Route du Rhum: Loick Peyron segelt 12m-Trimaran-Klassiker im Stil der Pioniere

Happy auf "Happy"

Alles Ganz altmodisch: Nur mit Sextant, Taschenmesser und… seinem IPad ! ©

Alles ganz altmodisch: Nur mit Sextant, Taschenmesser und… seinem IPad ! ©

Auf einem Schwesterschiff von Mike Birchs „Olympus“, Sieger der ersten Route du Rhum 1979, verbeugt sich der französische Hochseeheld vor den Leistungen der Einhand-Pioniere.

Als „verrückter Hund“ muss man eben immer für eine Überraschung gut sein. Loick Peyron (53), Frankreichs außerordentlich lebendige Segellegende, hat sich für die kommende Route du Rhum über den Atlantik jedenfalls wieder etwas Besonderes einfallen lassen.

Nach einem neuerlichen Engagement beim Artemis America’s Cup Syndikat bleibt ihm offenbar etwas Zeit. Von einem der modernsten Karbon-Katamarane dieses Planeten will er für einen „Schlag über den großen Teich“ auf einen Trimaran aus Holz umziehen.

Dessen Schwesterschiff hatte mit dem Skipper Mike Birch bei der allerersten Ausgabe der Route du Rhum 1979 für Furore gesorgt, als er mit 98 Sekunden Vorsprung vor dem damals als uneingeschränkten Favoriten Michel Malinovsky und dessen riesigen schwarzen Einrumpfer siegte.

Völlig entkernt und "möglichst nah am Original" neu aufgebaut– die "Happy" von Loick Peyron © Launay

Völlig entkernt und “möglichst nah am Original” neu aufgebaut– die “Happy” von Loick Peyron © Launay

Klartext: Nach einer ausgiebigen Sommer-Trainingsrunde als Steuermann auf den neuen Artemis Spielgeräten – dessen AC 72 immerhin bis auf 45 Knoten Geschwindigkeit beschleunigt – wird Peyron im Herbst auf seinen neuen, alten 12-Meter Trimaran „Happy“ umsteigen. Mit dem wird er bei einer geschätzten Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 Knoten über den Atlantik eher „dümpeln“ denn rasen.

Er wolle die Regatta in aller Ruhe „a l’ancienne“, also „wie früher“ angehen, äußerte sich Peyron gegenüber dem französischen Segelmagazin „voiles et voiliers“: „Ich habe lediglich ein Messer, einen Sextanten und meinen Schwanz dabei,“ tönte er gewohnt flapsig. Um dann gleich hinzuzufügen: „Okay, IPad und Iridium habe ich auch. Schließlich will ich andere an meinem Abenteuer live teilhaben lassen!“

Alles eine Frage des Stils: Peyron fühlt sich rundum happy auf seiner "Happy" ©Launay

Alte Tampen gegen neue Leinen ausgetauscht ©Launay

Reminiszenz an den Jedi-Meister

Tatsächlich peilt Peyron mit diesem „Nostalgieprojekt“ zwei Punkte an: Die Verbeugung vor dem Held seiner Jugendjahre, vor seinem „Jedi-Meister“ (O-Ton Peyron) Mike Birch – der 83jährige wird übrigens beim Start der Route du Rhum dabei sein –  und „endlich eine große Regatta, die ich ohne Siegesdruck und all’ den damit verbundenen Firlefanz entspannt segeln kann“.

Entsprechend hat das Projekt keinen Sponsor und wird von einem (vergleichsweise) niedrigen PR-Aufwand begleitet – obwohl der dank Loicks Popularität bereits weitaus größer ist als bei vielen anderen RdR-Teilnehmern.

