der Laserklasse zu drehen.

Ab 35 Jahren beginnt das Masters-Dasein und die Oldies haben in der Weltspitze nichts mehr zu melden. Dazu hat sich der Traingsaufwand weiter erhöht, die Segler sind noch athletischer geworden im Vergleich zur Scheidts aktiver Zeit.

Der Umstieg in das Finn Dinghy wäre sportlich wohl einfacher gewesen. Aber Scheidt segelt nicht in der Gewichtsklasse deutlich jenseits von 90 Kilo. Vor dem Zunehm-Programm, das Ben Ainslie dafür absolviert hat, mochte er sich gescheut haben.

Laser Kampagne als PR-Gag

Dennoch hieß es, der Brasilianer segele nur Laser, um sich fit zu halten, bis das Starboot wieder drin ist. Ein PR-Gag, um die Sponsoren bei der Stange zu halten. Aber so tickt ein Robert Scheidt nicht. Er nahm die Herausforderung an und katapultierte sich in kürzester Zeit auf Weltspitzen-Niveau.

Robert scheidt

Kann der Brasilianer das Wunder schaffen und mit 40 Jahren Laser Weltmeister werden? © Mark Lloyd

Der Star-Segler mag jetzt auch Gefallen gefunden haben an der Geschichte, die er gerade schreibt. Die Laserklasse bekommt deutlich mehr Aufmerksamkeit als früher und für ihn ist das erfolgreiche Comeback nach achtjähriger Abstinenz ein weiterer Beweis seiner Ausnahmestellung im Segelsport.

Ergebnisse Laser WM 2013

Event Website Laser WM 2013

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

11 Kommentare zu „Robert Scheidt Porträt: Wie der vielleicht beste Seglers der Welt zur Legende wurde“

  1. avatar jorgo sagt:

    Hut ab!
    Aus meiner Sicht hat jedoch ein Segler mit 40 noch kein “biblisches Alter” erreicht.
    Körperliche Fitness geht da wohl noch ganz passabel …. ansonsten ist Segeln in hohem Maße ein Erfahrungs-Sport.
    Robert S. kann durch eine vielen Siege auf einen unglaublichen Fundus zurückgreifen. Da muss erstmal jemand hinkommen…. !

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      das mag für viele anderen bootsklassen gelten, nicht aber für den Laser auf olympischem Niveau wie auch beim 49er und natürlich bei den Surfern. wenn das material gleich ist, hat die physis hat einen so großen anteil am erfolg, dass man ein manko nicht mit erfahrung ausgleichen kann.

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      • avatar Fons sagt:

        Liegt wohl eher daran, daß sich kein vernünftiger Mensch im fortgeschrittenen Alter mehr in einer spartanischen Nussschale, wie einem Laser, bewegen möchte. Das seglerische Leistungsvermögen wäre zweifelsohne bei dem Ein oder Anderen sicherlich noch vorhanden. Dazu kommen die sehr engen Normen für Idealgewicht, kombiniert mit idealem Hebel.

        Ähhm Karsten. Wer der beste Segler der Welt ist, wissen eigentlich alle. Ich könnts dir verraten! Aber vielleicht findest du es ja irgendwann selber raus. 🙂

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        • avatar Fons sagt:

          Ohne das Olympia-Aus des Starboots und die kommende Olympiade in Brasilien hätte man Scheidt sicher auch nicht mehr im Laser gesehen. Wie es aussieht, ist das anvisierte Gold im Laser sogar wahrscheinlicher, als im Starboot, wo es ja zweimal nicht geklappt hat.

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        • avatar pabo sagt:

          Solche Aussagen sind einfach nur ärgerlich und furchtbar ignorant.
          „Vernünftige“ Menschen im fortgeschrittenen Alter fahren keinen Laser??? Geht’s noch?
          Darf ich jetzt als Ü40 auch kein Fahrrad mehr benutzen? Der Benz ist ja viel bequemer!

          Gerade die Herausforderung dieser „spartanischen Nussschale“ mit seinen Anforderungen an Idealgewicht in Kombination mit dem idealen Hebel, sprich Athletik, macht ja diese Leistung so außergewöhnlich. Denn das gehört zum „seglerischen Leistungsvermögen“ einfach dazu. Und ganz offensichtlich ist dieses „seglerischen Leistungsvermögen“ nicht so oft vorhanden.

          Ganz nebenbei ist Carsten auch mit „fortgeschrittenen Alter“ noch ein super Lasersegler und weiß wovon er spricht oder schreibt. (Wenn er sich denn mal die rosa Kiste seiner Frau borgt)

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      • avatar jorgo sagt:

        Ja … und warum hat er dann gewonnen????

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        • avatar Carsten Kemmling sagt:

          weil er offenbar in diesem sport zu den absoluten ausnahmekönnern zählt. niemand außer er selbst hätte wohl gedacht, dass so etwas möglich ist. davor habe ich größte hochachtung.
          auch wenn sein alter gegenspieler ben ihm in sachen Americas Cup, dem arbeiten mit einem großen team oder auch im match race weit voraus ist.

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  2. avatar alex Bruhn sagt:

    Carsten, ich liebe Eure Seite und die Artikel! Vielen Dank auch für diesen wieder! Aber diese ewige Nörgelei und Schlechtmacherei in diesem Forum, ob nun zu diesem Artikel oder andern, geht einfach tierisch auf den Senkel!

    Alex Bruhn

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    • avatar Kersten sagt:

      Voll auf den Punkt Alex! Scheint eine dumme Angewohnheit zu sein, dass wenn einer nix zu sagen hat, nörgelt um aufzufallen. So ist das wohl in Foren und nennt sich freie Meinung. Kann man das bewerten?

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      • avatar jorgo sagt:

        Ihr habt ja alle recht!
        Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass das Alter nur eine Zahl ist und eigentlich nicht so viel
        darüber aussagt wie leistungsfähig der Einzelne ist.
        Paule Elvström war auch mit fast Mitte 50 noch Olympionike (knapp an der Medaille vorbei!). Möglicherweise lag es aber auch mit daran, dass er zu diesem Zeitpunkt kein Anfänger war?

        @Fons:
        Ich kenne viele begeisterte ältere Laser-Segler ….. z.T. schon über siebzig Jahre alt.
        Die machen das alle freiwillig (glaube ich jedenfalls….oder sie sind zwangsneurotisch. Ich bitte um Stellungnahme)!

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  3. avatar Till Krüger sagt:

    Als es vor einigen Jahren ein Youtube-Video von Scheidt an der Kreuz im Laser bei 3-4 Bft. gab, kommentierte ich das Video mit : “He is probably the best Sailor in the world” Ich kam prompt als Antwort zurück: “No, he is definitely the best.

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