Route du Rhum: Mastbruch bei Deutsch-Französin Isabelle Joschke – “Charal” ist abgedreht

Schlachtfeld Biskaya

Isabelle Joschke hat am Morgen um 3:50 Uhr ihr Rigg verloren. Favorit Beyou hat mit seiner “Charal” schon den Rückweg angetreten, und der britsche Class 40 Mitfavorit Goodchild erlitt ebenfalls einen Mastbruch.

Isabell Joschke

Isabelle Joschke, die Deutsch-Französin, hat ihr Rigg verloren. ©Thierry Martinez

Die Situation am Ausgang der Biskaya wird immer brutaler. Nach der Ruhe vor dem Sturm, die für die meisten Teilnehmer der Route du Rhum eine längere Dümpel-Phase beinhaltete, kommt es jetzt dick von vorne. Und das 123-Boote Feld der Einhand-Segler dezimiert sich weiter.

Am Morgen meldete die 41-jährige Isabelle Joschke den Verlust ihres Riggs auf “Monin”. Die Deutsch-Französin – Deutscher Vater, französische Mutter – die zwei  Mini Transats gesegelt hat (Sieg in der 1. Etappe 2007), seit Jahren im Figaro-Solitaire-Zirkus mitmischt, und auch in der Class 40 punktete, ist seit einem Jahr in die IMOCA-Klasse aufgestiegen und hat schon starke Ergebnisse abgeliefert (SR-Interview 2017).

Isabell Joschke

Isabell Joschkes “Monin” bei der RdR. © RdR

Mit ihrem 11 Jahre alten 60 Fußer “Monin” – der ehemaligen “Safran” von Marc Guillemot, die 2016 von Yann Eliés bei der Vendée Globe auf Rang fünf gesegelt wurde – konnte sie 2018 schon zwei kleinere IMOCA-Regatten – wie den Dhream-Cup – auf Rang zwei beenden und sich Hoffnungen machen auf eine gute Route du Rhum-Platzierung.

Am ersten Tag lief es auch beachtlich für Joschke. Sie blieb dran am Hauptfeld, konnte mit ihrem Nicht-Foiler ein Duell mit Boris Herrmann bei leichteren Kreuz-Bedingungen gewinnen und wurde mit nur 14 Meilen Rückstand auf Rang fünf geführt.

Autopilot zickte

Aber nun ist ihre Route du Rhum erstmal beendet. Sie berichtet am Morgen von Bord, dass ihr Rigg über Bord gegangen ist. Der Wind hat in der Nacht schon stark zugenommen auf 35 Knoten aus Südwest, und der Seegang wurde entsprechend immer rauer.

Nicht hübsch, was der gerade auf dem Atlantik los ist.

200 Meilen nordwestlich von La Coruna segelte Joschke mit zwei Reffs im Groß und unter dem kleinen Stagsegel hoch am Wind, als der Autopilot zickte. Der 60 Fußer wendete plötzlich und das heißt, dass “Monin” mit dem Neigekiel auf der falschen Seite und dem in Lee gespannten Backstag extrem krängte. Eigentlich eine stabile Situation, und Joschke nahm sich Zeit, um die Rückwende vorzubereiten, dann brach der Mast.

Joschke meldet, dass sie nicht verletzt und bei guter Gesundheit sei. Ihr gelang es, das Rigg freizuschneiden, und das Schiff zu sichern. Dann wartete sie bis zum Tagesanbruch, um das Ausmaß des Schadens zu begutachten. Nun ist sie unter Maschine auf dem Weg nach Osten. Aber der Sprit wird nicht ausreichen, um einen französischen Hafen zu erreichen. Team-Manager Alain Gautier – ehemaliger Vendée Globe-Sieger –  organisiert die Hilfe-Optionen.

“Charal” im Schlepp

Auch der Top-Favorit Jérémy Beyou ist mit seiner “Charal” auf dem Rückweg. Nachdem er zu Beginn zeigen konnte, wie überlegen sein neuer Foiler ist, war er zuletzt immer weiter zurückgefallen. Ein Problem mit der Steuerung ließ sich nicht lösen.

