Route du Rhum: Die legendäre Einhand-Transatlantik-Regatta feiert 40 jähriges Jubiläum

Das Millionenspektakel

80.000 Euro Teilnahmegebühr für einen Ultim-Trimaran wie die Macif von Francois Gabart – die Route du Rhum ist in vielerlei Hinsicht ein aufwändiges Event. Einige Zahlen… 

Rein segelsportlich betrachtet, ist die Route du Rhum – im zweijährigen Wechsel mit der Vendée Globe – sozusagen das „andere“ Hochsee-Highlight für die Franzosen. Die Einhand-Transatlantik-Regatta gilt als eines der „ultimativen“ Abenteuer für Hochseesegler und kann sich rühmen, die Größten der Großen unter ihren Teilnehmern gehabt zu haben. Was natürlich auch in der Gegenwart und nahen Zukunft (Start ist der 4.11.2018) seine Gültigkeit behält. 

124 Seglerinnen und Segler aus 11 Nationen werden voraussichtlich mit ihren Rennboliden dieses Jahr die Startlinie vor der bretonischen Stadt St. Malo überqueren – eine Rekord-Teilnehmerzahl, die dem Jubiläum geschuldet und somit höchst erfreulich für die Organisatoren ist, allerdings auch für einigen Mehraufwand sorgt. 

route du rhum

Am 4. November geht’s wieder los – Startschuss vor St. Malo zur Route du Rhum © rdr

Ende letzter Woche wurde die Regatta in Paris offiziell einem geladenen Publikum aus Wirtschaft, Politik und natürlich Medien (800 Gäste) vorgestellt. Dabei machten die Organisatoren (Agentur OC Sports Pen Duick) der Route du Rhum (RdR) auch ihre Budgets transparent. Ein kleiner Einblick in das, was anderen Nationen der Hochseesegelsport wert ist – bei einer einzelnen, wenn auch besonders prestigeträchtigen Regatta. 

500 m neue Stege – 120.000 Euro

Demnach pendelt sich derzeit das Gesamtbudget der Regatta zwischen 7,5 und 8 Millionen Euro ein. Was im Vergleich zur letzten Ausgabe 2014 nur ein leichtes Plus erkennen lässt (7,3 Millionen Euro). 

Die Zielregion – das französische Überseeterritorium Guadeloupe in der Karibik – gibt 1,5 Millionen Euro für den Status „Titel-Partner“ in den Organisationstopf und 1,05 Millionen Euro, um überhaupt als Zielort fungieren zu dürfen. Nach eigenen Angaben investiert Guadeloupe jedoch gesamt 6 bis 7 Millionen Euro, wenn man notwendige Baumaßnahmen vor Ort addiert. 

Der Stadt Saint Malo ist der traditionelle Titel „Starthafen der RdR“ 1,1 Millionen Euro wert, die Region Bretagne legt nochmals 395.000 Euro obendrauf. Knapp 400.000 Euro zahlt auch die Banque Populaire Ouest (Volksbank), die ebenfalls als Hauptsponsor agiert. Alle weiteren (über 20) Partner geben im Durchschnitt 100.000 Euro für ihre Partnerschaft mit der RdR aus. 

Die in diesem Jahr überdurchschnittlich hohe Anzahl teilnehmender Boote hat jedoch auch zu deutlich Mehraufwand im infrastrukturellen Bereich geführt. So mussten etwa in St. Malo die Hafenbecken neu überdacht und organisiert werden, damit Platz für (fast) alle teilnehmenden Yachten geschaffen wird. Es wurde eine neue „Marina“ für die immerhin 21 teilnehmenden IMOCA  geschaffen (130.000 Euro) , im Vorhafenbereich wurden 550 m neue Stege für die Ultim-Trimaran-Klasse angelegt (120.000 Euro), die nicht durch die Schleuse von St. Malo passen. 

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Die schärfsten Rennboliden werden einhand nonstop über den Atlantik gepuscht © rdr

420 „ehrenamtliche“ Helfer werden allein in St. Malo für die Regatta mobilisiert, 72 Sicherheits-Mitarbeiter den Hafenbereich Tag und Nacht absichern (die genaue Anzahl Polizisten und wahrscheinlich auch Soldaten, die am Starttag das Event absichern werden, ist noch nicht bekannt). Allein für den Start werden 120 Personen auf über 50 Schlauchbooten aktiv sein. 

80. 000 Euro Teilnahmegebühr

Doch auch auf der „Haben“-Seite ist Wachstum angesagt. Auf 50.000 qm werden im „Race-Village“  172 Aussteller erwartet, die teils als „saftig“ empfundene Mietpreise für ihre Stellflächen bezahlen werden. Und apropos „saftig“: Unabhängig davon, wieviel eine Transat-Kamapagne die Segler (und deren Sponsoren) per se kostet – allein die Teilnahmegebühren für das Rennen sind schon kernig genug: solche ULtim-Trimarane, die spezielle Sicherheitsvorkehrungen „auf Reede2 bzw. im Vorhafenbecken benötigen, zahlen 80.000 Euro Teilnahmegebühr. Kleinere (ältere) Ultim, die ins Hafenbecken passen, zahlen „nur“ 50.000 Euro. Auf einem IMOCA ist man mit 20.000 Euro dabei, ein Multi 50 kommt noch auf 10.000 Euro, eine Class 40 schlägt mit 8.000 Euro zu Buche und die „Klassiker“-Klassen Rhum Mono und Rhum Multi müssen 6.000 Euro Startgebühr „abdrücken“. 

Wieviel auf der „Haben“-Seite übrig bleiben wird, ist schwer abzuschätzen und wird (logisch) von den Rennorganisatoren und Sponsoren nicht beziffert. Nur die Insel Guadeloupe zeigt sich offen und entsprechend optimistisch: Bei einer Investition von gesamt sechs bis sieben Millionen Euro rechnet man mit einem werblichen und PR-spezifischen Gegenwert von 20 Millionen Euro. Also eine echte Win-Win-Situation, zumindest für die stark vom Tourismus abhängige Insel.

Und auch bei „Macif“ oder „Banque Populaire“ kann man bekanntlich rechnen. So relativiert sich der vermeintlich hohe Eintrittspreis für Ultim-Trimarane angesichts einer geschätzten werblichen Leistung der Boote allein beim Start der Route du Rhum, der von 800 Journalisten in alle Welt übertragen wird. Die spektakulären Renner werden jeweils mindestens (basierend auf den Erfahrungen der letzten Ausgaben) den Gegenwert von 10 Millionen Euro in TV- und Printmedienwerbung erzeugen… 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Route du Rhum: Die legendäre Einhand-Transatlantik-Regatta feiert 40 jähriges Jubiläum“

  1. avatar fastnetwinner sagt:

    “Hafenbecken neu überdacht” finde ich super, jetzt wo die Regensaison anfängt. Wünsche ich mir für Kiel auch. Mit Solarzellen drauf. 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

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