Rolex Fastnet Race: Mit an Bord bei der Class 40 “RED”

Innenposition am Rock

Drei Tage nach dem Rolex Fastnet Race analysiert “RED”-Navigator Axel Strauss für SR den fünften Platz in einem sehr gut besetzten Feld von 18 Schiffen. Fünf Neubauten waren am Start und etliche der besten Offshore-Segler aus sieben Nationen:

Blumencron Fastnet Rock

Im Päckchen um den Fastnet Rock. RED liegt knapp voraus auf Rang drei. © Daniel Forster/Rolex

„Tales II“ ist ein brandneues Projekt aus Spanien, vom Top-Designer Marcelino Botin für seinen Bruder gezeichnet, den Class-40-Weltmeister Gonzalo Botin.

„Vaquita“ aus Österreich ist ein neues Humphrey-Design, gesteuert vom zweimaligen Starboot-Olympia-Segler und Volvo Ocean Race Skipper (Team Russia) Andreas Hanakamp. „Lord Jiminy“ wurde von Guillaume Verdier für den französischen Paraolympioniken und Offshore-Star Bruno Jourdren entworfen, den Voreigner der „RED“.

„Al Bucq“, mit dem Corporate-Finance-Chef der Allianz Stephan Theissing an Bord, ist eine neue Akilaria RC3 aus diesem Jahr, ebenso wie die „Des pieds et des mains“ von Damien Seguin, die mangels gültigen Klassenzertifikats außer Konkurrenz mitsegelte. Dazu kam die „GDF Suez“ von Sebastian Rogues, ein rasend schnelles Sam-Manuard-Design und Schwesterschiff von Joerg Riechers „Mare“ aus dem vergangenen Jahr.

Das Class 40 Top 5 Ranking beim Fastnet sieht so aus:

1. GDF Suez # 130 14/08                  15:38:30 DTL  -00:00:00:00
2. Tales 2 #123 14/08                  16:00:22 DTL  -00:00:21:58-
3. Vaquita #125 14/08                  19:06:45 DTL  -00:03:28:15
4. Lord Jiminy #119 14/08                  19:10:09 DTL..-00:03:31:39
5. RED #59 14/08                  19:31:22 DTL  -00:03:52:52

Das heißt, uns haben nur 25 Minuten auf den dritten Platz gefehlt! Aber sie haben eben gefehlt. Wie man an den Baunummern erkennt sind alle Boote vor uns brandneue Designs, allerhöchste Bauqualität und waren zum Teil mit Weltklasse Crews besetzt. Wir sind mit diesem Ergebnis prinzipiell zufrieden und happy!

Blumencron Fastnet Race

Mathias Müller von Blumencron, zufriedener Skipper der Class 40 RED. © Daniel Forster/Rolex

RED ist super gelaufen und die Crew – Mathias Blumencron, Axel Strauss, Felix Oehme und Hans Brumberg – hat prima funktioniert, entspannt und ohne Stress. Obwohl wir bis auf zwei Stunden im Solent am Nachmittag vor dem Start kein gemeinsames Training hatten, hat jeder rasch seinen Platz gefunden.

Es ist beeindruckend, was man mit einer kleinen Mannschaft aus diesen Booten herausholen kann: Wir haben regelmässig größere IRC-Boote mit voller Mannschaft – 12, 14, 16 Leute – im direkten Vergleich einfach stehen gelassen. Da muss man sich schon die Frage stellen, warum nicht mehr Crews in dieser faszinierenden Klasse segeln. Ist es die Angst vor dem ehrlichen Leistungsvergleich?

Aber jetzt die Analyse: Warum nicht Dritter, wo ist es gut gelaufen, wann nicht, was „wäre, könnte, hätte…“?

Der Start: Top! Wir sind direkt an der Starttonne, ganz im Norden der Linie unter der britischen Küste, bereit, sofort ins flache Wasser zu wenden, aus dem noch gegenlaufenden Strom. Kurz nach Null geht es mit Speed über die Linie. Felix hat das wirklich absolut cool gemacht.

