Route du Rhum: 30 Meter Tri „Banque Pop“ schwimmt wieder – 1.200 sm-Quali in 2,5 Tagen?

Die Zeit drängt

Armel Le Cleac’h muss sich nach Kenterung und Reparatur nun sputen für die Route du Rhum. Seine Ultim-Gegner sehen dem Transatlantik-Klassiker eher gelassen entgegen. 

Viereinhalb Monate nach der Kenterung vor Marokko (SR-Bericht), ist der Trimaran „Banque Populaire“ nun wieder in seinem Element. Nach einer Reparaturphase in Rekordzeit – das Deck war nach dem Wiederaufrichten besenrein gefegt, Mast gebrochen, Aufbauten an strukturell wichtigen Stellen beschädigt, Streben zwischen Hauptrumpf und Schwimmern teilweise lädiert – segelt das „Banque-Pop“-Monster nun wieder vor Lorient/Bretagne. 

Vom einen Stress in den anderen

Für Skipper Armel Le Cleac’h ist also die nervenaufreibende Phase des Trockentrainings vorbei und es gilt, für die anstehende Route du Rhum topfit zu sein. Dafür müssen der riesige 30-Meter-Trimaran und sein Dompteur endlich eine harmonische Einheit bilden, die nur mit stundenlangem Manövertraining, endlosen Trimmschlägen und viel Zeit „auf dem Boot“ (mit unterstützendem Team und/oder solo) möglich sein wird.

Banque Populaire, Ultim, Trimaran

Immer wieder beeindruckend, weil ziemlich groß: Banque Pop schwimmt wieder in Lorient © miku

Entsprechend häufig sieht man derzeit die BP-Crew den Trimaran im Hafen vorbereiten und den – aller Monstrositäten zum Trotz –  filigran wirkenden Ultim-Trimaran unter Segeln in Richtung offenen Ozean rasen. 

Derzeit steht eine viertägige Ausfahrt mit dem Team an, bevor Armel le Cleac’h (deadline 15.September) noch 1.200 Solo-Qualifikationsmeilen auf seinem Tri segeln muss. 

Banque Populaire, Ultim, Trimaran

Armel Le Cleac’h muss sich sputen, wenn er in einem korrekten Wetterfenster die Quali-Meilen für die Route du Rhum schaffen will © bp

Es wird gemunkelt, dass le Cleac’h derzeit etwas nervös wirkt. Verständlich, denn die zeitliche Planung könnte enger nicht sein. Und irgendwie scheint für den Bretonen über der Route du Rhum eine Art Fluch zu lasten. Denn bei der letzten Ausgabe des Hochseeklassikers musste le Cleac’h wegen einer Verletzung den Trimaran der lebenden Segellegende Loick Peyron überlassen. Und der siegte PR-trächtig mal eben kalt lächelnd gegen die favorisierte, weil größere „Spindrift“. 

30 Meter-Monster im Flugmodus

Überhaupt, sind die Ultim-Skipper alle im Route du Rhum Vorbereitungsfieber. So lässt derzeit auch Sebastien Josse keine Gelegenheit aus, seine „Gitana“ zu bewegen und sie möglichst oft das „Beinchen“ heben zu lassen, sprich: die Foils in Aktion zu bringen. 

Banque Populaire, Ultim, Trimaran

Josse hat seine Qualifikation über 1.200 Seemeilen mal eben schnell in 2,5 Tagen erledigt © stichelbault/gitana

Josse hat seine RdR-Qualifikation bereits im August absolviert. Er wählte dafür ein Wetterfenster, das ihm nicht nur eine ruhige und möglichst ereignislose Fahrt garantierte, sondern peilte auch ein Tiefdruckgebiet an, das ihm Windböen mit über 35 Knoten bot. So wollte er testen, ob er das Boot wirklich auch bei „Schietwetter“ im Griff hat.

Interessanterweise war Josse dabei zum ersten Mal seit vier Jahren mehr als zehn Stunden alleine an Bord eines Trimarans. Seine letzte Solo-Fahrt war die Route du Rhum vor vier Jahren, bei der er noch auf einer MOD70 den Atlantik überquerte. 

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Sebastien Josse schwärmt von der Hochseefähigkeit seines Monsters © stichelbault/gitana

Die 1.200 Seemeilen entlang des bretonischen Finisterre, hinauf in die Irische See, quer durch die Biskaya und zurück nach Lorient erledigten Josse und „Gitana“ mal eben schnell in 2,5 Tagen! Und zwar ohne Bruch und Auffälligkeiten an Mann und Boot.

Peter Burling “testet” “Gitana”:

Nach der Tour schwärmte der ansonsten eher wortkarge Segler vom traumhaft ruhigen Segelverhalten auf den Foils und der Hochseefähigkeit seines Ultim-Trimarans und wie viel sicherer man sich doch auf einem Ultim fühlen könne, als früher auf den nervösen MOD 70. Nach der Transat Jacques Vabre 2017, die er zu zweit auf „Gitana“ segelte, klang vor allem die Beurteilung der Foil-Fähigkeit seines Trimarans noch ganz anders.

Mal eben schnell 1.200 Semeielen in 2,5 Tagen

Thomas Coville wird derzeit häufig auf seinem „alten“ Sodebo-Trimaran, mit dem er im Winter 2016 die schnellste Einhand-Nonstop-Weltumseglung aller Zeiten schaffte, vor La Trinité gesichtet. Er ist bekannt dafür, dass er viel häufiger alleine trainiert, als die anderen Ultim-Skipper.

Und Francois Gabart, der Covilles Rekord letzten Winter gleich wieder knackte,  zieht ebenfalls vor seinem Heimathafen Port La Foret Trainingsbahnen, die in zwei bis drei Stunden schnell die Ausmaße eines langen, langen Cruiser-Törns vor der bretonischen Küste annehmen können. Auch seine „Macif“ verbrachte einige Monate in der Werft, wo an dem Trimaran grundlegende Veränderungen vorgenommen wurden, besonders an den Foils.

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Francois beim Solo-Training auf seiner “Macif” © macif

Die französische Szene sieht als wichtigste „News“ aus der Ultim-Klasse, dass nunmehr die drei neuesten Trimarane , also „Macif, Gitana und Banque Populaire“ mit einem T-Foil unter dem Hauptrumpf ausgestattet sind. Auch die derzeit im Bau befindliche „Sodebo“, mit der Thomas Coville in einem Jahr die Premiere von „Brest Oceans“ (Einhand-Nonstop-Weltumseglung auf Ultim-Trimaranen) gegen seine Kollegen segeln will, soll mit dem T-Foil bestückt sein. 

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Für Thomas Coville dürfte die kommende Route du Rhum die letzte Regatta auf der guten alten Sodebo sein.

Somit ist das, was noch vor drei Jahren nicht für möglich gehalten wurde und womit „Gitana“ einen Anfang machte, mittlerweile erklärter Standard bei den Ultim-Trimaranen geworden: Dank des T-Foils unterm Hauptrumpf heben sich tatsächlich die 30 Meter langen und 25 Meter breiten Monster vollständig aus dem Wasser. Foils verleihen eben selbst den größten Brocken Flügel! 

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Banque Pop und Gitana vereint im Hafen La Base/Lorient. © SegelReporter

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Michael Kunst

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