Route du Rhum: Sir Robin Knox-Johnston (75) auf Rang drei der „Rhum-Klasse“

Je oller desto doller

Beeindruckender Dritter: Sir Robin auf der Ziellinie vor Guadeloupe © pen duick

Beeindruckender Dritter: Sir Robin auf der Ziellinie vor Guadeloupe © pen duick

Nach anfänglicher Zurückhaltung drehte die Hochseelegende gegen Ende der Regatta nochmals richtig auf. Nervenaufreibende letzte 12 Stunden.

Eigentlich segelte Sir Robin Knox-Johnston strikt nach Plan: Vor dem Start zur Jubiläumsausgabe der Route du Rhum machte der 75 jährige allen deutlich, dass mit ihm – graue Eminenz hin oder her – zu rechnen sei. Schließlich segele er eine Transatlantik-Regatta und keinen Kaffeetörn.

„Ich bin zwar noch ziemlich fit für mein Alter, will aber ein gewisses physisches Manko durch Erfahrung und Bauchgefühl kompensieren!“ sagte er der französischen Tageszeitung „Liberation“. Außerdem fühle er sich nun mal unter der Sonne des Südens wohler, als im „Schietwetter“ der Biskaya. Erst im Warmen sei richtig mit ihm zu rechnen.

Auch wenn er es nicht gerne liest: Der "alte Mann" hat "auf dem Meer" wieder zugeschlagen © pen duick

Auch wenn er es nicht gerne liest: Der “alte Mann” hat “auf dem Meer” wieder zugeschlagen © pen duick

“Manchmal etwas zu körperlich”

Also „duckte“ sich der „Sir“ während der ersten Tage unter den aufeinander folgenden Tiefdruckgebieten erstmal ab. „Das Wichtigste war, heil aus diesem Wetter heraus zu kommen,“ erklärte er bei seiner Pressekonferenz nach der Ankunft auf Guadeloupe. „Ich hatte immer ein Reff mehr im Groß als die anderen, war stets darauf bedacht, weit weg vom Limit zu bleiben.“

Wohlgemerkt, eine Open 60 vom Ende des letzten Jahrtausends durch eine übel gelaunte Biskaya zu bringen, ist und wäre für jeden eine höchst anspruchsvolle Aufgabe – physisch und mental. Doch ein 75-Jähriger kann nach solch einer Leistung wirklich stolz auf sich sein: „Es hat ganz gut geklappt zwischen dem Boot und mir, wir haben so etwas wie eine einvernehmliche Altersbeziehung aufgebaut. Das Ganze ist zwar manchmal ein wenig zu „körperlich“ für meinen Geschmack, aber so ist das eben mit den alten Mädchen!“

Ruppige Bedingungen also während der ersten drei Tage der (theoretisch) 3.542 Seemeilen langen Strecke, gänzlich unberechenbare Windverhältnisse vor Madeira, heftige Drücker in den ersten Passatstrecken nach Passieren der Kanarischen Inseln und schließlich beeindruckende Gewitterfronten mit Böenwalzen bei Annäherung des Antillen-Bogens… „es war anspruchsvoll, würde ich sagen!“ grinste Sir Robin nach Ankunft.

Open 60 sind durchweg "physische Schiffe" – erst recht für einen 75jährigen! © pen duick

Open 60 sind durchweg “physische Schiffe” – erst recht für einen 75jährigen! © pen duick

Ziel: Podium

Was ihn nicht davon abhielt, weiterhin nach Plan zu segeln. Sobald es in südlicheren Gefilden wärmer wurde, positionierte sich der „erste Mensch, der 1968 die Welt einhand nonstop umsegelt“ unter den ersten fünf Schiffen der „Rhum-Klasse“. Obwohl er speziell in den britischen Medien schon dafür gefeiert wurde – Sir Robin gab mehrere Interviews während der Atlantiküberquerung – machte er nun aus seiner eigentlichen Intention keinen Hehl mehr: Das Podium.

Nach 12 Tagen auf See trumpfte der erfahrene Seebär auf und vermutet, dass sein Schlafmanagement ein Schlüssel zum Erfolg war. Er rief bei seiner „Grey Power“ nicht für möglich gehaltenes Potenzial ab. Dabei hängten Sir und Schiff die unmittelbaren Konkurrenten  auf „exKriter VIII“ und „exFriends an Lovers“ ab. Nur der Italiener Andrea Mura auf der „Vento di Sardegna“, der einen südlicheren Kurs gewählt hatte, tauchte mit seiner Open 50 vor der „Grey Power“ in die komplizierte Zone rund um Guadeloupe ein.

Nördlich der Insel schrumpfte der Abstand zwischen den beiden „Open“ bis unter 20 Seemeilen, westlich der Insel kam es in den Abdeckungen – ähnlich wie bei anderen Duellen kurz vor dem Ziel im Süden der Insel – schließlich zur Entscheidung.

So ein dritter Rang kann durchaus ein Jungbrunnen sein © pen duick

So ein dritter Rang kann durchaus ein Jungbrunnen sein © pen duick

“Fühle mich wie 50!”

Sir Robin parkte nah unter Land in einer Flautenzone ein (teils Geschwindigkeiten von unter einem Knoten), während Mura etwas weiter westlich mehr Glück und somit Wind hatte.

Zwölf Stunden brauchte „die graue Eminenz auf „Grey Power“ letztendlich für die Umrundung der Insel und seinem direkten Konkurrenten Andrea Mura konnte er so nicht mehr gefährlich werden. Im Gegenteil: Als Sir Robin in der Flaute vor sich hin dümpelte, näherte sich Wilfrid Clerton auf der „ex Kriter VIII“ in beeindruckendem Tempo.

„Aber ich habe Nerven wie Stahlseile!“ erklärte der „Alte“ nach seinem Zieldurchgang. „Dieses Podium hatte ich im Visier! Und dass ich das jetzt geschafft habe… ein Jungbrunnen! Ich fühle mich wie 50!“

Sir Robin Knox-Johnston segelte 4.416 Seemeilen in 20 Tagen, 7 Stunden und 22 Sekunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,05 Knoten entspricht. Sein Abstand zur Siegerin Anne Caseneuve auf dem Trimaran „Aneo“ beträgt mehr als drei Tage, zum Zweitplatzierten Andrea Mura jedoch nur fünfeinhalb Stunden – chapeau!  „In vier Jahren bin ich wieder dabei,“ rief er seinen Fans im Hafen zu. „Darauf könnt Ihr Euch verlassen!“

Man brauch "Nerven wie Stahlseile" © pen duick

Man braucht “Nerven wie Stahlseile” © pen duick

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Route du Rhum: Sir Robin Knox-Johnston (75) auf Rang drei der „Rhum-Klasse““

  1. avatar UHu sagt:

    Man kann da jetzt alles rein kommentieren…
    Wenn ich mit 75 noch so gut drauf bin und vorallem diesen drive habe, super gelaufen !

    Chapeau Sir Robin !

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

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