„Eigentlich will ich genau so segeln, wie Birch und Co. damals unterwegs waren. Ohne stündliche Wetterprognose, ohne den geringsten Schimmer, wo die Konkurrenz gerade segelt,“ erklärt Peyron auf seinem Facebook-Blog. „Mal sehen, wie lange ich vor allem die Unkenntnis über meine Konkurrenten aushalten werde!“

Denn auch diese Route du Rhum wird wieder einige Klassiker der Hochseeregattaszene anziehen, u.a. tatsächlich zwei weitere Trimarane des Typs „A Capella“ aus der Feder des damals außerordentlich erfolgreichen Designers Walter Greene (Skipper: Jean Paul Froc und Charlie Capelle). „Vier dieser Schiffe wurden gebaut, drei segeln heute wieder die Route du Rhum,“ freut sich Peyron. Das berühmte Original, die siegreiche „Olympus“ von Birch, kenterte auf der Rückführung von der RdR im Jahre 1979 vor den Azoren und musste aufgegeben werden.

Die 49. Atlantiküberquerung steht an © Launay

Die 49. Atlantiküberquerung steht an © Launay

„Ich war schon immer in diesen Trimaran-Typ verliebt. Seine Formen, seine durchweg beherrschbaren Dimensionen…“ erinnert sich Peyron, seines Zeichens schnellster Weltumsegler aller Zeiten auf dem Riesentrimaran „Banque Populaire“.

Das Schicksal hat gewunken

Und irgendwann sah er beim America’s Cup Training in der Bucht von San Francisco in der Ferne genau diesen Nostalgietraum vorbeisegeln. Peyron versuchte, die Adresse des Skippers ausfindig zu machen und fand, trotz mehrfacher Annoncen in Tageszeitungen und Aufrufen im Web … nichts!

„Dafür war endlich der erste Schritt getan, der Wink des Schicksal wurde verstanden“ berichtet Peyron weiter gegenüber voiles et voiliers. „Ich suchte sporadisch weiter und wurde schließlich in Plymouth fündig, wo eine weitere „A Capella“ schon seit längerer Zeit auf dem Trockenen stand!“ Peyron erwarb das Schiff und segelte es nach Vannes zur Edel-Werft „Multiplast“, wo es völlig entkernt wurde. Was blieb war der Original Holzrumpf (Epoxid-verklebt), der noch in korrektem Zustand war und nur wenig aufgemöbelt werden musste.

Mit Karten und Sextant über den Teich © Launay

Mit Karten und Sextant über den Teich © Launay

Dreieinhalb Tonnen wog der Trimaran beim Kauf – Peyron will mindestens eine Tonne einsparen. Was wiederum gnadenlos mit modernen Mitteln geschieht: die Anordnung der Winschen und Blöcke war offenbar ein einziges Chaos – also wurde alles neu aufgebaut. Allein das laufende Gut wog 100 Kilo, also wurde es gegen 10 kg leichte Tampen ausgetauscht (soweit zum Thema Originaltreue ;).

Überdimensionierte Anker flogen ebenso raus wie nachträglich eingefügte Holztische oder Schränke. Den Alumast behält Peyron, die Segeln werden moderner geschnitten, mit im Topp ausgestelltem Groß. „Den so gewonnenen Speed muss ich allerdings abarbeiten!“ grinst Peyron: für jede Wende oder Halse muss das Segel gerefft werden, damit es unter dem Achterstag hindurch passt. Mit diesem furchtbaren Segelprofil aus der vermeintlich guten alten Zeit wolle er sich keineswegs wochenlang bei seiner 49. (!) Atlantiküberquerung rumschlagen, schreibt Peyron im Internet.

Quietschgelb über den Atlantik

Seit Mitte Juni schwimmt der quietschgelbe Trimaran wieder auf dem Atlantik und ca. Mitte August wird sich Loick Peyron – zwischen zwei Artemis-America’s-Cup-Trainingseinheiten- mit seinem Nostalgie-Trimaran auf einen 1.000-Seemeilen-Trip begeben. Einhand, versteht sich. Denn auch ein Held, der immerhin zum siebten Mal dabei sein wird, muss sich für die Route du Rhum qualifizieren.

Peyron Facebook

Happy auf der "Happy": Hochseeheld Loick Peyron © Launay

Happy auf der “Happy”: Hochseeheld Loick Peyron © Launay

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Michael Kunst

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