Round Britain Race: Was “Varuna”, “Haspa Hamburg” und “Bank von Bremen” erlebt haben

Nichts für Weicheier

Round Britain Highlights:

Von-Bord-Berichte und -Bilder der „Varuna“, „Haspa Hamburg“ und „Bank von Bremen“ spiegeln die Härten einer außergewöhnlichen Hochseeregatta wider.

1.773 Seemeilen nur Wasser, Wasser, Wasser – von oben und unten, von vorn und von der Seite, in den Stiefeln, Socken, Overalls und Schlafsäcken – schlicht überall. So liest sich eine grobe Zusammenfassung der Erlebnisse auf den deutschen Yachten beim Sevenstar Round Britain and Irland Race 2014, das nur alle vier Jahre stattfindet.

Bei der jüngsten Auflage purzelten die Streckenrekorde in allen Kategorien, und nicht nur die IRC-Gesamtsieger der „Varuna“ gehörten zu den Gewinnern. Auch die Crews der Vereinsschiffe „Haspa Hamburg“ (HVS) und „Bank von Bremen“ (SKWB) wurden um Riesen-Erfahrungen reicher.

Die Nacht unter G 4,5 und dem gerefften Groß können wir einfach nur als anstrengend und kalt beschreiben. Nun haben wir uns langsam an das ständig nasse Schiff bei den übersteigenden Wellen gewöhnt und auch an die Tatsache, dass ständig jemand mit einem Schwamm und einer Pütz durch die Haspa robbt. Sogar die Koje von Felix und Katrin wird immer mal wieder geduscht, weil durch Grinder und Winsch das Wasser hereinplätschert…, heißt es im Blog der „Haspa Hamburg“ an Tag 1.

„Sehr sportlich“, nennt es „Varuna“-Boatcaptain Tim Daase, „bei ziemlich harten Bedingungen.“ Sieben Knoten Strom vor der Isle of Wight, vier Meter hohe Wellen in der Nordsee, „die von der Seite über Bord brachen“ und zehn Grad kaltes Wasser in den wasserdichten Socken beim Wendepunkt Muckle Flugga, das nördlicher liegt als Kap Horn südlich – „wir haben schon ein bisschen gefroren“, so Daase, der die „Varuna“ anschließend mit Süßwasser und Seife von innen waschen und trocken legen musste.

Als die Ausläufer des Hurrikans Bertha, die den Start um 21 Stunden verschoben hatten, schon längst verzogen waren, erlebte die „Bank von Bremen“ am fünften Tag auf dem Weg nach St. Kilda schon wieder Schwerwetter. Längst „müde vom ständigen Kreuzen bei nassen und windigen Bedingungen“, heißt es im Logbuch von Skipper Carol Smolawa:

Heute erhielten wir von der Küstenwache eine Sturmwarnung bis Stärke zehn und hatten umgehend auch neun Beaufort. Wir segeln nur unter Sturmfock und hoffen, dass der Wind abnimmt, aber die jüngsten Gribfiles sagen das erst für übermorgen voraus. Alles ist nass, und jetzt ist es kein Wettsegeln mehr, sondern nur noch das Durchbringen von Crew und Boot.

Unterwegs gab es stets ein Prestigeduell zwischen den Teams der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen und des Hamburgischen Vereins Seefahrt. Die „Bank von Bremen“ wurde im Verlauf jedoch von verschiedenen technischen Problemen eingebremst. Nach gebrochenem Bugspriet riss ein Code Zero irreparabel. Sie musste die Hamburger Konkurrenz passieren lassen und kam 17,5 Stunden nach ihr ins Ziel.

Der Stimmung tat das keinen Abbruch. „Dieses Rennen zu beenden und zurück nach Cowes zu kommen, ist so ein großartiges Gefühl“, sagte Smolawa nach dem Zieldurchgang. „Wir haben unseren Klub schon geschrieben, dass wir elf Schlechtwetteroveralls und elf Paar Gummistiefel zu verkaufen haben“, so der Skipper weiter, „aber in ein paar Tagen werden wir das alles vergessen haben und uns wahrscheinlich darauf freuen und vorbereiten, in vier Jahren wieder zu kommen.“

Auch für den HVS gehört der Klassiker zum Standardprogramm der Segelgruppe Störtebeker, die Nachwuchs ans Hochseesegeln heranführt. Dass Katrin Hilbert neben Profi Sam Davies vom Frauenteam „SCA“ auf dem Volvo Ocean 65 die einzige Skipperin im Rennen war, ging ein bisschen unter. Die Schwester von Jan „Flumi“ Hilbert, Crewmitglied und einer der Steuerleute auf der „Varuna“, führte ihre zehnköpfige Crew ohne große Schäden seemännisch erstklassig vom Solent durch den Englischen Kanal in die Nordsee und den Atlantik.

Nach einer Woche war ihr Vertrauen in die junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren groß. Dazu heißt es im Blog: Sogar die Wachübergaben fanden ohne den Navigator (Felix) statt, sondern nur mit der Skipperin, die alle 1-2 Std. begeistert aus dem Niedergang schaute und sich sofort wieder hinlegte.

Viel Schlaf gab es auch auf der „Varuna“ nicht. Ihre Baustellen begannen schon kurz vor dem Start, als eine Reffleine ausrauchte. „Ich wollte sie mir gerade angeln, da fuhr Guillermo (Altadill, der Navigator; d. Red.) plötzlich eine Halse“, erzählt Daase, der auf ein Karbonlenkrad krachte, das überm Lenkkopf abbrach. In Höhe von Dover war das zwar provisorisch wieder eingeklebt, blieb aber bei weitem nicht der einzige Schaden. „Ein A4 ist explodiert, ein Code Zero ist explodiert, und 20 Seemeilen vor dem Ziel sind wir mit dem Bug so tief in eine Zwei-Meter-Wassersäule eingetaucht, dass der A5 auch hinüber war“, berichtet der Boatcaptain, „so einen Stecker habe ich auch noch nie erlebt.“

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3 Kommentare zu „Round Britain Race: Was “Varuna”, “Haspa Hamburg” und “Bank von Bremen” erlebt haben“

  1. avatar eku sagt:

    Zur Ergänzung von der Eventseite:

    Werner Landwehr’s Figaro II, Dessert D’Alcyone crossed the finish line of the Sevenstar Round Britain and Ireland Race shortly after midday on Sunday 24 August 2014, completing the race in an elapsed time of 13 days 03 hours 40 minutes 57 seconds, claiming third place in the Two Handed Class.

    Aus mir unbekannten Gründen ist die Bank wohl bestraft worden, weshalb Dessert D’Alcyone auf den 10.Platz IRC Overall kommt.
    Wow!!

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  2. avatar user sagt:

    Die Bank hat eine Bahnmarke nicht genommen.

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  3. avatar user sagt:

    Alle sind im Ziel!
    Hier die finalen Listen:
    http://roundbritainandireland.rorc.org/race-info/results.html

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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