Diskussion. Mono oder Multi beim AC.

Roland Gäbler: "Weg mit dem Schwermetall!"

Olympia-Bronze-Gewinner Roland Gäbler

Wie zeigt man die Action beim Segelsport? Das ist Roland Gäblers Lieblingsthema. Er war einer der Ersten, der Onboard Kameras auf dem Tornado platzierte. Er beteiligte sich maßgeblich am Konzept des Volvo Champions Race, bei dem Tornados und 49er spektakulär vor Zuschauer um Preisgeld segelten. Und als internationaler Klassenpräsident der Tornados puscht er Änderungen und neue Formate, um die Klasse attraktiv für eine weitere Olympia-Sequenz zu machen.

Im vergangenen Jahr skipperte er den Extreme 40 Kat „Wirsol“ beim Tour Stop der Klasse in Kiel. Seit es möglich ist, dass der nächste America´s Cup auf mehreren Rümpfen ausgetragen wird, verfolgt er die Diskussion sehr emotional. Hier seine Meinung:

„Larry hin oder her. Diese Nummer muss man ihm mal gut schreiben. RC44 gegen X40. Solch ein kontroverses Thema musste mal auf den Tisch bzw. auf das Wasser. Wie motiviere ich die Jugend mit spektakulärer Racing Action? Was liefert bessere Bilder? Welcher Bootstyp spricht TV und Zuschauer mehr an? Was ist wirkliche Innovation?

Es kann doch nicht wieder Hightech mit Schwermetall unter dem Rumpf sein. Es geht um die Zukunft unseres Sports.

Natürlich hat jeder Bootstyp seinen individuellen Reiz. Und ich wünsche mir, dass alle Segler in Ihren Bootsklassen viel Spaß haben. Aber seien wir doch mal ehrlich.

Segeln und Fliegen zugleich, das geht nur mit Multihulls die ultraleicht über das Wasser schweben.

Ich kann mir kein schöneres Segelgefühl vorstellen. Man lebt nur einmal. Deshalb suche ich jeden Tag das ultimative Segel-Erlebnis. Dieses Gefühl im Trapez mit einem Multihull über die Wellen zu fliegen, ich liebe es.

Ich segel auch gerne mit Kielyachten. Im Urlaub beim Cruising durch die schwedischen Schären. Wunderbar herrlich. Aber Regatta? Pure Racing? Mit Blei…. nee.

Ich habe viele Kielboote gesegelt, supertolle Boote. Aber…..unter 30 Knoten geht irgendwie nicht so richtig los. Das Blei unten am Rumpf bremst ständig. Es ist wie eine Fessel.

Klar, Open 60s oder VOR 70s mit ihren Schwenkkielen sind schon eine gute Weiterentwicklung. Doch irgendwie ist es das auch nicht. Man stelle sich mal vor, ein F1 Rennwagen hätte Blei an Bord damit er nicht umfällt?

Alle bedeutenden Rekorde in der Segelwelt werden von Multihulls aufgestellt.

Deswegen müssen nach 150 Jahren Ameirica´s Cup jetzt Multihulls her! Und das möglichst auf kurzen Kursen in der Frisco Bay bei 20+ Knoten.

Jaja, man kann kein Matchrace segeln mit Multihulls. Was für ein Märchen. Natürlich geht das. Aber ich würde da mal ganz anders ansetzen. Sind wir doch mal ehrlich, Matchracing kann soooo langweiig sein. Wenn ein Team besser ist, ist es nach dem Start auf und davon.

Warum nicht Fleetracing? Das liefert mit 10-15 Booten die meiste Action. Wenn es vorne mal langweilig sein sollte, kracht es zumindest im Mittelfeld. Ein Fleetrace bringt nonstop Stories.

Wenn Larry, Russel & Co. es ernst meinen. Dann müssen fliegende Boote (Multihulls) her und die Kurse müssen extrem kurz maximal 30 Minuten sein und direkt vor der City stattfinden. Alles andere ist Segel-TV zum Einschlafen.

Aber das wird schwierig. Am Ende setzt sich bestimmt wieder die konservative Louis Vuitton Fraktion durch, und es geht weiter wie bisher. Innovativ in die Zukunft mit Schwermetall an Bord.

Aber egal. Lasst sie mal machen. Wir segeln und fliegen weiter. Mit oder ohne AC. We love to fly and sail. Life is too short to sail slow.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Diskussion. Mono oder Multi beim AC.“

  1. avatar T.K. sagt:

    Na alos, sag ich doch: Die Kurse müssen kurz und knackig sein

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  2. avatar Olli sagt:

    Es geht aber nicht um das Gefühl der Segler an Bord, sondern den Fersehzuschauer. Multis übermitteln nicht die Geschwindigkeit, die sie wirklich laufen. Ein 49er sieht auf dem Bildschirm spektakulärer aus, als ein Tornado. Da kann der Tornado tausend mal schneller sein… Bei Monos spritzt im Allgemeinen mehr Wasser. Ja klar – das bremst, vermittelt aber Geschwindigkeit auf dem Bildschirm.

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  3. avatar Thomas sagt:

    Als Fernsehzuschauer finde ich die Geschwindigkeit nebensächlich. Spannend zu beobachten sind Positionskäpfe und taktische Manöver. Ich bin also ganz eindeutig für Fleetraces auch wenn der Obersegelreporter hier ein Matchracefan ist. Beim Matchrace ist häufig nur die Vorstartphase interessant und die verstehe ich dann selbst als Regattasegler nicht in vollem Umfang.

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    • avatar Carsten sagt:

      Hehe, ich bin zwar Matchracer, aber hoffentlich nicht verbohrt 🙂 Du hast Recht, dass oft nur die Vorstartphase interessant zum Zuschauen ist. Dann ist die Startlinie oft auch die Ziellinie. Wenn danach das Rennen nicht zu lange dauert ist das aber Okay, denke ich. Der vergangene AC hat schon dramatische Zweikämpfe geliefert mit dem 1 Sekunden Final Höhepunkt. Es muss aber Überholspuren auf dem Kurs geben. Sonst ist es tatsächlich öde. Ich habe die Hoffnung, dass Herr Coutts das alles bedenkt und bin sehr vertrauensvoll, dass es klappt. Ein Fleetrace mit wenigen Booten würde mich auch überzeugen. Das würde aber nicht mehr dem Zweikampf-Charakter des AC entsprechen. Bin mir nicht sicher, ob das gut ist.

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  4. avatar Jan sagt:

    Und wo bleibt die Taktik? Für mich ist Segelsport eindeutig nicht nur die Faszination an Geschwindigkeit und durchs Wassergerausche… (obwohl es auch Spass macht)
    Aber was den AC immer so besonders, so attraktiv gemacht hat, war gerade der Modus und das Duell eins gegen eins, “Schach auf dem Wasser” und auch das Elitäre, Abgehobene und Komplizierte. Jetzt einen Modus finden zu wollen, der besonders viele Menschen ansprechen soll(doch vornehmlich Nichtsegler dann, weil alle anderen finden es schon toll) , zerstört für mich die eigentliche Idee hinter dem Cup.

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