Route du Rhum: Sebastien Josse auf Rang Drei – Duell um Rang Vier auf den letzten Seemeilen

Dritter, dennoch Sieger

Sebastien Josse bei der Arbeit auf der "Edmond de Rothschild" © Zedda/Gitana

Sebastien Josse bei der Arbeit auf der “Edmond de Rothschild” © Zedda/Gitana

Die „Ultime“-Skipper Josse, Lemonchois, Gavignet liegen bereits im Hafen, heute Nachmittag werden Ellies und Joyon erwartet . Stehen sie im Schatten der beiden Erstplatzierten?

Wer bei einer Regatta in einer der modernsten und schnellsten Yachten der Welt antritt, will sich mit anderen messen und dabei möglichst weit vorne mitmischen. Ohne wenn und aber.

Doch der echte Vergleich funktioniert bekanntlich nur, wenn sich die Sportgeräte zumindest im Prinzip ähneln. Bei der diesjährigen Route du Rhum können das „nur“ die IMOCA und die Class 40 von sich behaupten. In den anderen RdR-Kategorien sind die Unterschiede der gegeneinander segelnden Yachten mitunter so eklatant, dass sie einander ähneln „wie Tag und Nacht“, wie es Sieger Peyron bei seiner Ankunft in Pointe-a-Pitre formuliert hatte.

Rang Drei, aber Sieger bei den  "normalen" Ultimes © courcoux

Rang Drei, aber Sieger bei den “normalen” Ultimes © courcoux

Bei den Trimaranen der „Ultime“-Klasse fallen vor allem die beiden Erstplatzierten „Banque Populaire“ und „Spindrift “ wegen ihrer Ausmaße deutlich aus dem Rahmen der restlichen „Ultime“-Flotte. Das geht sogar so weit, dass die Ultime-Skipper untereinander eine Art „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ ausgemacht haben: Die beiden Großen sollen sich mit schieren Dimensionen untereinander beharken, die anderen machen den „wahren Sieger“ unter sich aus.

Schlafen nur bei Ohnmacht

Entsprechend fühlte sich der 39 jährige Sebastien Josse, als er auf seiner nur rudimentär für den Einhand-Betrieb umgebauten MOD 70 „Edmond de Rothschild“ als Drittplatzierter über die Ziellinie segelte, als Sieger – und nichts anderes. „Ich habe immer schon gesagt, dass die Großen keine Gegner sind. Sollen sie doch vorne wegfahren. Die wahre Regatta spielt sich auf unserem Niveau ab. Wenn ich von den kleineren „Ultime“ als Erster über die Ziellinie segle, bin ich der Sieger. Genau das hat mich immer wieder angetrieben!“

Josse beschreibt den Verlauf der Regatta als einen Kampf mit sich selbst und einen Wettstreit mit den anderen „kleinen Ultimes“. Interessant: Im Gegensatz zu vielen anderen, betrachtet er dabei seine Yacht als Partner. „Ich segele seit drei Jahren auf der „Edmond“, trainiere 150 Tage im Jahr. Das schweißt zusammen – wir kennen uns in- und auswendig!“

Skipper mit Sinn fürs Poetische: Sebastien Josse © Zedda/Gitana

Skipper mit Sinn fürs Poetische: Sebastien Josse © Zedda/Gitana

Am Anfang, in den schwierigen Wetterphasen, habe man einfach „nur“ den richtigen Rhythmus finden müssen, man musste dauernd „auf der Hut“ sein und durfte so wenig wie nur irgend möglich dösen, berichtet er weiter. Er habe sich nach drei Tagen zum ersten Mal zum Schlafen hingelegt.