Wir hatten die Aufgaben für die erste Phase des Rennens im Solent grob aufgeteilt:
Mathias: Steuermann
Felix: Genua, Starttaktik, Taktik
Hans: Genua, Deck
Axel: Navigation, Traveller in den Wenden

Blumencron Fastnet Race

Ganz nah am berühmten Felsen vorbei.© Daniel Forster/Rolex

Der Strom lief hart gegenan, 15 Knoten Wind bliesen aus Südwest, auch gegenan. Bedingungen wie auf der Elbe. Es war klar, dass wir im flachen Wasser bleiben mussten: Kurze Schläge, schnelle Wenden, noch kein Wasserballast um richtig flexibel agieren zu können. Manchmal waren dem Navigator in dieser Phase 3,60 Meter Wassertiefe noch genug, während dem Steuermann da schon die Schweissperlen au der Stirn standen (die Class 40 hat drei Meter Tiefgang). Aber wir haben das sehr gut hinbekommen und waren bei Hurst Castle nach „Tales 2“ und „Des Pieds et des Mains“ auf Platz drei.

Umstrittene Taktik-Option

Es folgte eine an Bord etwas umstrittene taktische Option: Wir wendeten aus dem Needles Channel hinaus und segelten durch ein enges Fahrwasser, den North Channel, in die Christchurch Bay. Ich hatte in den letzten Jahren bei mehreren Gelegenheiten und vergleichbaren Wetterlagen erlebt, dass Christchurch ein Winner sein kann (ich war damals jeweils im Needles Channel der Looser) und als unser Routing-Programm diese Option auch vorschlug war ich sehr empfänglich dafür.

Die endgültige Entscheidung fiel übereinstimmend, aber 20 Minuten später sah es so aus als ob wir übel abgemeldet wären. „Des Pieds et des Mains“ bekam sogar komplett kalte Füsse, zog den Stecker und wendete zum Channel zurück.

Die Stimmung bei uns an Bord war etwas „angespannt“…bis 20 Minuten später der Christchurch Dreher einsetzte, dreißig Grad nach rechts, und die Bedrückung einer leichten Euphorie wich. Am Anvil Point, dem nächsten Kap, waren wir mit verbesserter Distanz zur Flotte ganz vorne mit dabei. Der Gamble war geglückt.

Danach kamen die Tide Rips bei St. Albans, viele Meilen lange und üble Stromschnellen, wo Wind gegen Strom setzte und das Wasser kochte. Die muss man richtig meistern. Unsere Idee war, dicht in Lee von der wilden Zone zu wenden, und dann in einem schmalen Streifen an den Rips entlangzusegeln, wo das Wasser merkwürdigerweise oft wie gebügelt dahinrauscht. Dort ist der Schiebe-Strom sehr stark, aber keine Chaos-Welle bremst das Schiff.

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12 Kommentare zu „Rolex Fastnet Race: Mit an Bord bei der Class 40 “RED”“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Nicht nur schön geschrieben, sondern auch richtig interessant – so was findet man halt nur hier 😉

    Was mich wundert ist der Seitenhieb auf die anderen (IRC-)Klassen:
    “… Ist es die Angst vor dem ehrlichen Leistungsvergleich?…”

    Ich hab da zwar natürlich keine Ahnung von, aber wenn ich mich gerade ein paar Zeilen weiter oben rechtfertige, dass die anderen Boote ja viel neuer sind (und letztlich sprechen wir ja hier von Protos – also mehr oder weniger einer Konstruktionsklasse), reden wir doch auch nicht von (wirklich) vergleichbaren Booten. Selbst bei den “internen” Klassen, wie z.B. Pogo dürften doch weitgehend Modifikationen möglich sein. Wo ist da jetzt der Unterschied, zu z.B. den JPKs und wahrscheinlich auch diversen Firsts in den jeweiligen Gruppen. Und wie ist dann der “Sieg” über die nachfolgenden Class 40, die ja evtl. deutlich älter sind zu werten?
    Wenn ich schon vergleichbar sein möchte, dann wäre die Figaro-Klasse doch wohl eher das Boot der Wahl (zumindest jetzt bei dieser Regatta).

