Röttgerings Blog beim AZAB: “Ekelhafte Flaute” und “gemütliche Motorwärme”

"Rein in die Kampfmontur und los..."

Uwe Röttgering bei akrobatischen Übungen auf einer seiner Reisen. Das macht er hoffentlich nicht auf dem Atlantik. © seefieber.de

Vierter Tag auf See:

Seit sieben Uhr, also gut 10 Stunden, dümple ich in einer ekelhaften  Flaute. Ekelhaft nicht nur deswegen, weil es nicht vorwärts geht, sondern  auch, weil es schön schaukelt. Die Genua, die eigentlich das bisschen Wind,  das da ist, einfangen könnte, steht nicht. Deswegen ist die Fock trotz ihrer  deutlich kleineren Fläche bei solchen Bedingungen das bessere Segel, da es  im Vorsegeldreieck eingespannt nicht so schlägt.

Ein paar hundert Meter weiter teilt die “Lady First”, eine Beneteau 456, das  gleiche Schicksal mit mir. Wir haben uns ein paar mal über Funk darüber  ausgetauscht, dass wir mit der Gesamtsituation unzufrieden sind. Aber was  hilfts?

Die Wettervorhersage war insofern zuverlässig, als dass die Flaute auf die  Stunde genau eingetreten ist. Leider trifft dies auf das Ende der Flaute  nicht zu. Jedenfalls müssten wir laut Grib Daten schon längst wieder Wind  haben.

Wahrscheinlich haben ALLE wieder Wind und rasen mit Rumpfgeschwindigkeit  Richtung Ziel, während FANFAN! und die “First Lady” in einer Privatflaute  von einer halben Seemeile Durchmesser liegen.

Fünfter Tag auf See:

Zwischen sieben Uhr morgens uns sieben Uhr abends habe ich gerade 25 Meilen  aufs Ziel gut gemacht. Inzwischen weht es wieder. Zwar passen Grib Daten und  Realität nicht wirklich zueinander, genauer gesagt die Windrichtung liegt 90  Grad daneben, aber egal.

Es geht mit 8 Knoten Richtung Ziel. Ich rechne mit  einem Winddreher auf Nord heute Nacht und dann soll es mit 30 Knoten blasen.  Mit dieser Strömung könnte (könnte wohlgemerkt) es 250 Meilen Richtung Ziel  gehen, bevor der Wind dann genau von vorne kommt.

Wenn die Vorhersage  stimmt, dann müsste ich die letzten 250 Meilen gegen 10 bis 20 Knoten Wind  ankreuzen. 10 Knoten sind ok, 20 nicht wirklich.

Draußen regnet es gerade und ich habe die Maschine laufen (ausgekuppelt  natürlich, aber die Wellen sind nicht verplombt worden), um die Akkus zu  laden. An den Motor ist ein Warmluftgebläse angeschlossen, mit dem die  Motorwärme zum Heizen des Bootes verwendet wird. Das ist so gemütlich, dass ich den Motor gar nicht mehr ausstellen mag…

Aber es hilft alles nichts, wenn der Wind weiter zulegt (wir sind schon bei  22 Knoten), dann muss was mit dem Großsegel passieren. Dann rein in die nasse Kampfmontur und los.  Die “First Lady” ist inzwischen außer Sicht. Über Funk melden sie sich nicht  mehr.

Das könnte aber auch an meinem Englisch liegen. So hat mich der  Hafenmeister in Ramsgate, nachdem wir uns länger unterhalten hatten,  gefragt, ob ich Franzose sei. Unglaublich. Wenn es ein Volk gibt, das  schlecht Englisch spricht, dann sind das ja wohl die Franzosen.

Nun gut, ich habe diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und werde an meiner  Aussprache arbeiten. Der nächste Engländer, mit dem ich spreche, soll mich dann bitte fragen, ob ich aus Oxford komme…

Röttgering liegt im Gesamtfeld nach berechnter Zeit auf Rang 12 von 59 Yachten einen Platz hinter dem zweiten deutschen Schiff “Bagatelle”.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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Ein Kommentar „Röttgerings Blog beim AZAB: “Ekelhafte Flaute” und “gemütliche Motorwärme”“

  1. avatar Sven sagt:

    Hmm ………..das ist doch nicht Uwe ……das ist doch sein Stunt duble´” Olli S.R.!” der da am Code Zero hängt!

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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