Rolex Fastnet Race: Peyron holt Rekord mit 133 Fuß Trimaran “Banque Populaire”

Speeeeeeeed

Loick Peyron hat am Sonntag sein America’s Cup Team vor dem letzten Rennen in Cascais verlassen, um sich einer sportlich wohl weniger anspruchsvollen aber vorerst lukrativeren Mission zu widmen. Der Franzose skipperte den 133 Maxi Tri “Banque Populaire” in einem Tag und acht Stunden zu einem neuen Fastnet Rekord. Der Durchschnitt Speed betrug 18 Knoten.

Speed sichtbar gemacht. "Banque Populaire" kommt mit seinen 133 Fuß auf einen Durchschnitt von 18 Knoten. © Rolex/Carlo Borlenghi

Erstaunlicherweise wurden die Franzosen stark von ihren Landsleuten auf dem70 Fuß Trimaran “Gitana” unter Druck gesetzt. Er kam nur eine Stunde nach dem Monster-Tri ins Ziel.

Im Duell der neuen Volvo Ocean Racer “Abu Dhabi” und “Groupama” haben die Franzosen mit Franck Cammas knapp verloren. Der Top Volvo-Favorit “Groupama” ging vier Minuten nach Skipper Ian Walker ins Ziel. Die “Sanya” mit Mike Sanderson (ex “Telefonica blue”) ging 59 Minuten hinter dem Duo ins Ziel.

“Sanya hatte deutliche Schwierigkeiten auf den Raumschotskursen”, sagt Cammas über die Yacht der älteren Generation. “Das heißt, dass wir durchaus große Fortschritte gemacht haben.”

Die Pressemitteilung: Das 44. Rolex Fastnet Race stand schon vor seinem Beginn in den Segelgeschichtsbüchern. Denn mit 314 Crews, darunter auch 15 deutsche, waren so viele wie nie zuvor die berüchtigte Hochseeregatta angegangen, die über 608 Seemeilen, also mehr als 1.100 Kilometer, durch den Englischen Kanal und die Irische See führt.

Die am Sonntagmittag (14. August) vor Cowes über zwei Stunden zeitversetzt gestarteten Yachten füllten zunächst den Solent, die Wasserstraße zwischen der Insel Isle of Wight und dem britischen Festland, und boten tausenden Zuschauern ein imposantes Spektakel.

Die IRC-Flotte kreuzt kurz nach dem Start in Cowes Richtung Rock. © Rolex/Carlo Borlenghi

Keine 24 Stunden danach hatten die ersten Boote bereits den mystischen Felsen Fastnet Rock im Süden Irlands gerundet und waren auf dem Rückweg, der in der englischen Hafenstadt Plymouth endet. Auch die zu erwartenden Siegerzeiten sind rekordverdächtig – der 44 Meter lange Trimaran „Banque Populaire“ aus Frankreich wurde bereits am Montagabend im Ziel erwartet.

Kaum ein Rennen zeigt so eindrucksvoll die Unterschiede seegängiger Schiffe in punkto Geschwindigkeitspotential, wie das legendäre Rolex Fastnet Race. Haben die kleineren, nur zehn bis zwölf Meter langen Einrumpfyachten nach der ersten Nacht auf See meist noch nichtmals ein Viertel oder gar Fünftel der Strecke absolviert und Land’s End, das letzte Landende Großbritanniens an der Südwestspitze noch gar nicht in Sicht, kommen ihnen die mehrrümpfigen Hightech-Racer bereits auf dem Schlussspurt entgegen. Sie sind gut und gerne drei- bis viermal so schnell unterwegs.

Klein gegen groß. Der 70 Fuß Tri "Gitana" (vorne) war nur unwesentlich langsamer als die 133 Fuß lange "Banque-Populaire". © Rolex/Daniel Forster

Diese ernüchternde Begegnung blieb den besten deutschen Mannschaften immerhin erspart. Die „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) unter Skipper Jan Gallbach lag in einer theoretischen Hochrechnung am Montagnachmittag als 59. der Gesamtwertung knapp vor der Scho-ka-kola von Uwe Lebens (Hamburg) und Jens Kühnes „Sjambok“ unter US-Flagge, setzte sich später weiter ab.