    VG

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    • avatar stefan sagt:

      Aber das ist doch genau der charme einer Konstruktionsklasse. Segeln ist auch immer ein Wettstreit der Ideen und das findet in den open-Klassen auch bei den unterschiedlichen Konzepten statt. Jeder Segler oder Konstrukteur hat da so seinen unterschiedlichen Ideen. Neu muss nicht unter allen Bedingungen immer schneller sein. Oft erkauft man sich bessere Raumwind-Eigenschaften mit Schwächen Am-Wind und umgekehrt. Das macht es so spannend.

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      • avatar SR-Fan sagt:

        Morgen Stefan,

        so schwer war meine Anmerkung doch nicht?! Du antwortest am Thema vorbei. Ich find Konstruktionsklassen auch ganz doll.
        Unter “ehrlichem Leistungsvergleich” beim Segeln gehts aber nicht um die Konstrukteure – da gehts um die Segler! Was meinst Du, warum beim Matchrace zwei identische Boote gegeneinander antreten (Ausnahme natürlich: ACC)?!
        Kurz: Wenn ich die Leistung zweier Sportler (möglichst ehrlich) vergleichen möchte, dann reduziere ich die Variablen der Fremdbeeinflussung soweit als möglich. Wenn ich z.B. die Treffgenauigkeit von 2 Elfmeterschützen (ehrlich) vergleichen möchte, ist es hilfreich, wenn Bälle, Maßeinheiten und Torspezifikationen möglichst gleich sind.

        So, ich hoffe jetzt ist meine Anmerkung verständlicher 😉

        VG

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        • avatar Stefan sagt:

          Du hast natürlich theoretisch recht. Nur schaut das auch in den Einheitsklassen in der Praxis anders aus. Außer in den Klassen oder den Events wo das Material gestellt wird, ist auch in den Einheitsklassen alles nicht so einheitlich wie es theoretisch erscheint. Hier wird mit unterschiedlichen Masten, mit individuell passenden Segelprofilen gearbeitet. Manche Klassen erlauben individuelle Ruder u.ä. Auch lässt sich mit den etwas unterschiedlichen Eigenschaften der unterschiedlichen Hersteller der Einheitsboote das eigene Potential optimieren.

          Genau wie in anderen Sportarten der Sportler in seinen Stärken (und Schwächen) mit dem eigenen Sportgerät verbunden ist, so ist auch in den Konstruktionsklassen das der Weg das eigene sportliche Potenzial zu unterstützen. Was ja zum eigenen seglerischen Vermögen noch eine Steigerung des seglerischen Niveaus ist, da man sich auch mit den grundsätzlichen Eigenschaften seines Sportgerätes beschäftigen muss.

          Abgesehen davon bringen Konstruktionsklassen den Segelsport weiter. Alle bedeutenden Entwicklungen haben nicht über eine neue Einheitsklassen, sondern durch Innovationen in den Konstruktionsklassen das Licht der Welt entdeckt. Grundlegende Sachen wie die Genua oder der Spinnaker gibt es, weil es leute gegeben hat, die in ihrer Konstruktionsklassen über mögliche Innovationen nachgedacht und etwas Neues gewagt haben.

          Beide, Einheits- und Konstruktionsklassen haben nebeneinander ihre Berechtigung im Segelsport. Ich würde hier keine der beiden über den Anderen stellen wollen.

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  2. avatar SR-Fan sagt:

    Dear lieber Stefan 😉

    ich bin mit Einheitsklasse aufgewachsen und die letzten Jahre Konstruktionsklasse gesegelt. Ich kenne die Vor- und Nachteile der Systeme und ich gebe Dir sogar vollumfänglich recht. Und bitte, es geht nicht darum, die Konstruktionsklasse abzuschaffen oder ihre “Schaffenskraft” zu schmälern!
    Ich will – und zwar idealerweise von Axel Strauss – wissen, was ER (!) mit SEINER Formulierung aussagen möchte und zwar im Hinblick auf Konstruktionsklassen zu IRC.
    Sprich: Warum glaubt er, dass der Leistungsvergleich der Segler in einer Class 40 ehrlicher als z.B. bei IRC oder auch Figarro ist? (zumindest verstehe ich seine Aussage so)

    VG

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    • avatar stefan sagt:

      …das ist doch schön! 😀

      …das mit dem Vergleich zu IRC macht wenig Sinn, denn IRC ist ja (in seinen Abstufungen) keine Klasse, sondern versucht lediglich unterschiedlichen Yachten ein vergleichbares Ergebnis überzustülpen. Was ja, je länger Wettfahrten sind immer weniger funktioniert, weil die Schiffe in komplett unterschiedlichen Wetterbedingungen fahren und so immer die eine oder andere Gruppe oder Teile einer Gruppe benach- oder bevorteilt wird.

