Route du Rhum: Die Zeit der Qualifikationen verstreicht – Schlechtwetterfronten nahen

Auf den letzten Drücker

Armel Le Cleac’h denkt seit Monaten nur an das Eine: die Route du Rhum!

Charal, Bureau Vallée, Café Joyeux, Use it again und Banque Populaire sind nur einige, die derzeit letzte Möglichkeiten wahrnehmen, um sich für die legendäre Route du Rhum zu qualifizieren. 

Es liegt so etwas wie Vorfreude in der Luft. Liest sich vielleicht ein bisschen “aufgesetzt“, ist aber tatsächlich so: Die französische Hochseeszene freut sich auf den Start der Route du Rhum. Und das nicht nur, weil die legendäre Einhand-Transatlantik-Regatta dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiert.

Wobei die Freude durchaus unterschiedlicher Natur ist. Die Einen können als Zuschauer kaum das Spektakel erwarten, das sich ihnen garantiert wieder am 4. November vor St. Malo bieten wird. Andere, wie die unzähligen Preparateure, Techniker und Werftarbeiter werden dieses Datum herbeisehnen, weil dann der Vorbereitungsmarathon für die ihnen anvertrauten Boote endlich und endgültig vorbei sein wird. Und die Dritten im Bunde, die Skipper und SkipperInnen, können dann endlich genau das „in Angriff nehmen“, für das sie seit Monaten und Wochen Unmengen Energie und Gelder aufgewendet haben: Einhand-Segeln bis hintern Horizont und weiter. 

Auch Helden müssen sich qualifizieren

Eine besondere Deadline in all dem Gedöns vor dem Start ist dieses Jahr der 15. September. Zu diesem Zeitpunkt müssten offiziell alle Teilnehmer ihre 1.200 Qualifikationsseemeilen einhand und nonstop absolviert haben. Nun könnte man meinen, dass sich ein Großteil der Gemeldeten schon per se aufgrund ihrer Einhanderfolge in der Vergangenheit für dieses Rennen qualifiziert haben. Zum Beispiel ein Francois Gabart, der mit seinem Ultim-Trimaran immerhin vor einem Jahr die Welt einhand und in Rekordzeit umrundete. Oder ein Armel le Cleac’h, der die letzte Vendée Globe gewann und dieses Jahr bei der Route du Rhum zwar nicht auf einer IMOCA, sondern auf seinem Ultim-Trimaran „Banque Populaire“ starten wird. Auch ihm spricht wohl keiner die nötige Erfahrung für so ein Transatlantik-Rennen ab. Ganz zu schweigen von den „alten Hasen“ wie etwa Bertrand de Broc oder Charlie Capelle, die auf fast schon historischen Rennmaschinen in der Classe Rhum starten werden.

Skipper Sidney Gavignet – nomen est omen:” joyeux” wird mit “fröhlich” übersetzt © Pierrick Contin

Und dennoch zeigt sich die Regattaleitung in Sachen „Qualifikation“ unnachgiebig: Jeder und jede MUSS sie auf dem Schiff absolvieren, auf dem später die Regatta gesegelt werden soll. Schließlich will man so auch erfahren, ob das Boot in einem transatlantikfähigen Zustand ist. Denn mitunter gehen manche Skipper etwas allzu locker mit „dem Bisschen Atlantiküberquerung“ um. 

Allerdings wurden einige Quali-Wege über bestimtme Regatten eröffnet: so können etwa Alle Teilnehmer der Transat-Bakerly , sofern sie auf dem gleichen Boot wie bei der RdR starten, auf eine Qualifikationsrunde verzichten. Das Gleiche gilt für die Teilnehmer des „Dhream-Cup”. 

Lediglich bei der Deadline lassen die Organisatoren derzeit mit sich reden. Hier werden durchaus Verlängerungen akzeptiert, wenn es sich dabei auch nur um ein paar Tage handeln darf. 

Letzte Möglichkeiten

So kam es, dass in den letzten Tagen von den großen französischen Regattahäfen aus einige RdR-Teilnehmer sozusagen auf den „letzten Drücker“ zu ihrer Qualifikationstour starteten. Wie etwa Louis Burton, der auf seiner IMOCA Bureau Vallée von St. Malo vor drei Tagen aus lossegelte und jetzt schon wieder auf dem Rückweg sein dürfte. 

Gestern Morgen machte sich Sidney Gavignet von Lorient aus auf den Weg. Der 49-Jährige Profisegler (2009 – 2017 1.Skipper bei Oman Sails, mehrfacher Weltrekordler, 4 VOR-Teilnahmen, 2 x RdR) wird die Route du Rhum auf einem 52-Fuß-Monorompfer aus dem Jahre 2007 in der Klassiker-Klasse „Rhum Mono“ absolvieren. Sein neuer Sponsor passt (nach Aussagen seiner Vorbereitungscrew) perfekt zu seiner herzlichen Art, die er sogar in Stresssituationen an den Tag legt: „Café Joyeux“ ist eine mittlerweile große französische Coffee-Shop-Kette, die sich dadurch auszeichnet, dass sie überproportional viele behinderte Menschen in ihr Personal integriert. Gavignet schrieb gestern Abend seine erste Mail von Bord: „Sonnenuntergang! Alles bestens, das Boot ist perfekt vorbereitet, großer Dank an das Team… es läuft!“ 

