Route du Rhum: Loick Peyron findet Schlupfloch und baut Vorsprung aus

Hochs und Tiefs

Der "Asterix der Meere" segelt schlau den anderen davon © selfie Peyron

Der “Asterix der Meere” segelt schlau den anderen davon © selfie Peyron

Die einen dümpeln in der Hochdruckzone, die anderen müssen bald durchs Tief – gemischte Verhältnisse bei der RdR. Class-40-Leader Rogues gibt auf.

Man kann es sich deutlich vorstellen, wie Loick Peyron – den seine Fans mitunter auch den Asterix der Meere nennen – als Führender der großen Ultime-Klasse auf seiner „Banque Populaire“ mit einem schelmischen Grinsen gestern gerade noch die letzten Wind-„Drücker“ erwischte, um sich an einer Hochdruck-Zelle vorbei zu schmuggeln.

Sein direkter und wohl auch einziger ernsthafter Konkurrent auf den Gesamtsieg, Yann Guichard auf dem größeren und schneller eingeschätzten Trimaran, „Spindrift 2“, parkte 140 Seemeilen zurückliegend  für einige Stunden in einer „Dümpelzone“ ein.

Heute Morgen um zehn Uhr rasten beide Yachten allerdings schon wieder mit einer Geschwindigkeit von 25 Knoten Richtung Antillen. Der Abstand zwischen „Banque Populaire“ und „Spindrift“ ist mittlerweile jedoch auf 173 Seemeilen angestiegen. Das ist selbst für den Weltrekordler um die Welt ein harter Brocken.

Gemeinsamer Schlafrhythmus an Land, auf See

Entsprechend angeschlagen meldete sich Yann Guichard von seiner Spindrift mit einem kleinen Video, auf dem der ziemlich verschlafen wirkenden Skipper bei „wenig Druck in der Luft“ ein paar Grußworte in den Äther schickte.

Peyron wiederum postet ausgesprochen gutgelaunt auf Facebook. Das Wetter sei deutlich besser, wärmer, die See ruhiger, er habe sich zum ersten Mal seit dem Start was „Warmes“ gekocht… „genau der richtige Zeitpunkt für einen Angriff!“ Soll heißen: „Ich bin aus dem „Hauptsache-durchkommen-Modus“ zum taktischen Segeln übergegangen.

Gerade noch durchgekommen – Loick Peyron auf Banque Polulaire © martinez

Gerade noch durchgekommen – Loick Peyron auf Banque Polulaire © martinez

Dabei hilft ihm übrigens von Land aus Armel Le Cleac’h, der ja ursprünglich den blauen Riesentrimaran über den Atlantik hetzen sollte, aber kurz vor dem Start verletzt das Ruder an seinen Kumpel Peyron übergeben musste. Aus Kreisen der Landcrew ist zu vernehmen, dass le Cleac’h ähnlich wenig geschlafen hat seit dem Start der RdR, wie Peyron draußen auf See.

Rein ins Tief

Bei den IMOCA sieht die Lage ganz anders aus. Die gesamte Flotte der Open 60 schloss sich Leader Francois Gabart auf „Macif“ an und fuhr in den ersten Tagen einen deutlich westlicheren Kurs als die schnellen Riesen-Tris. Das bescherte ihnen jetzt östlich der Azoren ein weiteres Tiefdruckgebiet. In einer 20-Knoten-Brise aus Südwest kreuzen die IMOCAS derzeit auf, um gegen Mittag in das Tiefdruckgebiet einzutauchen.  Kaum haben die Skipper ihre Wunden der ersten, ausgesprochen rauen Tage geleckt, geht es weiter mit Extrembelastungen für Mensch und Material.

Alessandro di Benedettos IMOCA im Dauerglitsch © benedetto

Alessandro di Benedettos IMOCA im Dauerglitsch © benedetto

Francois Gabart führt weiter die großen Einrumpfer an, „hütet sich aber vor Jeremie Beyou auf „Maitre Coq“, der in „Schlagweite“ mit 42 Seemeilen Rückstand auf Platz Zwei lauert. „Da reicht es, wenn ich irgendeinen Schaden über ein paar Stunden hinweg bei reduzierter Geschwindigkeit reparieren muss… und schon ist er wieder da!“ schreibt Gabart von Bord an die Regattaleitung.

Rogues gibt auf nach Riss im Groß

Eine ähnliche Wettersituation wie die „Großen“ haben die etwas kürzeren Class 40 vor sich. Deren Flotte segelt relativ geschlossen vor der Iberischen Halbinsel. Der Westwind mit derzeit 15 Knoten Stärke wird einem deutlich stärkeren Südwest Platz machen – auch bei den Class 40 wird es also ab Nachmittag oder früher Abend auf der Kreuz deutlich ruppiger zugehen. Die Spitzengruppe wird sich wohl westlicher als bisher halten, um einen möglichst großen Abstand zum eher schwachwindigen Hoch über Madeira zu schaffen.

Sebastien Rogues, Überflieger in der Class 40, muss nach Segelriss aufgeben © breschi

Sebastien Rogues, Überflieger in der Class 40, muss nach Segelriss aufgeben © breschi

Die Karten bei den Class 40 sind dabei völlig neu verteilt worden: Der bis dato überragende Sebastien Rogues funkte von seiner „GDF Suez“, dass er sich bei einem Manöver das Großsegel zerrissen habe. „Ich kann das Groß jetzt nur noch bis Höhe zweites Reff hochziehen,“ erklärte er.

„Mit so einem Handtuch brauche ich den Trip auf die andere Seite nicht mehr fortzusetzen!“ Sprach’s und drehte ab Richtung Spanien. Wohlgemerkt: Die Havarie steht nicht im Zusammenhang mit der Rettungsaktion von Pierre Antoine auf „Olmix“ (Blitzeinschlag auf hoher See), zu der die Regattaleitung den in der Nähe segelnden Rogues beordert hatte.

Die 75 jährige Segellegende Robin Knox-Johnston hat sich auf seiner „Grey Power“ in der Rhum-Klasse auf Rang 7 vorgearbeitet. Der Abstand zum weiterhin führenden Andrea Mura beträgt allerdings 168 Seemeilen.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Route du Rhum: Loick Peyron findet Schlupfloch und baut Vorsprung aus“

  1. avatar jorgo sagt:

    Heftig …. vorne “entspannt ” man sich bei 25 Grad und Sonnenschein und die armen “Armen” kriegen in der Biskaya wieder 55 Knoten Wind. Die Welt ist ungerecht, sag`ich doch!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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