      …seine Frage, warum Menschen sich das antun und mit 12-16 Leuten auf Schiffen segeln, die dann einer kleineren Class 40 im Weg stehen, kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Es gibt ja auch noch andere Dinge die man mit einer Yacht machen kann, als sich auf Regatten zu tummeln. Und einen gepflegten Urlaub auf einer Segelyacht würde ich lieber auf so einer IRC-Yacht verleben, als auf einer Class 40, auch wenn ich diese zum Segeln vorziehen würde.

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  3. avatar Axel sagt:

    Ich denke, ich muss mich mal kurz erklären, denn der eine kontroverse Satz in meinem Bericht löst die einzigen Reaktionen aus.
    Zunächst mal möchte ich niemanden zu nahe treten oder der Unehrlichkeit bezichtigen…das wäre ja absurd.
    Trotzdem bietet eine Class40 offshore mit kleiner Crew, bresser noch zu zweit (oder für mich persönlich solo) den ultimativen Leistungsvergleich.
    Und macht dazu noch extrem Spass zu segeln und ist schnell.
    Wir haben alle flashy, fully crewed IRC 1 geschlagen, die Top C40 sogar einige IRC Z.
    Warum also mit soviel Aufwand und so teuer segeln, wenn es einfacher, schneller und günstiger geht.
    Klar können jetzt nicht alle mit einer Class40 rumdüsen, erstmal würde dann viel “Crew” arbeitslos, und ich denke es ist auch nicht nach jedermans Geschmack, denn man muss ziemlich schuften und auf Komfort verzichten für den einfachen speed.
    Aber wenn man wissen will wie gut man offshore ist, ist die C40, Mini 650 oder Figaro 2 sicher das Gerät, auf dem man es herausfinden kann.
    Keine Vermessungstricks (oder kaum…), keine Crew die schuftet für den wachfreien Navigator oder Skipper.
    Dafür jede Menge Speed und Spass…und cruisen kann man auch mit dem Teil…zu zweit…schnell…länger schlafen und trotzdem früher ankommen. Ist doch super im Urlaub 😉

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  4. avatar Sven sagt:

    Hallo, danke für diesen herrlichen Artikel. Einerseits spannend aber andererseits so detailliert analysiert und auch die Fehler aufgezeigt. Sowas lese ich sehr gerne.
    Ich drücke der Red und Ihrer Crew die Daumen. Dieses Jahr sehr aktiv und doch weit vorne dabei. Einfach Klasse!
    Übrigens der Artikel macht Lust, selber mal mitzufahren.

    Class40: Mir gefällt das Konzept. Ich mags nicht so gern solo, aber zu Zwiet oder Viert so ein Race zu rocken ist ne schöne (und anstrengende) Sache.

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  5. avatar Daniel sagt:

    cooler Bericht ueber das Fastnet Race!

    Alle Boote haben Vor und Nachteile – der AUtor hat “vergessen” zu sagen, dass wenn die Class 40 ne richtig heftige Kreuz gehabt haetten und lange dann haetten Sie nict so viele IRC1 geschlagen – haette haette….

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  6. avatar Sunshine sagt:

    Lieber Daniel, dass die Class 40 hoch am Wind nicht fahren, ist so nicht ganz richtig. Sie sind halt, natürlicherweise, nicht ganz so flink wie bei 25 Knoten Raumschots-Brise. Die Kreuz ging von der Startlinie bis etwa 30 Meilen vor dem Fastnet-Felsen. Viel länger ging nicht. In dieser Zeit hatten die IRC-Ker 40 – also die schnellsten vergleichbaren IRC-Schiffe – der RED knapp eine Stunde abgenommen. Das war jetzt nicht so wahnsinnig viel für knapp zwei Tage. Und auf dem Rückweg haben sie die Distanz dann wieder mehr als verloren. Bis auf ein Schiff, die Ker 40 Magnum.

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