Der Stier „Charal“ unterwegs

Gestern Abend machte sich, ohne das ansonsten durchaus übliche Brimborium aus begleitenden Presse-Zodiacs, auch Jeremie Beyou auf seiner nagelneuen„Charal“ auf den Weg.  Der Drittplatzierte bei der letzten Vendée Globe ist auf dem derzeit wohl spektakulärsten IMOCA-Foiler erst ein paar Stunden alleine gesegelt und sieht die 1.200 Qualifikations-Seemeilen auch als eine Art Generalprobe für das Zusammenspiel zwischen Skip und Boot. In der Szene macht man sich dabei kaum Sorgen, weder um Segler, noch um Boot: perfekt „präpariert“ werden „Charal“ und Beyou ihren Weg machen. Und sollte doch ein Problem auftauchen – fast alles kann man mit einem guten Team lösen. 

Route du Rhum, Qualifikation

Der Stier “Charal” in Action © charal

Gewisse Probleme hatte dagegen ein dritter Segler, der gestern zu seiner Qualifikation „auf den letzten Drücker“ aufbrach: Romain Pilliard, ein in der aktuellen Offshore-Szene eher unbekannter Segler, will die Weiten des Atlantiks mit dem Boot einer ungleich bekannteren Dame bezwingen. Denn Pilliard segelt auf dem ältesten Ultim-Trimaran der Flotte mit dem neuen, durchaus treffenden Namen „Use it again“. Auf diesem Trimaran erledigte Dame Ellen MacArthur 2005 ihren Einhand-Nonstop-Weltrekord rund um die Welt. Der ehemalige Figarist (einige Regattaerfolge um die Jahrtausendwende) bezeichnet sich selbst als „aufmerksamen Reisenden“, der mit seiner Familie viel in der „Weltgeschichte unterwegs ist“. Er will mit seinem Sponsor „Use it again“ – ein französisches Unternehmen, das sich beispielsweise im Mobiltelefonbereich erfolgreich für Wiederverwendung und Reparatur von Produkten einsetzt, anstatt sie achtlos wegzuwerfen – Akzente in der Französischen Seglergemeinde setzen. 

Pilliard behauptet von sich, dass er noch nie einen Ultim-Trimaran alleine gesegelt sei. Allerdings war er bereits öfters auf MOD 70 und ORMA als Co-Equipier dabei. U.a. auch bei Ellen MacArthur. 

Nachdem das Boot in einer kurzfristigen Hauruck-Aktion zumindest technisch Route-du-Rhum-fähig gemacht wurde, setzte er gestern vor Lorient das Großsegel – und riss es gleich ein. Beim Hissen war Pilliard nicht aufgefallen, dass noch das Cunningham dichtgeholt war. Bei einem 10 Jahre alten Segel kann sich sowas, bei beharrlichem Winchen des Falls, fatal auswirken… 

Also schnell den Segelmacher angerufen, ein Zodiac an den Steg geschickt um ihn abzuholen und zwei Stunden später war der Schaden notdürftig repariert. Kurz darauf segelte der Einhand-Trimaran-Novize ins Dunkel der bretonischen Nacht… 

Banque Pop: Palme drauf, Palme runter, Palme drauf

Kurz, ganz kurz nur machte man sich in der Szene von „La Base“ sogar Sorgen um die Qualifikation von Armel le Cleac’h. Denn auch der „Banque-Pop-Vorzeigeskipper“ muss noch die 1.200 Seemeilen auf seinem gerade reparierten Ultim-Trimaran „Banque Populaire“ rocken. Was er, wie sein Kollege Josse auf „Gitana“, in ca. 2,5 Tagen mal eben schnell schaffen könnte. 

Doch nachdem sein Trimaran spektakulär und medienwirksam nach langer Reparatur-Phase (siehe SR-Bericht) wieder foilbereit in den Boxen stand, nachdem drei oder vier Test-Ausfahrten vor Lorient im Team abgehalten wurden, kam wieder der Kran vorgefahren und nahm den nagelneuen Mast vom Boot. Weitere drei Tage verschwand „die Palme“  in den Werfthallen, doch seit Kurzem steht sie wieder stolz auf dem dreibeinigen Monster. Ein kleines Karbonteil war gebrochen, aber man wollte unbedingt auf „Nummer sicher“ gehen. 

Heute oder morgen soll es dann auch für le Cleac’h losgehen. Er sollte sich sputen: Unter anderem aufgrund meteorlogischer Störungen verursacht durch den Wirbelsturm „Florence“ vor der US-Ostküste, werden teils heftige Tiefausläufer in der Irischen See und in der Biskaya erwartet. Noch sind die Meteorologen sich nicht einig, doch gilt: Lieber jetzt als später… es könnte für die RdR zu spät werden. 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Route du Rhum: Die Zeit der Qualifikationen verstreicht – Schlechtwetterfronten nahen“

  1. avatar breizh sagt:

    Armel Le Cléac’h & Charal sind mit der Quali durch. ALC hat seine 1.200 Meilen mal eben in 2,5 Tagen abgerissen. Zu den Anderen finde ich nichts. Weiß einer hier mehr?

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