Route du Rhum: Herrmann auf Rang fünf – Vincent Rious Tränen über Platz vier

"Ich habe es auch genossen"

Boris Herrmann hat seine erste Route du Rhum auf Rang fünf beendet. Besonders zum Schluss der Regatta konnte er noch viel Druck machen. Gegner Riou erklärt seine Probleme.

Selten sieht man die Einhand-Helden so emotional. Vincent Riou konnte nach dem Ziel seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Top-Favorit bei dieser Route du Rhum kam als vierter Skipper ins Ziel, und es passte zu seinem Rennen, dass er damit auch noch das Podium um 21 Minuten und 30 Sekunden verpasste – ein Wimpernschlag in Atlantik-Überquerer-Dimensionen. Platz drei war plötzlich in Reichweite geraten, nachdem Alex Thomson seine 24-Stunden-Strafe aufgebrummt worden war.

Vincent Riou. © RdR

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass ein solcher dritter Platz am Grünen Tisch die Leiden von Riou gelindert hätten. Er wollte gewinnen, und war ganz nahe dran, 14 Jahre nach seinem Vendée Globe-Sieg einmal wieder bei einer richtig großen Einhand Regatta zu triumphieren.

Bei den vergangenen beiden Vendées wie auch bei der Route du Rhum musste er aufgeben, diesmal wollte er mal wieder ganz vorne punkten, und hatte ein bestens vorbereitetes Boot an der Startlinie, mit dem er schon im Vorfeld starke Leistungen ablieferte. Aber nach starkem Beginn wurde er immer langsamer.

“Eine Katastrophe”

Er erklärt: “Dieses Rennen war für mich eine kleine Katastrophe.” Er sei in eine Abwärtsspirale geraten, wurde immer müder, versuchte, noch härter zu arbeiten, um aufzuholen, und machte immer mehr Fehler. Der Startpunkt der Entwicklung sei der Verlust der Windinstrumente zu Beginn des Rennens gewesen. Ohne die Technik konnte der Autopilot nicht mehr den vorgetrimmten Kurs zum Wind steuern, sondern nur noch einen Kompasskurs. Damit litt seine Leistung, und Riou musste viele Stunden selber am Steuer stehen.

Zum Schluss führte die Übermüdung dazu, dass er seinen Spinnaker verlor. “In den letzten vier Tagen habe ich wohl fast alles auf dem Boot kaputt gemacht. Ich kämpfte die ganze Zeit kämpfte, anstatt zu segeln, wie ich es normalerweise tue: instinktiv und nach Gefühl. Ich bin ich froh, dass diese Tortur vorbei ist. Aber das ist nicht das, was ich mir vorgenommen hatte.”

Schlafentzug führe zu extremen Gefühlen. “In Sekunden wandelt sich die Stimmung vom Lachen zum Weinen. Normalerweise schlafe ich viel mehr bei einem solchen Rennen. Aber ich hatte keine andere Wahl, als zu versuchen, in diesem Rennen zu bleiben. Ein vierter Platz auf der Route du Rhum ist keine Katastrophe, aber es ist nicht das, wofür ich gekommen bin.”

“Es war strapaziös”

Was für ein Kontrast zwischen dem niedergeschlagenen Riou und dem strahlenden Boris Herrmann, der dem schwächelnden Seeheld am letzten Tag noch einmal ziemlich auf die Pelle gerückt war.

Herrmann hat ein starkes, solides Rennen abgeliefert für einen Einhand-Rookie bei dieser Regatta. Und die gute Vorbereitung zeigte sich besonders darin, dass er auf den letzten Meilen noch einmal richtig Druck machen konnte. Das Schiff war gut in Schuss, und der Hamburger hat sich die Kräfte offenbar gut eingeteilt.

Boris Herrmann

Boris Herrmann freut sich über Rang fünf. © Boris Herrmann Racing

Wer weiß, was drin gewesen wäre, wenn er zu Beginn nicht in der Flaute hängen geblieben wäre, die ihn vom Feld separierte und offenbar zu einem anderen Kurs zwang. Herrmann sagt: “Es war strapaziös, ohne Frage, extreme Bedingungen teilweise über viele Stunden. Aber ich habe die Passage auch genossen. Das Boot und ich sind inzwischen eine fest zusammengeschweißte Einheit. In das Potential der ‚Malizia‘ habe ich hundertprozentiges Vertrauen.” 

Boris Herrmann

“Was für ein Rennen. Du solltests sehr stolz sein.” Das postet Alex Thomson zu diesem Bild. © Hugo Boss

Für ihn sei es ein wichtiger Test auf dem Weg zur Weltregatta Vendée Globe 2020/21 gewesen. Er habe vor allem sicher ankommen wollen und möglichst im ersten Viertel ankommen. Mission completed!

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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