„Vorher war ich viel zu angespannt, um überhaupt an Schlaf zu denken, außerdem ist es in diesen Boliden bei Seegang so laut, da muss man schon in Ohnmacht fallen, um etwas zur Ruhe zu kommen!“ Die Schwerwetterphase habe er dank seines jahrelangen Trainings gut überstanden , „Schiff und ich hatten unseren Rhythmus. Das hatten wir x-Mal geprobt!“

Später, in den eher ruhigen Zonen, habe er seine MOD 70 oft so laufen lassen, wie sie es wollte. „Das ist irre mit diesen Trimaranen. Bei leichteren Winden springen sie schon bei der geringste Wasserkräuselung an. Als würde ein Vogel von der Wasseroberfläche abheben. Ein tolles Gefühl, voller Poesie! Das Schiff zeigt Leben und du denkst: Also gut, dann mach’ doch wie du willst, ich vertraue Dir!“

Nächtliche Ankunft nach gewonnenem Duell um den vierten Rang © courcoux

Nächtliche Ankunft nach gewonnenem Duell um den vierten Rang © courcoux

Mit 42 Knoten am Cap Finisterre

Nicht gerade auf „Wolke Sieben“ schwebte der Viertplatzierte Lionel Lemonchois, als er im Hafen von Pointe-a-Pitre seine ersten Interviews gab. Er hatte vor acht Jahren auf dem Trimaran „Gitana 11“ den bis vor zwei Tagen bestehenden RdR-Rekord aufgestellt, siegte vor vier Jahren in der „Multi 50“-Kategorie und hatte eigentlich in diesem Jahr den zweiten Platz anvisiert. Hinter wem, wollte er stur nicht verraten.

Lemonchois ist einer dieser Siegertypen, die auf „Deibl komm raus“ vorne dabei sein müssen. Am häufigsten hadert er mit dem Wetter – von ihm stammt der Spruch dass „Segeln ohne Wetter noch mal richtig viel mehr Spaß machen würde.“

Lionel Lemonchois, einer dieser Salzbuckel mit Biss © courcoux

Lionel Lemonchois, einer dieser Salzbuckel mit Biss © courcoux

Er kenterte mit seinem 24-Meter-Trimaran Anfang des Jahres bei einem Einhand-Rekordversuch auf der Höhe von Brasilien („diese elenden Böen da unten in dieser unberechenbaren Zone!“) und blieb 10 Tage auf dem Schiff (SR berichtete). Was ihn aber keineswegs abgehalten hat, während der ersten Starkwindtage dieser RdR  „Vollgas“ zu geben: „Es war… sportlich!“, sagte er grinsend. „Beim Cap Finisterre war ich in den Wellen mit 42 Knoten Geschwindigkeit unterwegs.

Da kannst du nicht an Schlaf oder sowas denken. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben innerhalb einer Woche so wenig geschlafen. Komatöse Zustände von 30-40 Minuten. Vor Madeira hat uns dann Loick wieder mal den Loick gemacht und uns allen gezeigt, wo der Hammer hängt. Als ich an das „Schlupfloch“ kam, war es schon wieder geschlossen!“

"Die Prince de Bretagne" kurz nach dem Start zur RdR © courcoux

“Die Prince de Bretagne” kurz nach dem Start zur RdR © courcoux

Auf den letzten Seemeilen abgefangen

Zuletzt lieferte sich Lemonchois eine spannendes Duell mit dem später Fünftplatzierten Sidney Gavignet auf „OMAN Sails“, ebenfalls eine MOD 70. Bei der Umfahrung von Guadeloupe waren die Schiffe mitunter weniger als eine Seemeile voneinander entfernt. Lemonchois überholte westlich der Insel, indem er tief unter Land segelte und dort deutlich günstigere Winde erwischte als Gavignet. Der zeigte sich sehr enttäuscht: „Ich bin sauer, und zwar richtig. Ich habe 99% meiner Fehler bei dieser Regatta auf den letzten paar Seemeilen gemacht. Ich glaube, ich habe zuvor noch nie so schlecht gesegelt! Ich hatte mir einen sicheren vierten Rang erkämpft… und dann sowas!“

Am Nachmittag und am frühen Abend werden Yann Elies auf Paprec Recyclage und Francis Joyon auf „IDEC“ erwartet. Damit wären alle Trimarane der spektakulären „Ultime“-Klasse im Zielhafen.

Sidney Gavignet verliert den vierten Rang auf den letzten Seemeilen "Bin ich sauer!" © Oman Sails

Sidney Gavignet verliert den vierten Rang auf den letzten Seemeilen: “Bin ich sauer!” © Oman Sails

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Michael Kunst

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