Charal im Flug-Modus © Yvan Zedda

Am Morgen hat er sich mit seinem Team auf hoher See getroffen. Das gecharterte Motorboot begleitet Beyou auf dem Weg zurück nach Frankreich, und wird ihn schleppen, wenn es die Bedingungen erlauben. Ziel ist Lorient, wo die Reparaturen vorgenommen werden. Beyou hofft, danach doch noch das Rennen wieder aufnehmen zu können.

Diese Option hat Sam Goodchild nicht mehr. Der in der 53 Boote starken Class 40 Flotte mitfavorisierte Brite hat ebenfalls auf seiner “Narcos: Mexiko” das Rigg verloren. Er lag auf dem dritten Platz. Im 4:30 am Morgen ist der Mast bei harten Bedingungen von oben gekommen. Er berichtete der Rennleitung, dass er sich auf den Weg nach Brest machen werde, etwa 300 Seemeilen weiter östlich.

Ultim-Tris im Hafen

Derweil sind Sébastien Josse und Thomas Coville mit ihren schwer beschädigten Ultim-Trimaranen sicher im spanischen La Coruna angekommen. Josse hatte zuvor noch Videos von seinem abgebrochenen Rumpf geschickt.

Die Kollegen an der Spitze haben bisher auch nicht viel Spaß, da sie mit ihren Raumschots-Maschinen gen Süden kreuzen müssen. Bei diesen Bedinungen kann Francis Joyon bestens mit Francois Gabart mithalten. Aber auch Armel Le Cleac’h ist wieder voll im Rennen.

Die Situation bei den großen Trimaranen. Zwei sind nach La Coruna abgedreht.

Bei den IMOCA macht Alex Thomson wie so oft alles anders als die Konkurrenz. Als Einziger segelte er vor Brest im Norden an einer Verkehr-Verbotszone vorbei und war danach auf einen nördlichen Kurs festgelegt. Das zahlte sich am Anfang gut aus und er übernahm die virtuelle Führung. Aber er schaffte es nicht, sich vor das Feld zu legen und wendete noch einmal nach Norden weg von der Konkurrenz.

Die Situation bei den IMOCA. Thomson segelt weit nördlich vom Feld

Vincent Riou mit “PRB” und Paul Meilhat mit seinem Nicht-Foiler “SMA” segeln als härteste Konkurrenten weiter einen südlichen Kurs und die Schere ist wieder weit aufgegangen. Boris Herrmann segelt mit einem Rückstand von 80 Meilen auf Platz sieben.

Arnt Bruhns liegt mit seiner “Iskareen” auf Platz 33 in der Class 40. Zwölf der 53 Schiffe haben schon aufgegeben oder sind auf Gegenkurs gegangen.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Route du Rhum: Mastbruch bei Deutsch-Französin Isabelle Joschke – “Charal” ist abgedreht“

  1. avatar Felix sagt:

    Die Situation von charal ist nicht verwunderlich, das Boot ist brandneu, hat vermutlich noch ein paar Kinderkrankheiten und vermutlich soll es nicht gleich zerstört werden. Als Favoriten konnte man ihn eigentlich gar nicht sehen da die Erfahrung auf der neuen imoca noch viel zu gering ist. Letztendlich ist der Geschwindigkeitsvorteil zu gering um die extreme Erfahrung von Alex Thomson, Vincent Riou und Paul Meilhat Auszustechen. Deren Yachten sind selbst unter idealen Bedingungen maximal 1-1,5kt langsamer dafür sind sie schon erprobt und ihre Segler kennen die Boote genau. Ich denke die Geschichte wird sich irgendwo zwischen denen Drei entschieden, je nachdem wie gut die Route von Alex Thomson funktioniert. Und wie die Bedingungen später sind. Bei sehr schwachem Wind könnte sma ohne foils einen kleinen Vorteil haben.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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