Ob es am Ende nach berechneter Zeit ein Rennen für die großen oder die kleinen Yachten werden würde, war zunächst noch nicht abzusehen. Die britische Judel/Vrolik 72 „Rán“ des schwedischen Skype-Erfinders Niklas Zennström, die vor zwei Jahren den begehrten Fastnet Challenge Cup als bestes Schiff nach berechneter Zeit gewonnen hatte, lag anfangs wieder gut im Rennen. Die ersten 30 Stunden hatten alle Teilnehmer einen mäßigen bis frischen Südwestwind, der laut Vorhersage jedoch auf Nordwest drehen und in der Stärke schwanken sollte.

Erstaunlich war auch die Leistung des mit 77 Fuß deutlich kleineren Trimarans „Gitana 11“ unter Skipper Seb Josse (ebenfalls Frankreich), der nach zwei Dritteln des Rennens weniger als zehn Seemeilen hinter dem 140-Fuß-Monster „Maxi Banque Populaire“ zurück lag. Die großen Mehrrumpfboote verblüfften selbst Experten mit ihren gesegelten Kursen, die teils erheblich vom direkten Weg abwichen, weil ein Tri durch die hohe Endgeschwindigkeit durchaus Umwege im Kauf nehmen kann, wenn er dadurch langsameres Aufkreuzen gegen den Wind vermeidet.

So segelten auch die beiden neuen MOD70-Trimarane „Race for Water“ aus der Schweiz mit Skipperin Dee Caffari und „Veolia Environnement“ des Franzosen Roland Jourdain auf dem Hinweg an den Scilly-Inseln vorbei, obwohl sie schon bei Land’s End hätten Richtung Norden abbiegen dürfen.

Zwangsweise in den nächstgelegenen Hafen bogen bereits acht Teilnehmer ab. Bei den meisten gab es Materialschäden, die unterwegs mit Bordmitteln nicht zu beheben waren. Nur auf der englischen Sigma 38 „Zanzara“ musste ein Crewmitglied mit einem gebrochenen Bein geborgen werden. Es wird die feierliche Preisverteilung am 19. August in der historischen Zitadelle von Plymouth vermutlich weder auf eigenem Kiel noch auf eigenen Füßen erreichen.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Rolex Fastnet Race: Peyron holt Rekord mit 133 Fuß Trimaran “Banque Populaire”“

  1. avatar Jürgen von Gosen sagt:

    Schöner Bericht über das Fastnet. Einige Anmerkungen: Es sind 16 deutsche Crews dabei, denn bei den Class 40 segelt Mathias Müller von Blumencron mit seiner neuen “Red” mit. Da er das Boot erst kurz vor Rennbeginn übernommen hat (ehemals Nr 59 von B. Stamm) muß er leider unter französischer Flagge segeln. Tut das aber sehr erfolgreich, er balgt sich z. Zt um den Dritten Platz. Als lupenreiner Amateur eine bemerkenswerte Leistung!!

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  2. avatar Friedrich sagt:

    Auch Schokakola ist inzwischen draußen. Laut Racetracker haben sie Ruderbruch. Schade und hoffentlich kommen sie gut nach Irland.

    Mich beeindruckt die Performance der Class 40. Die fahren munter zwischen den IRC 1 und den kleineren IRCZ Yachten (z.B. den Rogers 46) herum. Red und Tzu Hang sind super dabei.

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  3. avatar troublemaker sagt:

    Zitat: “Loick Peyron hat am Sonntag sein America’s Cup Team vor dem letzten Rennen in Cascais verlassen, um sich einer sportlich wohl weniger anspruchsvollen…”

    Na, dass ist wohl eine Frage der Perspektive. 608 Seemeilen Offshore-Rennen dürften meiner Meinung nach mindestens so anspruchsvoll sein wie dieses Up-and-Down-Gerammel beim AC.

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    • avatar stefan sagt:

      …nun ja, diese Dinge lassen sich nun wirklich nicht gut vergleichen. Geht es bei einem Offshore-race eher um langfristige Entscheidungen und Strategien, so muss bei einem Format wie dem AC45 oft um Sekunden.

      ….auch hat ein 133 ft Tri in so einer Veranstaltung keine wirklichen Gegner, ausser der Uhr. Und ob ein neuer Zeitrekord aufgestellt wird, hängt von Wind und Wetter ab. Das ist dann bei einer zeitlich festen Veranstaltung wie dem FR dann Glück.

      …ich sehe keinen wirklichen Wert darin mit immer größeren Yachten alte Zeitrekorde zu schlagen. Denn größere Yachten sind meist auch entsprechend schneller.

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